# taz.de -- Verdacht auf Lungenpest: Intransparenz russischer Behörden nährt Spekulationen
> In Sibirien stirbt eine Medizinerin – angeblich an einer „gefährlichen
> Infektion“. Jetzt wird spekuliert, dass die Todesursache die Lungenpest
> sei.
(IMG) Bild: Laborant*innen im Forschungsinstitut für Pestbekämpfung in Irkutsk (Archivbild, 2019)
Als Darja Schipilowa in der Nacht auf den 2. Oktober im Krankenhaus der
sibirischen Stadt Schelechow starb, befanden sich die russischen Behörden
bereits in Alarmbereitschaft. Die 28 Jahre alte studierte Medizinerin und
Laborantin im Institut für Pestforschung in Irkutsk war drei Tage zuvor in
die Klinik eingeliefert worden.
Am vergangenen Freitagmorgen berichteten lokale Medien erstmals von einer
„gefährlichen Infektion“, wegen der eine Sondersitzung der Regionalführung
einberufen worden sei. Im russischen Telegram-Kanal Mash erschien kurze
Zeit später eine Meldung zu den Umständen, die zur Ansteckung der jungen
Frau geführt haben könnten und der Todesursache: Lungenpest.
Schipilowa, so Mash, sei von einer Dienstreise aus der benachbarten
Republik Burjatien zurückgekehrt, wo im Grenzgebiet zur Mongolei ein
Ansteckungsherd entdeckt worden sei. Einer anderen Version zufolge habe die
Laborantin ein Reagenzglas mit dem Bakterium Yersinia pestis zerbrochen und
sich auf diese Weise angesteckt.
Was davon den Tatsachen entspricht, lässt sich angesichts der dürftigen
Faktenlage nicht überprüfen. Am Sonntag teilte die zuständige
Aufsichtsbehörde Rospotrebnadsor lediglich mit, die Institutsangestellte
sei an einer Lungenentzündung erkrankt, verursacht durch einen unbekannten
Erreger. Bisherige Untersuchungen hätten ergeben, dass ihre Erkrankung in
keinem Zusammenhang mit ihrer Berufstätigkeit stünde und es im
Kolleg:innenkreis keine weiteren Vorfälle gegeben habe.
## Völlige Intransparenz
Aleksej Zydenow, Oberhaupt von Burjatien, beeilte sich im offiziellen
Messengerdienst Max klarzustellen, dass die an der Pest verstorbene Frau
nicht nach Burjatien gereist sei. Nachträglich schwächte er seine
Formulierung durch die Ergänzung ab, sie sei „möglicherweise“ an der Pest
verstorben.
Sowohl seine Aussage, als auch die völlige Intransparenz der Behörden
nähren Spekulationen hinsichtlich einer etwaigen Ausbreitung der
hochansteckenden Lungenpest. Bei unverzüglicher Verabreichung einer hohen
Dosis Antibiotika ist die Krankheit heilbar, ohne Behandlung verläuft sie
hingegen tödlich.
Dass das Institut für Pestforschung im südlichen Sibirien angesiedelt ist,
hat einen guten Grund. Im nahegelegenen Altai und im Grenzgebiet zur
Mongolei sorgen mit der Pest infizierte Nаgetiere immer wieder für eine
Übertragung auf Menschen. Erst kürzlich erstattete Anna Popowa, die
Leiterin von Rospotrebnadsor, Präsident Wladimir Putin diesbezüglich
Bericht. Zudem liefert Russland an die Mongolei einen Pestimpfstoff. Für
die zweite Oktoberhälfte plant das Institut eine internationale Konferenz
zur Prävention der Pest und anderer gefährlicher Infektionskrankheiten.
## Unter strenger Quarantäne
Untätigkeit kann man den russischen Behörden zum jetzigen Zeitpunkt nicht
vorwerfen: Mögliche Kontaktpersonen der verstorbenen Laborantin wurden
isoliert, einige Irkutsker Krankenhäuser stehen unter strenger Quarantäne.
Selbst der staatliche Sicherheitsapparat ist in die aktuellen Abläufe
involviert.
Mit einer unkontrollierten Ausbreitung der Lungenpest ist also nicht zu
rechnen, allerdings ist die für den russischen Staat so typische
Geheimhaltungstaktik alles andere als vertrauensfördernd. Vorsichtshalber
deckt sich die Bevölkerung schon einmal mit Antibiotika ein – solange der
Vorrat reicht.
6 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Vera Bessonova
## TAGS
(DIR) Russland
(DIR) Infektionskrankheit
(DIR) Sibirien
(DIR) GNS
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