# taz.de -- doppelblind: Wie Kolonialismus Waldbrände in Australien befeuert
       
       ## Worum geht’s?
       
       Der Purghagoolah-See liegt zwischen Eukalyptusbäumen in einem Nationalpark
       im Südosten Australiens. Er ist 22 Meter tief. An seinem Grund findet sich
       die Antwort auf die Frage, warum Waldbrände in Australien seit dem
       Kolonialismus viel größer und verheerender wurden. Diesen Zusammenhang
       beschreiben Forschende in einer Studie,[1][die im Oktober im Fachmagazin
       Natureveröffen]tlicht wurde.
       
       ## Die Studie
       
       Die Forscher*innen wollten verstehen, wieso der Wald im 19. Jahrhundert
       durchschnittlich nur alle 40 Jahre richtig doll brannte und [2][heute alle
       5]. Kein Wunder, könnte man meinen, [3][Klimawandel]. Doch nur auf das
       Klima zu schauen, verstelle den Blick auf historische menschengemachte
       Faktoren, die Brände begünstigen, so die Autor*innen.
       
       Sie untersuchten also, wie die indigenen Bewohner*innen mit dem Wald in
       der Region umgingen, bevor die Brit*innen sie im 19. Jahrhundert
       vertrieben oder ermordeten. Regelmäßig verbrannten sie kleine Teile des
       Waldes. So sorgten sie dafür, dass weniger leicht entflammbares Holz am
       Boden liegen blieb, der Wald überhaupt weniger dicht war – und damit auch
       weniger brennbar. Sie verhüteten Feuer mit Feuer. „Kulturelle Brände“ nennt
       man die Technik heute.
       
       Um zu zeigen, wie gut das Waldmanagement der indigenen Bewohner*innen
       gegen große Brände half, arbeiteten die Forscher*innen mit
       Vertreter*innen der Gunaikurnai Land and Waters Aboriginal Corporation
       zusammen. Sie schauten sich 1.000 Jahre der Geschichte des Waldes rund um
       den Purghagoolah-See an. Dazu griffen sie auf Erinnerungen der indigenen
       Gemeinschaft zurück. Und sie gruben im See nach Hinweisen.
       
       Von der tiefsten Stelle nahmen sie einen 1 Meter langen Bohrkern aus dem
       Boden und extrahierten daraus Proben im Abstand von halben Zentimetern, die
       sich über die Jahrhunderte angelagert hatten. Sie untersuchten die Pollen
       darin, die auf bestimmte Pflanzen hindeuteten, und Spuren von Kohle, um die
       Temperatur von Bränden zu schätzen.
       
       Sie konnten zeigen, dass die Vegetation sich vom offenen Baumland zu
       dichten Eukalyptuswäldern verändert hat und es [4][viel heißere und
       intensivere Brände] gab. Und zwar abrupt von der Mitte des 19. Jahrhunderts
       an, also ab Beginn des Kolonialismus in dieser Gegend. Wo früher dank der
       vielen kleinen, von den indigenen Menschen gelegten Brände offenes Baumland
       war, wuchsen seit der britischen Invasion dichte, leicht entflammbare
       Eukalyptuswälder. Ein Teufelskreis: Nachdem es gebrannt hat, wächst
       besonders gut wieder Eukalyptus, der besonders gut brennt.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Die Forscher*innen schlagen vor, die indigene Technik wiederzubeleben.
       Ob das überall hilft, müsse noch untersucht werden. In einigen Orten
       Australiens wird das schon gemacht – wie in den 60.000 Jahren vor der
       Invasion.
       
       Amira Klute
       
       17 Oct 2026
       
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