# taz.de -- Diversität im Profifußball: Zwischen Fortschritt und Trägheit
> Die Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“ feiert in ihrem Jahresbericht
> zur Diversität drei Personalentscheidungen. Doch insgesamt bewege sich zu
> wenig.
(IMG) Bild: Seit dieser Saison ist Kathleen Krüger beim Hamburger SV als Vorstandsmitglied für die sportlichen Belange zuständig
Tatjana Haenni weiß, dass sie als erste Frau an der Spitze eines
Fußball-Bundesligisten eine Vorreiterrolle bekleidet. „Irgendeine muss die
Erste sein, das bin nun mal ich“, sagt die 59-Jährige, die seit mehr als 30
Jahren im Fußball arbeitet. Anfänglich für den Schweizer Verband, als
Präsidentin des FC Zürich, später für die Uefa und lange auch für die Fifa
als Abteilungsleiterin Frauenfußball. Zum Jahresbeginn wurde die
Schweizerin zum CEO bei RB Leipzig ernannt, obwohl sie zuvor keine
Verbindung zu dem Klub besaß. Das passe deshalb zu ihr, sagt Haenni, „weil
ich mir sehr viel zutraue, vielleicht mehr als andere“.
Gemeinsam mit Marie-Louise Eta [1][(erste Trainerin des Männerteams von
Union Berlin)] und Kathleen Krüger (Vorstandsmitglied des Hamburger SV)
steht sie exemplarisch für einen zarten Wandel. Die Frauen-Initiative
„Fußball kann mehr“ (FKM) spricht in ihrem dritten Jahresbericht zur
Diversität bei den 36 Lizenzvereinen „von drei bahnbrechenden
Personalentscheidungen“, die nach 63-jährigem Anlauf endlich verwirklicht
wurden.
Was die Beiratsvorsitzende und Mitinitiatorin [2][Katja Kraus] neben diesen
drei Vorbildern noch freute: Svenja Schlenker rückte in die
Geschäftsführung von Borussia Dortmund, mit Jennifer Zietz und Katharina
Kienemann gehören jetzt zwei Frauen zum Präsidium von Union Berlin.
Aber noch immer sind es in der Summe auf der höchsten operativen
Führungsebene weniger als 10 Prozent Frauen. Die überwältigende Mehrheit –
29 der 36 Klubs – haben im Vorstand oder in der Geschäftsführung eine rein
männliche Managementperspektive. Insgesamt bewege sich noch zu wenig,
brauche es systematische Ansätze und einen Wandel von innen, heißt es in
der Studie.
## Yogatrainerin bei RB Leipzig
Von einer Quote wie bei Werder Bremen hält die Leipziger Chefin Haenni
wenig: „Wir sollten weiterhin damit argumentieren, dass mehr Diversität in
jeglicher Hinsicht zu mehr Erfolg führen wird.“ Sie nennt bei RB die
Ernährungswissenschaftlerinnen, die Yoga-Trainerin oder die Leiterin des
Teammanagements, die einen Mehrwert für die RB-Profis brächten.
In den Geschäftsstellen stehen Frauen oft vor hohen Hürden. Auf der
Direktorenebene sind 84 von 432 Positionen (19,4 Prozent) weiblich besetzt.
Immerhin acht Klubs übertreffen hier die geforderte Marke von 30 Prozent.
[3][Positivbeispiel ist der FC St. Pauli], der sich über eine
Mitgliederinitiative der Gleichberechtigung verschrieben hat. Den
vierköpfigen Vorstand bilden je zwei Frauen und Männer. Im Aufsichtsrat
sitzen vier Frauen – und nur drei Männer. Doch von einer derart offenen
Unternehmenskultur sind die meisten Konkurrenten weit entfernt.
Axel Hellmann als Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt kennt das
Problem. Obwohl sich die Hessen ausdrücklich zur Vielfalt bekennen, gibt es
mit Rike Goldbeck-Keitel nur eine Frau im Aufsichtsrat. Der Vorstand ist
ein Männerzirkel. „Meiner Einschätzung nach gewinnt Fußball insgesamt aus
den klassischen Brutstätten des Sportmanagements zu wenig Frauen“, sagt der
FKM-Beiratsvorsitzende Hellmann. „Das beruht auf verschiedenen Faktoren:
Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Berührungsängste mit klassischen
Männermilieus, aber auch die Tatsache, dass es viele attraktive Branchen
gibt, in denen Frauen erfolgreich sein können – warum Sport?“
Insgesamt offenbart sich in beiden Bundesligen ein Bild zwischen
Fortschritt und Trägheit. Vorbild für die Studie ist der jährliche
AllBright-Bericht, der den Anteil von Frauen seit 2016 in Aufsichten und
Vorständen der börsennotierten Unternehmen in Deutschland dokumentiert. In
den Aufsichts- und Kontrollgremien der deutschen Profivereine sind Frauen
mit knapp unter 12 Prozent weiterhin unterrepräsentiert. „Der deutsche
Profifußball wird von einer erstaunlich einheitlichen Gruppe
beaufsichtigt“, kritisiert Kraus.
Vierzehn dieser Kontrollinstanzen bestehen aus reinen Männerrunden. „Noch
bedenklicher wird es, wenn man über das Geschlecht hinausblickt: Menschen
mit internationalem Hintergrund kommen in den Kontrollgremien auf unter 3
Prozent.“ Von einer nachhaltigen Trendwende will die 55-Jährige nicht
sprechen: „Spektakuläre Einzelfälle sind kein Indiz für Wandel in der
Breite.“
26 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frank Hellmann
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