# taz.de -- Jan Feddersen
(IMG) Bild: Foto: Karsten Thielker
Keinesfalls jede Journalist*in schafft es ins Haus der Geschichte in Bonn,
Jan Feddersen ist es gelungen. Eine von ihm mitverfasste Titelseite der taz
hing dort, hinter Glas gerahmt, in der Abteilung über die sozialen
Bewegungen, die auf die 68er gefolgt waren. „Küsschen aus Karlsruhe“
lautete die Schlagzeile, und der von Feddersen geschriebene Kommentar trug
die Überschrift „Ende eines Kulturkampfes“. Das Bundesverfassungsgericht
hatte soeben die Homoehe durchgewunken.
Das war einer seiner vielen wuchtigen Artikel. Mann muss die
gesellschaftlichen Errungenschaften festhalten, sonst werden sie einem
wieder genommen.
Nun ändert der 1957 Geborene seinen beruflichen Status von fest angestellt
auf freier Autor – Bezeichnungen wie Rente oder Ruhestand werden, obwohl
formal zutreffend, kaum passen. Seine aus dem Stegreif gehaltene Rede bei
seinem Abschied im Panoramaraum des taz-Gebäudes – kaum jemand kann frei so
beeindruckend sprechen – klang jedenfalls nicht nach einem Zur-Ruhe-Setzen.
Alles andere hätte einen bei seiner kreativen Energie auch gewundert. Als
eine von vielen Aufgaben hat er etwa auch diese Rubrik betreut.
Reden wir nicht drum herum, dieser Statuswechsel ist alles andere als eine
x-beliebige Personalie in der taz. Damit verschieben sich Gewichte. Zu Jans
intellektuellem Projekt gehört es – neben dem Einsatz für den ESC und den
Schlager, aber das muss man an dieser Stelle niemandem erzählen –, auf
Konflikte direkt zuzugehen, auch auf Konflikte innerhalb der Linken. Das
löste gelegentlich Skepsis aus. Ist das denn noch links?, wurde und wird
immer mal wieder gefragt.
Doch als Teil linker Selbstverständigung war und bleibt diese Unruhe
wichtig. Sie lässt sich als Selbstkritik der Linken lesen, und ohne
Selbstkritik ist die Linke nicht zu haben. Das Linke ist ja nicht
vorhanden, um nur immer neu angewendet werden zu können, übergezogen wie
ein Fußballtrikot. Es muss sich immer neu herstellen.
Vielleicht liegt hier auch ein Geheimnis des Überlebenswillens der taz. So
viele linke Projekte haben sich über gegenseitige Verratsvorwürfe zerlegt.
Die taz aber macht weiter, das Weitermachen ist in ihrer DNA, und die hat
Jan mitgeprägt. Im Raum steht jetzt also, dass wir das mit der Selbstkritik
– oder, wem es lieber ist, Selbstreflexion – nun ohne ihn hinkriegen
müssen. Dirk Knipphals
29 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Dirk Knipphals
## ARTIKEL ZUM THEMA