# taz.de -- Besuch im Repair-Café: Recycling hilft gegen Einsamkeit
       
       > Das Repair-Café im Industriesalon in Schöneweide trägt seinen Zweck im
       > Namen – aber gerade für die Mitarbeitenden ist es auch ein Ort, um
       > Menschen zu begegnen.
       
 (IMG) Bild: Gisela Kniesch hat genau hier – im einstigen Transformatorenwerk Oberschöneweide – ihre Ausbildung gemacht
       
       „Der Nächste bitte!“ Klingt nach Arztpraxis, ist aber der Eingang zum
       [1][Repair-Café im Industriesalon in Schöneweide]. Bereits vor der Öffnung
       um 17 Uhr haben die ersten Besucher*innen geduldig in der Hitze
       gewartet. Nun bittet eine weißhaarige Frau die Besucher*innen nach und
       nach in den gekühlten Raum. „Ich kann nicht alles gleichzeitig machen“,
       sagt sie leicht gestresst, als ein jüngerer Mann mit zwei Kindern
       reinkommt.
       
       Fast alle anderen der gut 15 Anwesenden sind über 60 Jahre alt. Sie haben
       elektronische Geräte mitgebracht und hoffen, dass diese hier repariert
       werden können. Am Eingang müssen sie zunächst einen Vertrag ausfüllen, dass
       keine Haftung übernommen wird, sollte etwas kaputtgehen.
       
       Die Frau am Eingang ist Angela aus Köpenick. „Ich habe eine sehr schwere
       Erkrankung gehabt und eine Beschäftigung gesucht, die mich fordert“,
       erzählt sie. So landete sie schon 2013 im Industriesalon. Obwohl sie
       gelernte Elektronikfacharbeiterin ist, hat sie hier die Anmeldung
       übernommen. „Ich hab erst mitgeschraubt, aber die Männer haben mehr
       Erfahrung.“ Die Aufgabe mache ihr Spaß, sagt sie – wenn nicht gerade Kunden
       mit einem 20 Jahre alten Tintenstrahldrucker anrücken.
       
       Ein älterer Mann kommt hereingekeucht, seinen Fahrradhelm hat er
       aufbehalten. Er hat einen PC dabei, das Netzteil ist kaputt. Angela
       verpasst ihm den auszufüllenden Vertrag. Dann geht es rein. Ein langer
       Tisch mit hellen Lampen und einem Ventilator dominiert den geräumigen Saal.
       Dahinter markieren rote Stühle den Wartebereich, am Ende steht eine kleine,
       mit alten Röhrenradios vollgestellte Bühne.
       
       Die Reparatur erfolgt gegen Spende in das mintgrüne Sparschwein am Tresen.
       „Jeder, was es ihm wert ist“, kommentiert Klaus. Seit drei Jahren arbeitet
       der 73-Jährige ehrenamtlich mit, kocht Kaffee und kümmert sich um das
       Organisatorische. In der „Abendschau“ habe er vom Repaircafé erfahren und
       gedacht: „Da jehste hin“, berlinert er. „Eh du zu Hause als Rentner nur
       blöde rumsitzt, kannst du vielleicht bisschen gute Tipps geben.“
       
       ## Fast alles kann man fixen
       
       Das Repair-Café hat nur am ersten und zweiten Mittwoch im Monat auf. Klaus
       würde wegen des Bedarfs gerne noch einen weiteren Tag öffnen. Er hat
       Automechaniker gelernt und ist mit Anfang 40 Rettungssanitäter geworden,
       sein „Traumjob“. Reparieren kann der Rentner heute nicht mehr, seine Augen
       sind nicht gut. „Aber ich komme gerne her, weil hier alle aus der
       Vergangenheit zu plaudern wissen, es ist spannend, es ist interessant. Und
       wenn man nur zum Schwatzen herkommt, weil nix zu reparieren war, ist egal.“
       
       Heute ist einiges zu reparieren: Drei weißhaarige Männer kümmern sich um
       die kaputten Geräte, einer beugt sich über einen alten DDR-Empfänger, Marke
       „Rema Toccata“. Dessen stolzer Besitzer heißt Ralf. „Sehr selten und
       wirklich schwer zu kriegen“, schwärmt er. Alte Sachen zu reparieren, statt
       sie wegzuwerfen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Im Osten hat man
       aus Scheiße Gold gemacht. Man musste immer erfinderisch sein, weil man
       nicht alles gekriegt hat“, meint Ralf.
       
       Während eine ältere Frau an ihrem Saugroboter herumschraubt, müssen andere
       Besucher*innen Geduld mitbringen. Eigentlich sollen sie selber
       reparieren, aber zumeist tun es die ehrenamtlichen Helfer. Das Team besteht
       heute aus fünf Leuten. „Außer Haushaltsgroßgeräten, Autos und Motorrädern
       reparieren wir eigentlich alles, was so anfällt“, sagt Frank Schelle,
       während er WD-40-Öl auf den Tischventilator einer rothaarigen Frau sprüht:
       „Handys, Laptop, PCs, Monitore, Kaffeemaschinen, Staubsauger, Küchengeräte,
       Mixer, Uhren.“
       
       Der 63-jährige Schelle, ein hagerer Mann mit weißem Spitzbart, hat das
       Repair-Café vor über zehn Jahren übernommen und betreut es ehrenamtlich.
       Als gelernter Montageschlosser hat er sich nach der Wende „durchgetingelt“,
       bis er über eine Maßnahme als Haushandwerker im Industriesalon landete –
       dem Schirmherr des Repair-Cafés. Das Museum des Industriesalons befindet
       sich im selben Gebäude und beherbergt beeindruckende alte Maschinen wie die
       erste Mikrowelle Europas oder den Störsender gegen „Westfunk“ vom
       Funkerberg in Königs Wusterhausen.
       
       ## Erfahrungen und Ersatzteile
       
       „Das ist Geschichte hier“, sagt Schelle und atmet schwer, er hat die
       Lungenkrankheit COPD. Trotz Krankheit und magerer Rente gefällt ihm seine
       Aufgabe: „Man lernt neue Leute kennen, kann Erfahrungen untereinander
       austauschen, und ab und zu fallen auch Ersatzteilspenden an.“ Auch er würde
       das Repair-Café gerne häufiger öffnen.
       
       Gisela Kniesch aus Müggelheim hat genau hier, im damaligen
       Transformatorenwerk Oberschöneweide, ihre Ausbildung gemacht. „Daher kenne
       ich den Betrieb noch in alten Zuständen“, lacht sie. Die 73-Jährige besucht
       das Repair-Café häufiger, diesmal hat sie zwei kaputte Kaffeemaschinen
       mitgebracht: „Ich bin nicht so der Typ, der alles gleich wegschmeißt, und
       in der heutigen Zeit hält das ja nicht lange.“
       
       Heute werden ihre Maschinen wohl nicht repariert werden können, trotzdem
       ist Kniesch guter Dinge: „Zumindest werden wir den Fehler sehen. Dann
       besorge ich das Ersatzteil, und dann wird’s repariert! Ganz einfach.“
       
       Mirco aus Köpenick ist der mit Abstand jüngste Besucher, abgesehen von
       seinen beiden Söhnen, die gelangweilt am Tisch sitzen und auf ihren
       Smartphones daddeln. Ein ferngesteuertes Auto und eine Mikrowelle hat er
       schon aufgeschraubt und wartet geduldig, dass er drankommt.
       
       „Ich hab schon erfolgreich zwei ferngesteuerte Autos reparieren lassen,
       deswegen komme ich wieder her und finde das Konzept sehr gut“, lobt er. Es
       gebe „vielleicht zu viele Teilnehmer“, kritisiert er vorsichtig, zumal das
       Café erst um 17 Uhr aufmacht. Auch den Umgangston sei er nicht gewohnt und
       man brauche Geduld. „Aber es ist für die Sache“, findet Mirco.
       
       Während er noch wartet, läuft der Tischventilator der rothaarigen Frau
       wieder. Begeistert lässt sie etwas Geld in das grüne Sparschwein klimpern.
       
       1 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.industriesalon.de/angebote/repair-cafe/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Darius Ossami
       
       ## TAGS
       
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