# taz.de -- Die Angst der GenZ vor Begegnungen: Eingesperrt im WG-Knast
       
       > GenZ im Limbo: Zwischen der Angst auf eine Party zu gehen oder etwas zu
       > verpassen. Über eine Generation, die sich scheinbar nicht entscheiden
       > kann. Unsere Autorin macht Beobachtungen in der WG-Küche.
       
 (IMG) Bild: Allein zuhause: Die Katze als letzte Freundin der GenZ
       
       [1][taz FUTURZWEI] | „Denkst du, da sind viele Leute, die wir nicht
       kennen?“, fragt meine Freundin. Wir sitzen bei ihr in der Küche, es ist
       Freitagabend und ich bin froh, dass uns niemand zuhört. Nein, ihre Frage
       bezieht sich nicht auf ein unangenehmes Business-Dinner oder eine
       Beerdigung. Es geht einfach nur um eine blöde [2][WG]-Party.
       
       Seit über einer Stunde versuche ich, sie dazu zu bewegen, mitzukommen.
       Während sie hin- und herschwankt, weil das eventuell ihre geplanten
       Sportaktivitäten für morgen durcheinanderwerfen könnte, wenn sie zu lange
       wach bleibt. Und jetzt auch noch diese Frage.
       
       „Ist doch egal“, will ich sie anschreien. Zucke aber stattdessen mit den
       Schultern, schließlich möchte ich auf gar keinen Fall allein auf die Party
       gehen, eben weil ich da viele fremde Menschen vermute. Dieses Gespräch ist
       ein einziges [3][GenZ]-Klischee, denke ich.
       
       Was ist schließlich mehr Generation Z, als eine Party zu zerreden, bevor
       man überhaupt da war? Und sowieso ist es nichts Neues, dass die GenZ nicht
       mehr „richtig“ feiern geht. Sie weiß ja überhaupt gar nicht mehr, wie das
       geht. Und natürlich fällt deswegen immer mehr [4][Nachtleben] weg. Alle
       sagen das: die Clubbesitzer, die Soziologen, die Journalisten und die
       Barbetreiber. Und natürlich auch alle älteren Partygänger, die wissen, dass
       früher alles besser war. Dass früher auch vieles bezahlbarer war, vergessen
       sie dabei gern.
       
       ## Keine sozialen Kapazitäten
       
       Heute Abend fällt mir auf, dass da noch etwas anderes ist. Etwas neben dem
       Bedürfnis, sich möglichst viele Ausgehoptionen offenzuhalten und der
       Verlockung zu Hause zu bleiben, und das bei meiner Freundin zu einer
       lähmenden Unfähigkeit führt, sich zu entscheiden. Sie hat Angst. Also
       vielleicht jetzt nicht gleich panische Angst. Aber doch eine Art
       Muffensausen. Oder wie sie es jetzt nennt, „keine sozialen Kapazitäten“
       mehr für den Abend.
       
       Woher kommen diese ganzen „insecurities“? Was soll denn schon passieren,
       wenn wir bei der Party auf fremde Leute treffen? Außer, dass wir im
       schlimmsten Fall neue Menschen kennenlernen? Und vielleicht sogar Spaß
       haben und spontan länger bleiben als geplant? Oder uns langweilen und
       wieder gehen? Angst vor Partys, gibt es so was?
       
       ## „Fear of going out“ und Speiseangst
       
       Die sogenannte Fomo („Fear of missing out“), die Angst etwas zu verpassen,
       sei der „Fear of going out“ (kurz: Fogo) gewichen, der Angst auszugehen,
       hatte ich letztens tatsächlich irgendwo gelesen. Und mir waren dazu sofort
       jede Menge Menschen in meinem Umfeld eingefallen. Die haben nicht nur
       Angst, vor die Tür zu gehen, nein, die haben schon Bammel, wenn man
       irgendwo anrufen muss und nicht einfach eine Nachricht schreiben kann.
       Oder, wenn sie im Restaurant beim (fremden) Kellner bestellen müssen und
       das nicht stattdessen über einen anonymen QR-Code machen können.
       
       Die sogenannte „Speisekartenangst“ sei übrigens unter jungen Menschen keine
       Seltenheit, hatte vor drei Jahren eine britische Studie herausgefunden.
       
       Aber ist das wirklich ein Phänomen meiner Generation? Was ist mit den
       Leuten, die vor vierzig Jahren lieber am Rand standen, während die anderen
       tanzten? Die sich vor zwanzig Jahren auf Partys ins Koma soffen? Oder, die
       – als ich selbst noch in der Mittelstufe war – montags in der Schule
       gehänselt wurden, weil der Edding sich nicht richtig entfernen lies und das
       Wort „Penis“ auf der Stirn noch zu sehen war? Vielleicht hatten diese Leute
       auch Fogo? Vielleicht haben sie sich nur nicht getraut, darüber zu
       sprechen, weil die Alternative gewesen wäre, allein daheim zu bleiben und
       den sozialen Anschluss zu verlieren? Weil man damals nicht einfach
       alternativ online Kontakte haben konnte?
       
       Ist es vielleicht auch gut, dass wir wenigstens nicht mehr Angst davor
       haben, unsere Ängste zu äußern und uns nicht zusammenreißen, um spontan zu
       sein, wenn wir nicht möchten? Weiß nicht.
       
       Die „Fogo“ meiner Freundin heute Abend jedenfalls nervt mich ungemein. So
       sehr, dass ich schließlich vom Küchentisch aufstehe und bluffe: „Gut, dann
       gehe ich halt allein.“ Sie schaut mich an und steht dann auch auf: „Warte,
       ich komme doch mit!“ Ihre Angst, etwas zu verpassen, scheint noch stärker
       zu sein, als die Angst, etwas zu erleben.
       
       Gerade noch mal gutgegangen! Ich hatte wirklich Angst, allein auf die
       Party zu gehen.
       
       🐾 Lesen Sie weiter: Die neue Ausgabe unseres Magazins taz FUTURZWEI N°38
       mit dem Titelthema „Wozu Männer?“ erscheint am 08. September. [5][Hier
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       1 Sep 2026
       
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