# taz.de -- Spendenskandal bei Reform UK: Meinungsumfragen, die ihr Geld wert sind
> Spitzenpolitiker der rechtspopulistischen Partei Reform UK stehen durch
> eine Spendenaffäre unter Druck. Farage und Co sind sich keiner Schuld
> bewusst.
(IMG) Bild: Eure Lordschaft, Schreiberlinge aus den rebellischen Kolonien haben unsere Machenschaften enthüllt!
Eigentlich wollte Reform UK sich auf ihrem Parteitag in Birmingham als
kommende Regierungspartei inszenieren. Doch am Freitag bekam dieses
Vorhaben einen Dämpfer. Ein Investigativteam der US-amerikanischen Gruppe
Centre for Climate Reporting hat [1][Parteichef Nigel Farage], seinen engen
Berater Dan Jukes und den politischen Chef von Reform UK, James Orr,
erwischt. Ihre Enthüllungen sind pikant.
Auf dem bei Channel 4 am Donnerstagabend ausgestrahlten Video sah und hörte
man, wie Jukes und Orr eine Spende aus den USA zusagten. Parteispenden aus
dem Ausland gelten in Großbritannien als Kriminaldelikte, da sie als
demokratiegefährdend betrachtet werden. Die beiden Herren schlugen daher
einen Weg vor, wie eine derartige Spende angeblich „legal“ an die Partei
fließen könnte. Was sie nicht wussten: Sie machten diesen Vorschlag einem
angeblich in Großbritannien lebenden Sohn eines US-Amerikaners, der der
Partei Geld spenden wollte. Der Sohn war jedoch ein Undercover-Reporter.
Jukes und Orr – Orr ist ein rechter Cambridge-Akademiker, der mit der
Trump-Regierung und prorussischen Politikern wie Victor Orbán eng verbunden
ist – schlugen vor, mit der Spende in Höhe von umgerechnet rund 38.000 Euro
Meinungsumfragen zu finanzieren. Der US-amerikanische Vater solle die Summe
zunächst an den Sohn überweisen, der es dann an die Partei weiterreichen
oder direkt für eine Meinungsumfrage ausgeben soll. Eine weitere Spende in
Höhe von über einer halben Million Euro wurde in Aussicht gestellt. In
einem weiteren Treffen in einem Hotel, in dem Orr über die Spende spricht,
bezeichnete Orr die staatliche Wahlbehörde in Großbritannien, die derartige
Spenden prüft, als blöde und wirkungslos.
## Ganz „toll“ und ihr „Geld wert“
Die Überweisung erfolgte tatsächlich und bezahlte drei für Reform UK
positive Meinungsumfragen. Sie wurden unter anderem von der britischen
Tageszeitung Daily Telegraph benutzt. Weder Reform UK noch das
Meinungsinstitut J. L. Partners, welches die Meinungsumfragen umsetzte,
hatten Angaben gemacht, wer den Auftrag bezahlt hatte. In einem späteren
Treffen äußerte sich Farage gegenüber dem angeblichen Vertreter des Sohnes:
Die Meinungsumfragen seien „toll“ und ihr „Geld wert“ gewesen.
Am Freitagmorgen traten dann sowohl Orr als auch Jukes von ihren Posten
zurück, außerdem lief eine interne Untersuchung an. Es sind schwere
Verluste für Farage, denn Orr wurde zum Beispiel als sein möglicher
Stabschef gehandelt. Farage selbst bleibt im Amt. Reform UK bezeichnete den
Fall als Falschmeldung von Klimaaktivisten.
Farage muss sich bereits wegen einer Geldspende in Höhe von umgerechnet
rund 5,8 Millionen Euro vor dem amtlichen Prüfer für die Einhaltung
parlamentarischer Standards des britischen Parlaments rechtfertigen. Dieser
Fall hatte zu seinem Rücktritt und [2][einer Wiederwahl] geführt. Durch
seine Wiederwahl wurde die parlamentarische Untersuchung wieder neu
aufgenommen und könnte nun sogar eine Suspendierung und damit eine weitere
Nachwahl in Farages Wahlsitz nach sich ziehen.
Auch Reform UK Finanzsprecher Robert Jenrick und der Wirtschafts- und
Handelssprecher der Partei, Richard Tice, werden wegen finanzieller
Unregelmäßigkeiten geprüft. Die Regierungspartei Labour kündigte am
Freitagvormittag eine offizielle Beschwerde zu den neuen Enthüllungen an.
Kommt es dazu, könnte dies eine polizeiliche und parlamentarische
Untersuchung nach sich ziehen.
4 Sep 2026
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