# taz.de -- Berlin-Marathon 2026: „Besser als Fingernägel kauen“
       
       > Esther und Hendrik Pfeiffer laufen den Berlin-Marathon. Er war schon bei
       > Olympia, nun ist er Pacemaker für seine Frau. Die will den deutschen
       > Rekord.
       
 (IMG) Bild: „Damit sie nicht untergeht, gerade in den Kurven“: Hendrik Pfeiffer und seine Frau Esther im August 2026 in Berlin
       
       taz: Esther Pfeiffer, Sie gelten als Mit-Favoritin und aussichtsreichste
       Deutsche beim [1][Berlin-Marathon]. Sehen Sie sich selbst auch so? 
       
       Esther Pfeiffer: Ich konnte mich dieses und im vergangenen Jahr noch mal
       deutlich über die 10 Kilometer und im Halbmarathon steigern. Die Zeiten der
       aktuellen deutschen Marathon-Rekordhalterin habe ich auf diesen Strecken
       [2][schon unterboten]. Ich glaube, wenn man Profisportlerin ist, sollte
       dann auf jeden Fall auch das Karriereziel sein, sich den deutschen
       Marathonrekord zu holen, und mit der Jagd werde ich am Sonntag beginnen.
       
       taz: Bei Ihrem letzten Marathon haben Sie den Verlobungsring verloren. Was
       ist passiert? 
       
       Esther Pfeiffer: Ich habe drei Tage vor dem Rennen den Ring von
       [3][Hendrik] bekommen und mich riesig gefreut. Der hat aber nicht ideal am
       Finger gesessen und ich dachte, ich verliere den nicht, wenn ich ihn um
       eine Kette mache. Im Siegerinterview habe ich dann einen Aufruf gestartet,
       damit auf der Strecke danach gesucht wird. Ein Läufer hatte ihn tatsächlich
       einem Zuschauer gegeben. Der hat sich beim Veranstalter gemeldet und ich
       habe ihn zurückbekommen.
       
       taz: Sie sind ja mittlerweile verheiratet. 
       
       Esther Pfeiffer: Genau. Und der Ring sitzt jetzt auch besser.
       
       taz: Sie sind eigentlich Spezialistin für kürzere Strecken. 
       
       Esther Pfeiffer: Mir war schon immer klar, dass ich auf die Marathondistanz
       gehen möchte. Jeder Sportler hat den Traum, bei den Olympischen Spielen
       teilzunehmen, und der [4][Halbmarathon] ist eben nicht olympisch.
       Dementsprechend muss ich da jetzt die Distanz umstellen.
       
       taz: Hendrik Pfeiffer, Sie sind bereits Olympialäufer gewesen. Am Sonntag
       gehen Sie aber als Esthers Tempomacher an den Start. Wie funktioniert
       Pacemaking? 
       
       Hendrik Pfeiffer: Man muss viel kommunizieren. Vor allem, um auf
       Verpflegungsstationen oder Hindernisse wie zum Beispiel Unebenheiten im
       Boden hinzuweisen – gerade wenn Esther hinter mir im Pulk läuft und die sie
       eben einfach nicht sieht. Die größte Herausforderung für mich ist aber, die
       angestrebte Zeit exakt zu treffen. Am Anfang, wo man sich in das Tempo erst
       mal eingewöhnen muss, ist es schon ein Unterschied, ob man zwei, drei
       Sekunden pro Kilometer schneller oder langsamer läuft. Das fühlt sich für
       mich alles sehr, sehr ähnlich an. Und dann ist der dritte wichtige Punkt,
       neben dem Mutzusprechen, was dann irgendwann auch einfach dazu gehört, dass
       man dafür sorgt, dass die Gruppe auch gut zusammenarbeitet und Frauen wie
       Esther nicht so ein bisschen untergehen, weil sie körperlich zierlicher
       sind, gerade in den Kurven.
       
       taz: Ist es schwer für Sie, nicht auf eigene Rechnung zu laufen? 
       
       Hendrik Pfeiffer: Nein, alles, was wir erreichen, egal wer von uns, ist ein
       Erfolg von uns als Team. Und dann ist das für mich einfach ein viel
       schöneres Gefühl, auf der Strecke vielleicht sogar aktiv mithelfen zu
       können, als neben der Strecke mitzufiebern und gar nicht mehr eingreifen zu
       können und sich da die Fingernägel abzukauen.
       
       taz: Ist der Einsatz von Männern als Pacemaker für Frauen umstritten? 
       
       Hendrik Pfeiffer: Als männlicher Pacemaker ist es der absolute Normalfall.
       Wenn man sich den Stellenwert des Women-only-Weltrekordes im Vergleich zum
       klassischen Weltrekord anschaut, dann ist der klassische Weltrekord eben
       der, der noch mal ganz besonders zählt. Dementsprechend ist das ein völlig
       normales Vorgehen.
       
       taz: Herr Pfeiffer, Sie haben 2018 einen [5][besonderen Weltrekord] im
       Halbmarathon aufgestellt, weil sie im Businessanzug antraten. Warum? 
       
       Hendrik Pfeiffer: Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass Wege für
       angehende Profisportler geschaffen werden müssen, die den Übergang zum
       Profi-Dasein ermöglichen. Damals war ich Halbprofi und habe in einem
       Unternehmen gearbeitet, indem ich zweimal die Woche im Businessanzug
       gearbeitet habe. Im Berufsalltag der Anzug, im Training die Laufschuhe. Das
       war ein schönes Bild für diese Situation.
       
       taz: In Deutschland ist es üblich, dass Spitzensportler in olympischen
       Sportarten nebenbei normal arbeiten müssen, um sich ihre Leidenschaft zu
       finanzieren. 
       
       Hendrik Pfeiffer: Es ist schon sehr, sehr hart, nicht von der Sportart
       leben zu können. Ich bin in der günstigen Situation, dass ich eine
       [6][Sportförderstelle bei der Bundeswehr] habe. Aber auch die wird jedes
       Jahr aufs Neue geprüft. Da hängt eine Krankenversicherung, eine
       Altersvorsorge dran, die dann auch schnell wieder weg wäre. Wirklich von
       diesem Sport leben und vielleicht auch ein bisschen etwas für später
       weglegen, das gelingt, wenn überhaupt, nur einem Prozent.
       
       taz: Esther Pfeiffer, ein neuer deutscher Frauenrekord wäre ein großer
       Erfolg. Was brauchen Sie neben einem guten Tempomacher noch, damit das
       klappt? 
       
       Esther Pfeiffer: Am allerwichtigsten ist natürlich das Training, was man im
       Vorhinein gemacht hat. Und dass am Race Day gute Wetterbedingungen sind.
       Die Strecke sollte auch möglichst flach sein. Ich glaube, viele
       Voraussetzungen sind erfüllt, dass es am Sonntag erfolgreich wird.
       
       Hendrik Pfeiffer: Die Startzeit ist auch wichtig. Die haben sie jetzt 45
       Minuten früher angesetzt als im letzten Jahr. Das sind 45 extrem wertvolle
       Minuten. An einem Tag, an dem es 22, 23 Grad warm wird, macht es einen
       großen Unterschied, dass der Marathon [7][bei 3, 4 Grad weniger]
       stattfindet.
       
       taz: Was geschieht an den letzten Tage vor dem Marathon noch? 
       
       Esther Pfeiffer: Man macht am Tag mindestens noch eine Trainingseinheit. Am
       heutigen Mittwoch war die letzte intensive. Also, es ist nicht so, dass man
       sich jetzt schon komplett ausruht und nichts macht. Wir müssen auch bei ein
       paar Veranstaltungen im Rahmen des Marathons vor Ort sein. Aber wirklich
       alles sehr reduziert, damit zwischendurch genug Zeit ist, die Beine
       hochzulegen. Samstags ist dann gar nichts mehr, damit man wirklich komplett
       ausgeruht am Sonntag ins Rennen geht.
       
       25 Sep 2026
       
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