# taz.de -- herzensort: Zug um Zug im Zwischenraum
       
       Meine Tante ist immer schon da. Man sieht sie, bevor sie einen sieht. Mit
       einer Zigarette sitzt sie in ihrer orangenen Daunenjacke auf dem Barhocker
       und liest, im Raucher*innenbereich des Restaurants mit dem Schwein im
       Logo am Bahnhof Altona. Wir treffen uns hier nicht jede Woche, aber immer
       samstags um 12 Uhr, weil sie davor bei Aldi am Bahnhof einkaufen war. Zu
       jeder Jahreszeit sitzen wir draußen vor dem Hintereingang. Die kleine
       Terrasse ist überdacht, an den Seiten verglast, nach vorne hin offen. Immer
       lässt meine Tante ihre Jacke an, meist die Mütze auf. Manchmal essen wir
       eine Kartoffel, [1][vor allem rauchen wir]. Sie reicht mir die Schachtel
       mit den Zigaretten, die sie zu Hause gestopft hat. Ihre steckt sie auf
       einen goldenen Glasfilter, das ist gesünder. Wir sind die einzigen Gäste,
       die hier im Durchgang sitzen.
       
       Während wir reden und rauchen, gehen Leute an uns vorbei. Wenn die Tür sich
       öffnet, hören wir die Stimmen von drinnen, wo die Gäste ohne Jacken sitzen.
       Manchmal verbringt eine Kellnerin ihre Pause bei uns. Unsere Treffen sind
       leicht, vielleicht weil sie im Zwischenraum liegen, zwischen Aldi und
       Heimweg und drinnen und draußen. Amira Klute
       
       24 Oct 2026
       
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