# taz.de -- NHL ignoriert deutsche Eishockeypläne: Keine Lust auf Kooperation
       
       > Vor dem Saisonstart der Deutschen Eishockey-Liga ärgern sich die
       > Verantwortlichen über das rücksichtslose Vorgehen der NHL bei ihren
       > Gastspielen.
       
 (IMG) Bild: Tim Stützle (r.) wird mit den Ottawa Senators im Dezember in Düsseldorf spielen
       
       Die Deutsche Eishockey-Liga, deren Saison am Donnerstag beginnt, sieht sich
       in einem nicht enden wollenden Boom. Ihr Chef Gernot Tripcke führte vor dem
       Start, [1][den Meister Eisbären Berlin] und Straubing bestreiten, allerlei
       schöne Zahlen als Beleg an. Zum Beispiel sei der Gesamtumsatz der Liga um 3
       Millionen Euro auf 198 Millionen Euro gestiegen. Im kommenden Jahr soll
       erstmals die 200-Millionen-Marke geknackt werden. „Ein schöner Anreiz“ sei
       das, meint Tripcke. Außerdem findet im kommenden Mai eine Weltmeisterschaft
       in Düsseldorf und Mannheim statt, auf die sich alle freuen.
       
       Allerdings gibt es auch ein Thema, das Tripcke und einigen DEL-Klubchefs
       nicht behagt: Die National Hockey League (NHL), die beste Eishockey-Liga
       der Welt, wildert recht rücksichtslos in den sorgsam gehegten DEL-Gefilden.
       
       Es klingt zunächst einmal wunderbar. Im Rahmen der Global Series kommt die
       NHL, wie sie unlängst ankündigte, 2027 für zwei Spiele der Edmonton Oilers
       mit dem [2][Kölner Superstar Leon Draisaitl] nach Köln in die Arena.
       Gleichzeitig werden die vom früheren Bundestrainer Marco Sturm gecoachten
       Boston Bruins mit Nationalspieler J.J. Peterka in München spielen. Das
       Interesse des deutschen Publikums an Weltklasse-Eishockey ist
       erwiesenermaßen groß. Die beiden Partien der Ottawa Senators mit dem
       deutschen Nationalspieler Tim Stützle, die am 18. und 20. Dezember dieses
       Jahres in Düsseldorf stattfinden, waren beim Verkaufsstart innerhalb
       weniger Minuten ausverkauft.
       
       Allerdings gibt es ein Problem, das nicht nur Tripcke verärgert: das
       mutmaßliche Bulldozer-Verhalten der amerikanischen Gäste, die offenbar
       allein nach dem Recht des Stärkeren handeln. „Sie haben ihre Spiele
       angekündigt, isoliert, ohne Rücksprache mit den Vereinen, mit uns oder dem
       DEB. Das geht spielplanmäßig gegen 28 Profiklubs hier in Deutschland“, sagt
       Tripcke – und: „Es gab auch nach der Ankündigung der Spiele in München und
       Köln keine neuerliche Kontaktaufnahme, es ist nichts passiert.“ Alles laufe
       über internationale Großvermarkter.
       
       ## NHL-Spiele auf Kosten der Kölner Haie
       
       Natürlich pickt sich die NHL für ihre Auftritte die besten Termine heraus,
       nämlich die Zeit vor Weihnachten, in der das Interesse am Eishockey
       traditionell besonders groß ist. Dass in der DEL gleichzeitig Spiele
       stattfinden, denen womöglich Aufmerksamkeit und Besucher entzogen werden,
       scheint den Planern egal zu sein. Zwar ist es noch nicht bestätigt, doch
       auch im kommenden Jahr will sich die NHL, wie zu hören ist, im Dezember die
       Ehre geben.
       
       [3][Für die Kölner Haie,] mit einem Schnitt von gut 18.000 Zuschauern
       Zuschauer-Champion der DEL, würde das bedeuten, dass in ihrer Arena im
       Stadtteil Deutz mindestens eine Woche lang kein Heimspiel möglich wäre.
       
       Es geht dabei nicht nur um die eigentlichen NHL-Spieltermine. Zudem muss
       die Eisfläche zunächst auf das nordamerikanische Format verkleinert und
       anschließend wieder auf die europäischen Maße zurückgebaut werden – was
       jeweils drei bis vier Tage dauert. Hinzu kommt, dass die Arena in dieser
       Zeit traditionell auch mit anderen Veranstaltungen gut gebucht ist.
       
       Gesprochen hat mit dem Verein niemand, verhandelt wurde von Seiten der NHL
       nur mit der Arena, die weder den Haien noch der Stadt Köln gehört, sondern
       einem Konsortium asiatischer Investoren. In München ist die Situation
       komfortabler, da die neue Arena einer Tochtergesellschaft des
       Vereinsbesitzers gehört – und die Einnahmen somit immerhin in der Familie
       bleiben.
       
       Aus wirtschaftlicher Sicht sind die NHL-Partien sehr einträglich. Bei den
       Düsseldorfer Spielen kosteten die günstigsten Tickets etwa 90 Euro, die
       Preise reichten schnell bis zu 380 Euro. Beim KEC fängt es hingegen bei
       circa 24 Euro an, Sitzplatzkarten der höchsten Kategorien liegen um die 60
       Euro.
       
       Zwar sind aus Nordamerika immer wieder schöne Dinge zu hören: Durch die
       Präsenz werde Eishockey gefördert, der Nachwuchs zu hohen Zielen animiert –
       und so weiter. Eine offizielle Kooperation schloss die beste Eishockey-Liga
       der Welt bisher allerdings nicht etwa mit der DEL, Meister Eisbären Berlin
       oder etwa den Kölner Haien, sondern mit dem deutschen Fußballmeister Bayern
       München, dem reichweitenstärksten deutschen Sportverein.
       
       Die Motive erscheinen klar: Während die NHL ihre Bekanntheit und ihr
       Geschäft in Deutschland ausbauen möchte, will der FC Bayern seine Marke in
       Nordamerika stärker promoten. Von dieser Zusammenarbeit könnten tatsächlich
       beide profitieren. Eine solche Win-win-Situation sieht Tripcke für seinen
       Sport nicht – er sagt: „Momentan ist es komplett isoliert und völlig fernab
       vom deutschen Eishockey.“
       
       16 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christiane Mitatselis
       
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