# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn der sanfte Engel eine vom Stuhl haut
       
       Ein Sonntag in einem Eiscafé am Bayerischen Platz in West-Berlin, äh
       Schöneberg. Auf den Tisch in die Herbstsonne stellt der Kellner einen
       Sanften Engel. Orangensaft mit Vanilleeis, ganz oben eine Waffel in
       Herzform. Das Glas steht auf einem ovalen Blechteller, der die Sonne
       reflektiert, neben einer Serviette und einem langen Löffel. So retro, so
       westdeutsche Ästhetik. Es ist so hoch, dass ich aufstehen muss, um am
       Strohhalm zu saugen. 
       
       Bestellt habe ich vor fünf Minuten, ohne in die Karte zu schauen. Ich habe
       mich selbst überrascht, stand vor der Eisauslage, dachte über Schokolade
       und Pistazie nach, nahm aber nichts davon. Plötzlich sagte ich „Einen
       Sanften Engel, bitte.“ Mir war, als erinnerte das Getränk mich an eine
       Kindheit auf braun-orange gepolsterten Gartenstühlen in einer West-Berliner
       Laube in den 1970er Jahren – dabei bin ich in Westdeutschland und erst 1997
       geboren. Eine Phantomerinnerung?
       
       Jetzt gefriert vor mir der Orangensaft auf dem Eis, das in ihm schwimmt.
       Man muss leider sagen, die Verbindung von Fruchtsäure und eiskalter Milch
       tut nicht wirklich gut, aber die Süße tröstet. Als ich die letzte Pfütze
       vom Boden des Glases gesaugt habe, will ich zahlen und werde brutal in die
       Gegenwart geholt. Der Sanfte Engel kostet 8,50 Euro. Amira Klute
       
       24 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Amira Klute
       
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