# taz.de -- Erwartbarer Heißhunger
> Nicht nur Deutschlands Landwirte kämpfen mit der Erderwärmung. Die Folgen
> für die weltweite Ernährung könnten enorm sein
(IMG) Bild: Fast schon Popcorn: ein Maisfeld während der Hitzewelle in Frankreich im August
Von Leila van Rinsum und Thomas Salter
Nicht nur Deutschland ist mit Ernteausfällen aufgrund von Dürre und Hitze
konfrontiert, [1][wie sie der Deutsche Bauernverband am Dienstag beklagte.]
Das Problem ist global und der Trend nimmt zu, weil Wetterextreme weltweit
durch den Klimawandel zunehmen.
Von der globalen Erderwärmung verstärkte Extremwettereignisse, Hitze und
Dürre haben in diesem Sommer Felder in ganz Europa ausgedörrt und Ernten
von Mais, Reis und Sojabohnen sowie Gemüse und Obst minimiert. Einige
Landwirte haben außerdem Vieh geschlachtet, weil auch das Futter knapper
wurde, sodass etwa die Milchproduktion ebenfalls betroffen ist.
Im Juli prognostizierte der Verband des europäischen Getreidehandels
Coceral, dass die gesamteuropäische Getreideernte durch Hitze in den 27
EU-Staaten plus dem Vereinigten Königreich mit 287 Millionen Tonnen über 20
Millionen Tonnen niedriger ausfalle als im Vorjahr. Neben dem Süden
Deutschlands waren demnach zudem Südfrankreich, Österreich, Polen, Spanien
und Ungarn besonders betroffen.
Und auch die Welternährungsorganisation und die Weltorganisation für
Meteorologie, beides Organe der Vereinten Nationen, warnten im Juni in
einem gemeinsamen Bericht vor der Gefahr, die die Hitze für die weltweite
Ernährung darstellt. Hitzefolgen seien demnach ein „systemisches Risiko für
die weltweite Ernährungssicherheit sowie für mehr als 1,23 Milliarden von
der Landwirtschaft abhängige Menschen“, heißt es in dem Bericht.
D[2][ie Erträge von Mais und Weizen seien in der Vergangenheit pro Grad
gestiegener Temperatur um 7,5 bzw. 6 Prozent gesunken, für jeden weiteren
Grad Erderwärmung erwartet der Bericht einen Ernterückgang von 10 Prozent.]
Extreme Hitze werde auch eine massive negative Auswirkung auf die
Versorgung mit Fisch und Meerestieren haben, wie der Bericht herausstellt.
Eine WWF-Studie hatte schon 2020 festgestellt: Selbst wenn die Erderwärmung
auf 2 Grad begrenzt werden kann, könnte das je nach Spezies und Szenario
die Biomasse um 5 bis 20 Prozent dezimieren.
In diesem Jahr gab es auch in Teilen Afrikas, Lateinamerikas, sowie in
Indien erhebliche Ernteausfälle infolge von Dürre und Hitzewellen.
Besonders Ostafrika ist derzeit von Einbrüchen in der Landwirtschaft
konfrontiert. Das Intergovernmental Authority on Development (Igad), das
Climate Prediction and Applications Centre (Icpac) und der EU-Klimadienst
Copernicus sagen bis September unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen
in Sudan, Südsudan, Äthiopien, Eritrea und Somalia voraus. Die Institute
erwarten eine anhaltende Dürre, was die Ernteerträge weiter beeinträchtigen
werde.
Verbände, die Kleinbauern vertreten, wie die Allianz für
Ernährungssouveränität in Afrika (Afsa) oder La Via Campensina, fordern
eine Abkehr der konventionellen Landwirtschaft, die nicht nur einen hohen
CO2-Ausstoß hat und damit erheblich zum Klimawandel beiträgt, sondern durch
Monokulturen und hohen Pestizid- und Düngemitteleinsatz auch deutlich
krisenanfälliger ist. Eine zukunftsfähige Agrarpolitik müsse hingegen
[3][Agroökologie als Maßnahme der Klimaanpassung] fördern, also dass
organische Dünger und Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden und
vielfältige Kulturen angepflanzt werden.
19 Aug 2026
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