# taz.de -- Pläne für Superreiche: Grüne wollen Millardäre ein bisschen zur Kasse bitten
> Die Partei möchte Kapital ab 500 Millionen Euro mit einer Zusatzabgabe
> von 2 bis 4 Prozent belegen. Doch für die Union dürfte selbst das
> schwierig werden.
(IMG) Bild: Das wird man sich ja wohl noch leisten dürfen: Goldener Schlitten aus dem baden-württembergischen Kernland der Grünen
Eine Lösung für zwei Probleme: Hohe Vermögen ab 500 Millionen Euro wollen
die Grünen mit einer zusätzlichen Steuer belegen. Das soll mehr Geld für
Bund und Länder bringen – mindestens 20 Milliarden Euro pro Jahr. Außerdem
könnte es der Gerechtigkeit dienen, [1][denn heute wird Kapital oft viel
niedriger besteuert als Arbeit.]
Die Oppositionspartei im Bundestag nennt Reichtümer über 500 Millionen Euro
„Extremvermögen“. Als pragmatisches Angebot an die Bundesregierung
betrachten die grünen Finanzexperten Andreas Audretsch, Katharina Beck und
Karoline Otte ihren Vorschlag, den sie am Dienstag vorstellten. Schließlich
haben es Union und SPD mit einem unterfinanzierten Bundeshaushalt zu tun,
in dem die Löcher schneller aufreißen, als sie sich stopfen lassen.
Summen über 500 Millionen Euro würden demnach mit einem Steuersatz von zwei
Prozent besteuert. Ab 1 Milliarde Euro betrüge die Steuer 3 Prozent, 4
Prozent ab 10 Milliarden Euro Vermögen. Zwischen den Stufen stiege der
Tarif linear an.
„Ein Arbeiter bei BMW zahlt fast doppelt so viele Steuern und Abgaben wie
die BMW-Erbin Susanne Klatten“, sagt die Abgeordnete Otte und fragt: „In
welcher verkehrten Welt ist das gerecht?“ Der Vorteil für hohe Vermögen
rühre daher, dass diese in speziellen Verwaltungsgesellschaften lägen, in
Finanzprodukte und Firmen investiert und deshalb niedrig besteuert würden.
Nur den kleinsten Teil, erklären die Grünen, verwendeten die Reichen für
private Ausgaben, wofür sie dann die normale Einkommensteuer entrichteten.
Diese „Steuerlücke“ will man mit der neuen Vermögensteuer verringern.
## Die Zinsen durch die Verschuldung drücken schon
Dem Konzept zufolge beträfe das in Deutschland „nur einige hundert
Personen“. Der Mittelstand müsse sich keine Sorgen machen. Die Grünen
setzen die Steuersätze mit 2 bis 4 Prozent unterhalb der Rendite an, die
die BesitzerInnen normalerweise auf ihr Kapital erzielen. „Wir haben bei
der Konzeption sehr darauf geschaut, dass es definitiv nicht an die
unternehmerische Substanz geht“, sagt Katharina Beck. Ein Anlass für
Steuerflucht bestehe deshalb nicht, auch für die Finanzierung von Start-ups
entstünden keine Schwierigkeiten.
Die SPD und die Linke liebäugeln ebenfalls mit einer neuen Vermögensteuer,
die seit Jahrzehnten hierzulande nicht erhoben wird. Weil CDU und CSU
solche Avancen jedoch ablehnen, existiert momentan keine realistische
politische Mehrheit im Bundestag.
Wobei die finanzpolitische Gesamtlage gezielte Erhöhungen der Einnahmen
durchaus plausibel erscheinen lässt. Zwar verfügt die Regierung über enorme
Summen, die sie in schuldenfinanzierte Investitionen steckt – dafür wurden
Ausnahmen von der Schuldenbremse beschlossen. [2][Gleichzeitig ist aber das
Geld im Kernhaushalt knapp.] Dort gilt die Schuldenbremse noch. Auch
beginnen die Zinsen zu drücken, die für die umfangreiche Verschuldung zu
zahlen sind.
Zusätzlich gibt es einen Haufen teurer Probleme. Die gesetzliche
Krankenversicherung und die Pflegeversicherung geraten in die roten Zahlen.
Eventuell braucht die Rentenversicherung höhere Zuschüsse oder muss die
Leistungen kürzen und die Beiträge erhöhen. Schließlich steigen die
Militärausgaben stark, weil die Regierung die Bundeswehr modernisiert und
die von Russland angegriffene Ukraine unterstützt. Augenblicklich wird zwar
der größere Teil davon mit neuen Schulden finanziert. Doch ewig geht das
nicht so weiter, die Verteidigung muss dann wieder aus dem normalen
Haushalt bezahlt werden. Auch angesichts dieser Aussichten weisen Fachleute
öfters daraufhin, dass Deutschland große Vermögen geringer besteuert als
vergleichbare Wirtschaftsnationen.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Weniger-Steuereinnahmen-als-erwartet/!6177514
(DIR) [2] /Ruestung-oder-Rente/!6191122
## AUTOREN
(DIR) Hannes Koch
## TAGS
(DIR) Vermögensteuer
(DIR) Steuerpolitik
(DIR) Bündnis 90/Die Grünen
(DIR) Superreiche
(DIR) GNS
(DIR) Kolumne Die eine Frage
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach der Berlin-Wahl: Warum wollten die Grünen in Berlin nicht gewinnen?
Die Grünen taten alles, um die Wahl nicht zu gewinnen. Sie schmiegten sich
an die Linkspartei ran. Dabei kann die die neuen Radikalitätsgefühle besser
bedienen.
(DIR) Kampagne gegen die Linke: Raus aus dem Opfermodus
Dass ein linkes Regierungsbündnis in Berlin seine Gegner auf den Plan rufen
würde, war vorhersehbar. Sich darüber zu beklagen, ist keine Strategie.
(DIR) Rot-Rot-Grün im Bund: Früher war mehr Signalwirkung
Bei den Landtagswahlen gewinnt zwei Mal Rot-Rot-Grün. Ein Vorbild für den
Bund nach der Wahl 2029? Für die Verantwortlichen: eher nicht.