# taz.de -- Krise beim Bremer Flughafen: Bye, bye, Bremen – Bye, bye, Ryanair
       
       > Ryanair streicht ab Sommer 2027 alle Flüge ab Bremen. Der Flughafen gerät
       > noch mehr in Schieflage. Die Stadt fühlte sich vom Unternehmen erpresst.
       
 (IMG) Bild: Hat das wirklich Priorität? Passagiere auf dem Weg zum Ryanair-Check-in
       
       Ryanair wird nächsten Sommer nicht mehr vom Bremer Flughafen aus starten.
       Die bisherigen Verbindungen nach Malaga, Alicante, Zadar und auch die
       täglichen Flüge nach Mallorca und London sind ersatzlos gestrichen. Das
       wurde dem Flughafen Dienstagabend von Ryanair mitgeteilt. Einzig Mallorca
       wird auch von anderen Fluggesellschaften angeflogen. Die anderen Ziele
       entfallen erst mal ganz.
       
       Dabei hatte der Flughafen, der [1][seit Jahren vor sich hin krepelt,]
       gerade noch vorsichtigen Optimismus verbreiten können. Ende September gab
       es die Erfolgsmeldung, die Lufthansa fliege von Bremen aus jetzt doch
       wieder Frankfurt an – zwar nur noch einmal statt fünfmal am Tag, aber
       immerhin: Bremen ist wieder verbunden mit Deutschlands wichtigstem
       Umsteigehub. Erst im Mai [2][hatte die Lufthansa die Streichung verkündet,]
       jetzt also der kleine Wiedereinstieg.
       
       Zwischen den beiden Entscheidungen gab es „Gespräche“ zwischen Bremen und
       der Lufthansa. Was genau darin verabredet wurde, ist natürlich sehr, sehr
       geheim. Der Chef des Aufsichtsrats gibt nur zu Protokoll, dass es „keine
       Diskriminierung für Airlines“ gegeben habe, dass alle Angebote
       selbstverständlich für alle Fluglinien gälten. Nur nutzten natürlich nicht
       alle Airlines die großen Luftfahrt-Drehkreuze.
       
       Das Regionalmagazin von Radio Bremen, „buten un binnen“, hatte zur
       Verkündung der Einigung Ende September noch Ryanairs Marketingchef zitiert:
       Entscheidend sei nun, dass am Standort Bremen für alle Marktteilnehmer die
       gleichen Bedingungen gelten. Man werde sich das Ergebnis der Verhandlungen
       genau ansehen. Eineinhalb Wochen später nun die Absage der weiteren
       Zusammenarbeit.
       
       ## Fluggesellschaft stellte „nicht erfüllbare Forderungen“
       
       Mit dem Ryanair-Aus fallen 400.000 Passagiere weg, etwa ein Fünftel aller
       Fluggäste, die jährlich [3][über Bremen fliegen]. Dabei hatte der Flughafen
       ohnehin schon ein großes Problem: Erst im September war bekannt geworden,
       dass er aktuell ein Defizit von 13 Millionen Euro mit sich herumträgt – und
       dabei jährlich 10 Millionen Euro Minus macht. Ein Sparmanager soll
       eingestellt werden. Geplant war bereits eine Insolvenz in Eigenverwaltung.
       
       Die Kommunikation wird der Bremer Wirtschafts- und Häfensenatorin Kristina
       Vogt (Die Linke) und ihrem Staatsrat Kai Stührenberg überlassen, der Chef
       im Aufsichtsrat des Flughafens ist. Im Ressort findet man: Die
       Ryanair-Sache ist mit der Lufthansa-Geschichte nicht zu vergleichen.
       
       „Nicht erfüllbare Forderungen“ habe die irische Fluggesellschaft gestellt,
       nahezu kostenfrei wolle man den Bremer Flughafen und seine Leistungen
       nutzen. Am Ende, sagt Stührenberg, hätte der Flughafen damit für jeden
       Flugpassagier fünf Euro draufzahlen müssen. „Das ist keine Preisverhandlung
       mehr, hier wird Marktmacht ausgespielt, und die Rechnung soll die
       öffentliche Hand zahlen“, kritisiert Häfensenatorin Vogt.
       
       Man sei Ryanair weit entgegengekommen, sagt Vogt, „aber irgendwann ist die
       Grenze erreicht“. Zu einem geplanten Gespräch über das weitere Vorgehen kam
       es gar nicht mehr: Das hatte Ryanair schon am Montag kurzfristig abgesagt.
       Das Aus der Ryanair-Flüge im nächsten Sommer bedeutet laut Behörde einen
       Verlust von drei Millionen Euro; auf die Forderungen einzugehen, hätte aber
       sogar vier Millionen gekostet.
       
       Dass Ryanair sich über zu hohe Standortkosten beklagt, ist nicht neu; der
       Flughafen hat die meisten davon aber gar nicht in der Hand. Viele Abgaben
       und Steuern werden auf Bundesebene festgelegt. Dass nun Flughäfen wie
       Dortmund, Berlin oder auch Hamburg vom Unternehmen bestraft würden, hängt
       nicht nur mit Bedingungen an diesen Standorten zusammen – über Bande wird
       so Druck auf die Bundesregierung gemacht.
       
       Tatsächlich hat Bremen schon [4][während der Verhandlungen mit der
       Lufthansa an die Bundesregierung geschrieben] und dort um eine kurzfristige
       Senkung der Flugsicherungsgebühren gebeten. Die Druck-weitergeben-Strategie
       funktioniert also auch, wenn sie von anderen Anbietern ausgeht.
       
       7 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bremens-Flughafen-droht-die-Insolvenz/!5693962
 (DIR) [2] /Lufthansa-streicht-Inlandsfluege/!6178089
 (DIR) [3] /Zurueck-aus-dem-Tuerkei-Urlaub/!6207906
 (DIR) [4] https://www.ardmediathek.de/video/buten-un-binnen-oder-regionalmagazin/bremen-fordert-steuerliche-entlastung-fuer-fluggesellschaften/radio-bremen/Y3JpZDovL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL3JhZGlvYnJlbWVuLmRlL29wZW5tZWRpYS8zXzM4MzE0Ny9zZWN0aW9uL3VybjphcmQ6ZXBpc29kZTplMDQ2OWI0M2FlYjQ1MTIz
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lotta Drügemöller
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Flughafen
 (DIR) Insolvenz
 (DIR) Ryanair
 (DIR) Bremen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Deutscher Flugverkehr: Fast jede zweite Luftreise ist Kurzstreckenflug
       
       Ein großer Teil der Flüge, die in Deutschland abheben, legt weniger als
       1.000 Kilometer zurück. Das zeigen aktuelle Zahlen.
       
 (DIR) Lufthansa streicht Inlandsflüge: Bremen sieht sich abgehängt
       
       Die Lufthansa streicht ab Juli alle Flüge zwischen Bremen und Frankfurt.
       Der Senat schimpft und bangt. Dabei sollte der doch ohnehin umplanen.
       
 (DIR) Germania-Insolvenz schwächt Bremer Flughafen: Pleite, Pech und Passagierausfall
       
       Für den Bremer Flughafen ist die Insolvenz der Airline Germania ein herber
       Schlag – zumal nach dem beleidigten Abflug von Ryanair im vergangenen
       Herbst.