# taz.de -- Nobelpreise für Chemie 2026: Chemie-Nobelpreis an einen Franzosen und einen Japaner
       
       > Henri Kagan und Kenso Soai werden ausgezeichnet für die Entdeckung
       > nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen
       > organischen Synthese.
       
 (IMG) Bild: Warten auf die Preisbekanntgabe an der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften
       
       dpa | Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den Franzosen Henri
       Kagan und den Japaner Kenso Soai für die Entdeckung nichtlinearer Effekte
       und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese. Das teilte
       die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Die
       Entdeckungen seien entscheidend für Chemiker gewesen, die Grundlagen für
       die Herstellung von Arzneimitteln entwickeln, hieß es.
       
       Einige Moleküle wie Aminosäuren existieren als zwei Varianten, die das
       Spiegelbild des anderen sind. Lebende Organismen enthalten jedoch nur eines
       dieser Spiegelbilder. Wie chemische Asymmetrie wie diese entstehen kann,
       war für Chemiker lange ein Rätsel. Kagan (Université Paris-Sud) und Soai
       (Tokyo University of Science) erhalten den Nobelpreis, weil sie eine Lösung
       gefunden haben.
       
       Die renommierteste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit
       insgesamt 12 Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund 1
       Million Euro.
       
       Die Nobelstiftung hatte das Preisgeld kürzlich auf 12 Millionen Kronen
       angehoben. „In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des
       Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine
       Million erhöhen zu können“, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung,
       Hanna Stjärne.
       
       ## Erstmals von einer Frau verkündet
       
       Im 125. Jahr gibt es noch eine Besonderheit: Erstmals in der Geschichte der
       Stiftung werden die Namen der Nobelpreisträger für Physik, Chemie und
       Wirtschaftswissenschaften von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin
       Ellen Moons trat zum Jahresbeginn 2026 ihren Posten als neue
       Generalsekretärin der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften
       (KVA) in Stockholm an, die die Nobelpreise in den drei Preiskategorien
       alljährlich bekannt gibt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der
       Gründung der Akademie im Jahr 1739.
       
       Im vergangenen Jahr ging der Nobelpreis für Chemie an die
       Materialwissenschaftler Susumu Kitagawa (Japan), Richard Robson
       (Australien) und Omar Yaghi (USA) für die Entwicklung metallorganischer
       Gerüstverbindungen. Die molekularen Strukturen mit großen Hohlräumen können
       genutzt werden, um Wasser aus Wüstenluft zu gewinnen, Kohlendioxid
       abzuscheiden, giftige Gase zu speichern oder chemische Reaktionen zu
       katalysieren.
       
       Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 198 verschiedene Forscher
       vergeben. Zwei von ihnen erhielten ihn zweimal. Unter den Preisträgern
       waren bislang acht Frauen: etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven
       Elemente Polonium und Radium entdeckte, und die Forscherinnen Emmanuelle
       Charpentier und Jennifer Doudna, die den Preis 2020 für die Entwicklung
       einer Genschere erhielten.
       
       ## Zwei Deutsche bekamen Medizin-Nobelpreis zuerkannt
       
       Die Nobelpreis-Bekanntgabe war am Montag mit der Medizin gestartet: Diese
       Auszeichnung geht in diesem Jahr an zwei deutsche und einen
       US-amerikanischen Forscher. Für ihre Entdeckungen in der Optogenetik werden
       Peter Hegemann (71) von der Humboldt-Universität Berlin, Georg Nagel (73)
       von der Uni Würzburg sowie der US-Forscher Karl Deisseroth (54)
       ausgezeichnet. Mit der Optogenetik lassen sich Zellen mithilfe von Licht
       präzise an- und abschalten. Damit lasse sich etwa zeigen, wie Nervenzellen
       im Gehirn Erinnerungen, Gefühle und Verhaltensweisen prägen, hieß es zur
       Begründung.
       
       Den Physik-Nobelpreis hatte am Dienstag der belgisch-amerikanische Forscher
       Francis Halzen (82) von der Universität von Wisconsin in Madison zuerkannt
       bekommen. Er hat bedeutende Beiträge zum Neutrino-Observatorium „IceCube“
       geleistet – einem Kubikkilometer Gletschereis in der Antarktis, der mit
       Sensoren ausgestattet ist. Damit gelang der erste Nachweis
       hochenergetischer kosmischer Neutrinos.
       
       Am Donnerstag und Freitag folgen die Bekanntgaben der diesjährigen
       Nobelpreisträger für Literatur und für Frieden. Die Reihe endet am
       kommenden Montag mit dem von der schwedischen Reichsbank gestifteten
       sogenannten Wirtschafts-Nobelpreis.
       
       Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am
       10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. Bereits am
       30. September waren die diesjährigen Träger des Right Livelihood Awards
       bekannt gegeben worden, der gemeinhin als Alternativer Nobelpreis
       bezeichnet wird.
       
       7 Oct 2026
       
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