# taz.de -- Studie zu unethischem Verhalten: Je reicher, desto fieser
> Es ist wissenschaftlich bewiesen: Reiche Menschen neigen eher dazu,
> Kindern Süßigkeiten zu klauen. Für diese Studie gibt es jetzt den
> Ig-Nobelpreis.
(IMG) Bild: In einem Experiment nahmen reiche Menschen mehr aus einem Glas voller Süßigkeiten, die eigentlich für Kinder gedacht waren
Reiche Menschen täuschen öfter, bereichern sich zu ihrem Vorteil und
stehlen Kindern sogar Süßigkeiten. Was wie eine Ansammlung an Klischees
klingt, wurde in einer Studie belegt. Forscher*innen schauten sich
nämlich das Verhalten von Menschen verschiedener sozialer Klassen an und
kamen zu dem Ergebnis: Reiche Menschen verhalten sich im Alltag häufig
unethischer.
Auf den ersten Blick scheint diese Erkenntnis eher lustig als ernsthaft,
doch sie hat wichtige Implikationen für unsere Gesellschaft. Genau das ist
auch der Gedanke des satirischen [1][Ig-Nobelpreises], der gerade vergeben
wurde. Damit wird kuriose Forschung ausgezeichnet, die zuerst zum Lachen,
dann zum Nachdenken bringt. Dieses Jahr wurde neben vielen anderen Arbeiten
auch diese Studie aus dem Jahr 2012 für den Fachbereich Ökonomie gekrönt.
## Die Studie
Der Sozialpsychologe Paul Piff und sein Team führten sieben verschiedene
Experimente zur Beobachtung des Verhaltens durch. Die Hypothese lautet:
Reiche Menschen sollten ein höheres Maß an unethischem Verhalten zeigen, da
sie positivere Einstellungen gegenüber Gier haben. In der psychologischen
Forschung ist es erwiesen, dass Gier unethisches Verhalten vorhersagt.
Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift [2][Proceedings of the
National Academy of Sciences (PNAS)] veröffentlicht. Sie beobachteten, dass
reiche Menschen an vielbefahrenen Kreuzungen anderen öfter die Vorfahrt
nahmen und häufiger Fußgänger nicht über die Straße ließen.
In einem anderen Experiment nahmen reiche Menschen mehr aus einem Glas
voller Süßigkeiten, die eigentlich für Kinder gedacht waren. Auch täuschten
sie in einem Versuch eine höhere Punktzahl in einem Spiel vor, um ihre
Gewinnchancen zu erhöhen.
Die Forscher*innen erklären dieses unethische Verhalten mit
strukturellen, aber auch psychologischen Gründen. Mit steigendem Geld und
steigender Macht wächst die eigene Unabhängigkeit. Das führt aber
gleichzeitig dazu, dass die Bedürfnisse anderer Menschen vernachlässigt
werden. Auch egozentrische Tendenzen, wie das Überhöhen seiner eigenen
Interessen, begünstigen dieses Verhalten.
## Was bringt’s?
In der Studie geht es zwar nur um Süßigkeiten oder Vergehen im Verkehr,
jedoch haben diese Beobachtungen Konsequenzen für unser gesellschaftliches
Zusammenleben. Die Süßigkeiten stehen symbolisch für eine zunehmende
Tendenz in unserer Gesellschaft, die eigenen Bedürfnisse über die der
anderen zu stellen, so der Psychologe Paul Piff.
Es zeigt zudem, dass Gier nicht in jeder gesellschaftlichen Gruppe
gleichermaßen ausgeprägt ist. Der Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und
Verhalten ist aber nicht kategorisch vorgegeben, erklären die Autor*innen,
sondern ein Ergebnis [3][der Gesellschaft, in der wir leben]. Es lässt sich
also auch ändern.
15 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://improbable.com/ig/winners/
(DIR) [2] https://www.pnas.org/doi/full/10.1073/pnas.1118373109
(DIR) [3] /Kapitalismus/!t5010783
## AUTOREN
(DIR) Xenia Dederer
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