# taz.de -- Verabschiedung Jan Feddersen: Linker Kritiker ohne Stillstand
       
       > Über drei Jahrzehnte war Jan Feddersen Redakteur der taz. Nun bleibt er
       > freier Autor. Kollege Dirk Knipphals über einen konfliktbereiten
       > Kreativen.
       
 (IMG) Bild: taz lab 2026: Hier wurde Jans Abschied verkündet und sein Wirken öffentlich gewürdigt
       
       [1][Aus der taz] | Keinesfalls jede Journalist*in schafft es ins Haus der
       Geschichte in Bonn, Jan Feddersen ist es gelungen. Eine von ihm
       mitverfasste Titelseite der taz hing dort, hinter Glas gerahmt, in der
       Abteilung über die sozialen Bewegungen, die auf die 68er gefolgt waren.
       
       „Küsschen aus Karlsruhe“ lautete die Schlagzeile, und der von Feddersen
       geschriebene Kommentar trug die Überschrift „Ende eines Kulturkampfes“. Das
       Bundesverfassungsgericht hatte soeben die Homoehe durchgewunken.
       
       Das war einer seiner vielen wuchtigen Artikel. Mann muss die
       gesellschaftlichen Errungenschaften festhalten, sonst werden sie einem
       wieder genommen.
       
       ## Kein Stillstand
       
       Nun ändert der 1957 Geborene seinen beruflichen Status von fest angestellt
       auf freier Autor – Bezeichnungen wie Rente oder Ruhestand werden, obwohl
       formal zutreffend, kaum passen.
       
       Seine aus dem Stegreif gehaltene Rede bei seinem Abschied im Panoramaraum
       des taz-Gebäudes – kaum jemand kann frei so beeindruckend sprechen – klang
       jedenfalls nicht nach einem Zur-Ruhe-Setzen. Alles andere hätte einen bei
       seiner kreativen Energie auch gewundert. Als eine von vielen Aufgaben hat
       er etwa auch diese Rubrik betreut.
       
       Reden wir nicht drumherum, dieser Statuswechsel ist alles andere als eine
       x-beliebige Personalie in der taz. Damit verschieben sich Gewichte.
       
       ## Auf Konflikte zugehen
       
       Zu Jans intellektuellem Projekt gehört es – neben dem Einsatz für den ESC
       und den Schlager, aber das muss man an dieser Stelle niemandem erzählen –,
       auf Konflikte direkt zuzugehen, auch auf Konflikte innerhalb der Linken.
       Das löste gelegentlich Skepsis aus. „Ist das denn noch links?“, wurde und
       wird immer mal wieder gefragt.
       
       Doch als Teil linker Selbstverständigung war und bleibt diese Unruhe
       wichtig. Sie lässt sich als Selbstkritik der Linken lesen, und ohne
       Selbstkritik ist die Linke nicht zu haben.
       
       Das Linke ist ja nicht vorhanden, um nur immer neu angewendet werden zu
       können, übergezogen wie ein Fußballtrikot. Es muss sich immer neu
       herstellen.
       
       Vielleicht liegt hier auch ein Geheimnis des Überlebenswillens der taz. So
       viele linke Projekte haben sich über gegenseitige Verratsvorwürfe zerlegt.
       
       Die taz aber macht weiter, das Weitermachen ist in ihrer DNA, und die hat
       Jan mitgeprägt. Im Raum steht jetzt also, dass wir das mit der Selbstkritik
       – oder, wem es lieber ist, Selbstreflexion – nun ohne ihn hinkriegen
       müssen.
       
       14 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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