# taz.de -- Transrechte in Libanon: Aus Ramy wurde Romy
       
       > Ein Richter im Südlibanon erkennt die Identität einer Transgender-Frau
       > gerichtlich an. Es ist der erste solche Fall außerhalb der Hauptstadt
       > Beirut.
       
 (IMG) Bild: Nicht allein im Kampf für Selbstbestimmung als trans Person in Libanon: Beirut Pride, 2020
       
       Romy D. ist nun offiziell eine Frau. Das Urteil zur Geschlechtsänderung
       erging im schiitisch-muslimisch und konservativ geprägten [1][Bint
       Dschbeil] im Südlibanon. Ein Novum.
       
       Die 1989 als Ramy geborene Romy litt seit ihrer Kindheit daran, dass das
       ihr bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht zu ihrer weiblichen
       Identität passe, heißt es in der richterlichen Entscheidung. Bereits am 15.
       April hatte ein Gericht in der Stadt Bint Dschbeil die Änderung des
       Geschlechts und Vornamens im zivilrechtlichen Register beschlossen. Die
       Entscheidung wurde erst kürzlich veröffentlicht. [2][Transrechte] sind noch
       immer ein Tabuthema in Libanon, obwohl der Zedernstaat eines der
       liberalsten Länder der Region ist. Laut gerichtlicher Quelle bestand Romy
       D. aber darauf, das Urteil öffentlich zu machen.
       
       Bereits 2020 hatte sie eine Petition eingereicht, um ihre weibliche
       Identität rechtlich anerkennen zu lassen. Sie legte Dokumente von einer
       [3][Hormonbehandlung] und Geschlechtsangleichung in Thailand bei. Der
       damalige Richter entschied allerdings nicht über die Petition. Im August
       2025 übernahm ein neuer Richter: Wassim Zahreddine.
       
       ## Das Urteil sorgt für Aufsehen in religiösen Kreisen
       
       „Leute und Kleriker attackieren mich dafür, aber ich habe im Einklang mit
       dem Gesetz und meinem Gewissen gehandelt“, sagte Zahreddine. Der
       libanesischen Zeitung L’Orient-Le Jour sagte er, das Dekret 8837 aus dem
       Jahr 1932 befuge Richter dazu, Einträge in den Zivilregistern zu
       korrigieren.
       
       „Es war notwendig, die Aufzeichnung so zu korrigieren, dass sie die
       Situation widerspiegelt“, sagte Zahreddine. Alte Gesetze sollten nicht mit
       einer streng wörtlichen Interpretation angewendet werden, so der Richter.
       
       Das hat vor allem in religiösen Kreisen für Aufsehen gesorgt. Scheich Omar
       Schbaro, ein schiitisch-muslimischer Richter, wetterte, die Transformation
       sei „eine kriminelle Handlung gegen die Natur“.
       
       Richter Zahreddine zitierte islamische Rechtsgutachten, sogenannte Fatwas,
       und erklärte: „Wenn zuverlässige Arztberichte feststellen, dass die
       Eigenschaften eines jungen Mannes überwiegend weiblich sind, steht nichts
       einer [4][geschlechtsangleichenden Operation] entgegen.“
       
       ## Wenn am Checkpoint der Ausweis gezeigt werden muss
       
       Zahreddine berief sich in seiner Entscheidung außerdem auf einen
       libanesischen Präzedenzfall: 2016 hatte das Berufungsgericht in der
       Hauptstadt Beirut Änderungen an den Registereinträgen in einem ähnlichen
       Fall erlaubt. Das Gericht entschied, dass die Diskrepanz zwischen
       offiziellen Aufzeichnungen und der Realität viele Probleme bringt –
       beispielsweise, wenn die betroffene Person bei Behörden oder an
       militärischen Kontrollpunkten ihren Personalausweis zeigen muss.
       
       Der Richter von Bint Dschbeil zitierte auch Entscheidungen des Europäischen
       Gerichtshofs für Menschenrechte. Demnach verstoße die Weigerung, die
       Aufzeichnungen nach einer Geschlechtsänderung zu ändern, gegen die
       [5][Europäische Menschenrechtskonvention].
       
       Soweit bekannt, hat die Staatsanwaltschaft Südlibanons bislang keine
       Berufung gegen das Urteil eingelegt. Das wird auch schwer, denn
       mittlerweile liegt Bint Jbeil in Schutt und Asche. Bei ihrem Einmarsch hat
       die israelische Armee die Stadt Ende April durch Bombardierungen, Abriss
       und mit Sprengsätzen komplett zerstört. Auch das Gerichtsgebäude, das als
       wichtigstes Verwaltungs- und Justizzentrum des Bezirks diente.
       
       Transparenzhinweis: der letzte Absatz wurde nachträglich um die Information
       ergänzt, dass die israelische Armee den Ort Bint Jbeil inzwischen komplett
       zerstört hat.
       
       27 Aug 2026
       
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