# taz.de -- 50. Jubiläum der Biene Maja: Das energetische Insekt
       
       > Die Kinderserie „Biene Maja“ feiert ihr 50. Jubiläum. Trotz
       > Nazi-Vergangenheit des Schöpfers ist die Biene bis heute eine der
       > bekanntesten Kindheitshelden. Warum?
       
 (IMG) Bild: Biene Maja wird geboren
       
       Vor 50 Jahren gab es noch kein Bienensterben. Im Gegenteil: Von Verlusten
       durch die miese Tracheenmilbe mal abgesehen, lebten Honigbienen länger und
       summten auf größeren Blühflächen herum. Und nicht nur das: Die Bienen
       bekamen gar eine Heldin vor die Fühler gesetzt, deren Strahlkraft bis heute
       andauert: Am 9. September 1976 lief im ZDF die erste Folge der
       Trickfilmserie „Biene Maja“.
       
       In der [1][Episode „Maja wird geboren“] reißen Babybienchen ihre
       Honigwabenwände ein und finden sich verdutzt in den Armen von juchzenden
       Bienenammen wieder. Nur eine Wabe bleibt vorerst geschlossen: „Ist hier
       niemand? Und aufgehen tut’s hier auch nicht … na das fängt ja gut an!“,
       hört man eine Kinderstimme klagen.
       
       Die Protagonistin braucht wohl eine Extraeinladung: Fräulein Kassandra,
       eine Erzieherinnenbiene, holt sie in den Schwarm und wird als Dankeschön
       von Maja mit Fragen bombardiert. „Warum hast du mich Maja genannt? Wieso
       sammeln sich Bienen zum Schwarm? Wieso erklärst du’s mir nicht?“ und,
       bereits vorwurfsvoll: „Wie soll ich denn fürs Leben etwas lernen, wenn mir
       keiner was erklärt?!!“
       
       Das energetische Insekt wurde 1976 vom japanischen Trickfilmstudio „Nippon
       Animation“ im Auftrag des ZDF fernsehtauglich gemacht. Vorlage war die
       Hauptfigur des erfolgreichsten, 1912 erschienenen Buches „Die Biene Maja
       und ihre Abenteuer“ des Antisemiten und späteren Nationalsozialisten
       Waldemar Bonsels.
       
       ## Freundschaft kennt kein Geschlecht
       
       Auch in Bonsels’ Buch ist Maja bereits mit jener kindlichen Neugier, aber
       auch Offenheit gesegnet, die später im Zeichentrickfilm zur engen,
       natürlich platonischen, immerhin genderunabhängigen Freundschaft mit dem
       trotteligen Willi führt, der seiner starken weiblichen Heldin mehr oder
       minder hinterherstolpert. Und verzauberte so die deutschen
       GenX-Kinderzimmer. Denn wir hatten ja sonst nichts, nur Maja, Heidi,
       [2][Wickie] und biertrinkende Väter.
       
       Doch nicht allen gefiel „Maja“. Der Film- und Literaturwissenschaftler Rolf
       Giesen behauptete 2014, dass die Biene aufgrund ihrer nHerkunft aus dem
       Kopf eines glühenden Nationalsozialisten die „goebbelasche
       Trickfilmdramaturgie“ symbolisiert. Er begründete es [3][in einem Podcast]
       damit, dass sie in ihrer Original-Buchversion 1940 das Flaggschiff des
       deutschen Trickfilms beziehungsweise der „Cartoonstar des Dritten Reiches“
       hätte werden solle.
       
       Er bezeichnete die Maja-Welt als „vulgärdarwinistisch“, kritisiert den nach
       militärischem Vorbild agierenden Ameisenstaat und bemängelt das angebliche
       Fehlen von Antagonisten in einer – auch in der Animationsversion der 70er
       –„Welt der Langeweile“. Alles sei „sauber, gut und gewaltfrei“; Kindern so
       etwas vorzusetzen, sei jedoch nicht hilfreich für deren Umgang mit
       Konflikten.
       
       Dabei wimmelt es, sogar im wahrsten Wortsinn, auf Majas Wiesen, von
       Konflikten und Feindbildern: Maja wird von der Spinne Thekla bedroht und
       unablässig von übelwollenden Hornissen- und Wespenschwärmen angegriffen.
       Und damit ist die Biene nicht allein. Ähnlich geht es auch bei Heidi,
       Wickie, Pinocchio und dem nachweislich arabische Klischees verbreitenden
       Sindbad zu.
       
       ## Mehr als „heile Welt“
       
       Ohne seinen naseweisen Sohn hätte sich der Wikinger-Anführer Halvar etwa
       längst dem „schrecklichen Sven“ ergeben müssen. Doch es gilt die von
       pädagogischer Forschung untermauerte Annahme, Kinder im Vorschulalter
       bräuchten nach überstandener Gefahr zunächst die Wiederherstellung der
       „heilen Welt“. Schließlich soll Zuversicht vermittelt werden und das
       Versprechen, Hindernisse überwinden zu können.
       
       Zeichentrickserien mit temperamentvollen Protagonist:innen wie Biene
       Maja oder Heidi können also viel Gutes tun, nicht nur durch vorgelebte
       Inklusion mit der körperlich gehandicapten Klara, Heidis Freundin aus
       Frankfurt, für die gar eine barrierefreie Aufstiegschance zum
       grummelig-netten Alm-Öhi ersonnen wird.
       
       Dass das Aufwachsen mit Biene Maja und Konsorten bei der Generation dagegen
       nicht zu einem stärkeren Umweltbewusstsein und Verständnis für die
       Notwendigkeit von Biodiversität geführt hat, ist trotzdem schade.
       Vielleicht hätte bei Biene Maja nicht unbedingt der besserwisserische
       Grashüpfer Flip das Mansplaining übernehmen sollen. Da hat es die
       [4][Augsburger Puppenkiste] damals schlauer eingefädelt: Es gibt wohl kaum
       eine charmantere und menschen- beziehungsweise wesenfreundlichere
       Hausbesetzerin als die „[5][Katze mit Hut]“.
       
       9 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.zdf.de/animation/die-biene-maja-classics-100#focus=maja-wird-geboren-100
 (DIR) [2] /Wickie-und-die-starken-Maenner/!5044092
 (DIR) [3] https://detektor.fm/kultur/biene-maja-als-kriegspropaganda
 (DIR) [4] /70-Jahre-Augsburger-Puppenkiste-im-TV/!5907369
 (DIR) [5] https://youtu.be/UROSOFvbdpw?si=cMWeyYQWKiAc1Am3
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jenni Zylka
       
       ## TAGS
       
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