# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn die Volkssolidarität sich gedulden muss
Auf unserem Spaziergang zum nördlichsten Skilift der DDR kommen mein
Schulfreund und ich am Roggentiner Dorffest vorbei. Vor wenigen Minuten
hatte es noch geschüttet. Die Sicht auf das Gelände ist weitgehend
versperrt von Hecken, aber vom Feldweg aus sieht das Fest verlassen aus.
Aus einem Wagen heraus verkauft jemand „Original-DDR-Softeis“. Nichts wie
hin. Vom Eisstand aus (Vanille-Schoko für uns beide) sehen wir, dass das
Fest keineswegs verlassen ist. Bedröppelt sitzen vielleicht 100 Leute unter
den Festzelten. Von der Bühne spricht der Ortsvorsteher: „Dieses Jahr war
ein gutes Jahr“, sagt er. Ich lausche gespannt. „Wir haben im Gemeinderat
zahlreiche Beschlussvorlagen beschlossen.“ Fantastisch. Hier ist die Welt
noch in Ordnung. Zahlreiche Beschlussvorlagen! Der Gemeinderat funktioniert
noch trotz Polykrise.
Gleich könne das Fest beginnen, kündigt der Ortsvorsteher an, die
Volkssolidarität habe Kaffee und Kuchen vorbereitet. Er deutet auf eine
Gruppe älterer Damen, die still auf ihren Bierbänken sitzen. „Und sie
scharren schon mit den Hufen!“ Das ist zwar übertrieben, aber eine schöne
Vorstellung. Jonas Waack
2 Oct 2026
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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