# taz.de -- Konflikt in den Philippinen: Ein wackeliger Schritt in Richtung Frieden
       
       > Im Süden der Philippinen wählen Muslime jetzt erstmals ein eigenes
       > Autonomieparlament. Dabei treten einstige Moro-Rebellenführer
       > gegeneinander an.
       
 (IMG) Bild: Kontrollposten des Militärs vor den Autonomiewahlen in muslimischen Gebieten der südphilippinischen Insel Mindanao
       
       An diesem Montag wird in der „Autonomen Bangsamoro-Region im muslimischen
       Mindanao“ (Barmm) erstmals ein Parlament gewählt. Es ist ein Höhepunkt des
       langen Kampfes der dort Moro genannten Muslime um Selbstbestimmung. Längst
       sind sie auch auf der südlichen Insel Mindanao und angrenzenden Gebieten
       zur Minderheit gegenüber der christlichen Bevölkerungsmehrheit des Landes
       geworden. Dabei vereint die Barmm die verbliebenen muslimischen Hochburgen
       und stellt einen mühsamen Prozess der Befriedung und der begrenzten
       Selbstverwaltung muslimischer Gebiete dar.
       
       In Mindanao tummeln sich allerlei kommunistische und islamistische Milizen.
       Hinzu kommen kriminelle Banden, Privatarmeen mächtiger Moro-Clans sowie
       Militär, Polizei und Bürgerwehren. Die Grenzen zwischen diesen Akteuren
       sind fließend. Ein Geschäftsmodell von Terroristen und Banden gleichermaßen
       sind Entführungen wie im Jahr 2000 die der deutschen Familie Wallert.
       
       [1][Die terroristische Abu-Sayyaf-Gruppe], die erst al-Qaida und dann dem
       Islamischen Staat (IS) die Treue schwor, war zusammen mit islamistischen
       Splittergruppen 2017 an der fünfmonatigen [2][Belagerung der heute zur
       BARMM gehörenden Stadt Marawi] beteiligt. Im Kampf um die
       200.000-Einwohner-Stadt starben 1.200 Menschen, Zehntausende wurden
       vertrieben.
       
       Mindanao war von 1968 bis Februar 2019 in einen Kampf zwischen der
       Regierung und der Nationalen Moro-Befreiungsfront (MNLF) und später ihrer
       bald dominierenden Abspaltung Moro Islamische Befreiungsfront (MILF)
       verwickelt. Der Konflikt forderte insgesamt 150.000 Toter.
       
       ## Der Friedensprozess ist immer wieder gescheitert
       
       Der fast ebensolange mehrfach gescheiterte Friedensprozess gipfelte 2018/19
       in der Gründung der Barmm und einer von der philippinischen Regierung
       ernannten Übergangsregierung. Ein Kern der Vereinbarung war eine
       Parlamentswahl. Die wurde aber wegen der Coronapandemie und dann aufgrund
       eines Verfassungsgerichtsurteils mehrfach verschoben.
       
       Am Montag nun können sich 2,4 Millionen Wahlberechtigte für eine der 12
       Parteien entscheiden. Darunter sind die aus der MILF hervorgegangenen
       Platzhirsche „United Bangsamoro Justice Party“ (UBJP) und „Bangsomoro
       Federalist Party“ (BFP). 631 Kandidaten bewerben sich um 80 Sitze, von
       denen die Hälfte per Verhältniswahl über Parteilisten und 32 per Direktwahl
       bestimmt werden. Acht Sitze sind bestimmten Gruppen wie Frauen, islamischen
       Gelehrten und Ureinwohnern vorbehalten.
       
       Weder der Wahlkampf noch die Wahl versprechen per se den Aufbruch in eine
       friedliche demokratische Zukunft. Der Wahlkampf habe trotz der Etablierung
       eines parlamentarischen Systems und politischer Parteien „einen
       tiefgreifenden Widerspruch im Kern der Bangsamoro-Politik offengelegt“,
       heißt es in einer [3][Analyse der International Crisis Group]. „Familiäre
       Bindungen prägen die Parteilisten und einige Clans stellen Kandidaten
       verschiedener Parteien auf, um sich unabhängig vom Wahlausgang einen Platz
       in der regionalen Machtstruktur zu sichern.“
       
       Im Wahlkampf gab es Anschläge, darunter einen Attentatsversuch auf den
       Übergangsregierungschef Abdulraof Macacua. Es ist unklar, wer
       dahintersteckt. „Viele Einheimische glauben, dass er inszeniert worden sein
       könnte, um Stimmung für Macacua zu machen und die Chancen seiner
       Föderalistischen Partei zu verbessern“, so die Crisis Group.
       
       Politische Gewalt ist in den Philippinen und besonders in der Barmm
       verbreitet. Bei den Kommunalwahlen 2025 gab es dort mehr als ein Drittel
       aller landesweit gezählten Gewalttaten.
       
       ## Spaltung der Rebellen könnte zu neuer Gewalt führen
       
       Mit Sorge sehen Beobachter, dass noch immer rund 14.000 MILF-Kämpfer
       bewaffnet sind. Einige stehen loyal zum MILF-Chef Murad Ebrahim, dem
       früheren Barmm-Übergangsregierungschef und jetzigen UBJP-Spitzenkandidaten.
       
       Andere halten dem MILF-Militärkommandeur, jetzigen Übergangsregierungschef
       und BFP-Spitzenkandidaten Macacua die Treue. Er gilt als Favorit von
       Staatspräsident Ferdinand Marcos Jr. und erklärte im Wahlkampf, seine BFP
       sei „bereit zum Krieg, um sicherzustellen, dass Bangsamoro auf dem
       richtigen Weg ist“.
       
       13 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Robert Lenz
       
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