# taz.de -- UNO stimmt Weltkarten-Reform zu: Afrika endlich größer als Grönland
> Die Afrikanische Union beklagt schon länger, ihr Kontinent werde auf
> Weltkarten nicht realistisch dargestellt. Nun nimmt die
> UN-Vollversammlung eine Resolution an, nach der sich das ändern soll.
(IMG) Bild: Nach der Resolution der UN-Vollversammlung muss man Karten wohl noch mal neu zuschneiden
dpa | Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dafür gestimmt, die
traditionelle Weltkarte durch eine neue Version zu ersetzen, die die Größe
Afrikas präziser darstellt. Für die von Togo eingebrachte und von
Mitgliedern der Afrikanischen Union unterstützte Resolution „Correct the
map“ votierten 164 Staaten, 6 Länder enthielten sich, die USA stimmten als
einzige Nation dagegen. Das Abstimmungsergebnis ist nicht bindend, soll
aber weltweit zu Änderungen an Karten führen.
Die bis heute international am häufigsten verwendete Weltkarte beruht auf
der sogenannten Mercator-Projektion. Diese wurde laut Bundesamt für
Kartografie und Geodäsie (BKG) im Jahr 1569 von dem Kartografen Gerardus
Mercator für die Seefahrt entwickelt. [1][Damals wusste man, dass sie die
Größe der Länder nicht flächentreu darstellt, sondern verzerrt]. In manchen
Entwürfen erscheint Grönland beispielsweise so groß wie der gesamte
Kontinent Afrika. Betrachtet man hingegen einen Globus, fällt auf: Afrika
ist um ein Vielfaches größer – die Fläche des Kontinents ist demnach fast
14-mal so groß wie die von Grönland.
Das Problem dieser Karte [2][ist die Verzerrung von Flächen]: Diese werden
bei der üblichen Projektion umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt
liegen. Schließlich wird die dreidimensionale Erde, die eigentlich fast
kugelförmig ist, auf eine zweidimensionale, rechteckige Fläche projiziert.
## Togos Außenminister feiert historischen Moment
Der Außenminister Togos, Robert Dussey, [3][schrieb nach der Abstimmung auf
der Plattform X]: „Historischer Moment: Die Welt hat sich für eine
Korrektur der Karte entschieden.“ Die Entscheidung gehe weit über reine
Kartografie hinaus. „Es geht um Gerechtigkeit, Würde, Gleichberechtigung
und darum, wie wir unsere Welt darstellen.“ Zu lange hätten überlieferte
kartografische Darstellungen die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe
Afrikas und anderer Regionen der Welt verzerrt. „Die Karte zu korrigieren,
bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir die Welt sehen.“
Die USA lehnten die Resolution als einziges Land ab. Sie bezeichneten die
Initiative [4][als Teil eines radikalen ideologischen Projekts]. Die
Resolution verbietet die Mercator-Projektionen zwar nicht, ruft
Regierungen, Schulen, internationale Organisationen und
Technologieunternehmen aber dazu auf, die „Equal Earth“-Projektion und
andere flächengetreue Karten zu verwenden, wenn es auf relative
Größenverhältnisse ankommt.
Die Afrikanische Union (AU) hatte bereits im vergangenen Jahr beklagt, dass
die Mercator-Projektion Afrika nicht angemessen darstelle und damit ein
falsches Weltbild vermittle, das sich wiederum auf schulische Bildung,
Medien und Politik auswirke. Um das zu korrigieren, entwickelten
Kartografen schon im Jahr 2018 eine flächentreue Karte namens „Equal
Earth“. Sie stellt laut AU die Größe aller Kontinente, insbesondere
Afrikas, genauer dar.
5 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Grenzforscher-Van-Houtum-ueber-Karten/!6057000
(DIR) [2] /Kartografieprofessor-ueber-seine-Arbeit/!5365450
(DIR) [3] https://x.com/rdussey/status/2095914343682506972
(DIR) [4] /Vergeltungszoelle-gegen-USA/!6206959
## TAGS
(DIR) Vereinte Nationen
(DIR) UN-Vollversammlung
(DIR) Afrika
(DIR) Kinderfrage
(DIR) Grönland
(DIR) Wissenschaft
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Kinder fragen, die taz antwortet: Wie viele Häuser gibt es auf der Welt?
Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Edda, 4 Jahre alt.
(DIR) Die Wahrheit: Grünspan im Eismeer
Immer mehr Länder fordern geografische Anonymität und möchten mit
sofortiger Wirkung von der international regulären Weltkarte gestrichen
werden.
(DIR) Kartografieprofessor über seine Arbeit: „Karten sind immer implizit politisch“
Warum es nicht möglich ist, eine Kugel ideal in zwei Dimensionen
abzubilden. Jürgen Schweikart über Apfelsinen und aufgeblähte
Ostblockstaaten.