# taz.de -- Drogenhotspot im Kleinen Tiergarten: Vier Säulen gegen Crack
> Der Kleine Tiergarten ist neuer Hotspot der Crackszene. Der Bezirk Mitte
> steuert mit Maßnahmen gegen, die sich am Leopoldplatz bewährt haben.
(IMG) Bild: Erster Schritt gegen die Verelendung: ein zum Infopoint umfunktionierter Bauwagen im Kleinen Tiergarten in Moabit
Am frühen Dienstagnachmittag ist das Parkstück um den U-Bahnhof Turmstraße
verhältnismäßig leer. Eine junge Frau mit schmutzverschmiertem Gesicht
sitzt auf der Wiese und redet mit sich selber; ein älterer Mann zündet sich
eine Crack-Pfeife an. „Das sind die absoluten Härtefälle. Da müssen die
Sozialarbeiter ran“, sagt ein Parkläufer, der lieber anonym bleiben möchte.
Der Kleine Tiergarten, wie der Park offiziell heißt, ist zu einem neuen
Hotspot der Crackszene geworden. Der Bezirk Mitte hat nun reagiert und
[1][das vom Leopoldplatz bekannte Parkmanagement] eingeführt.
Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) stellte das Konzept bei
einem Pressetermin am Dienstag vor. „Mit der Parkbetreuung schaffen wir
Präsenz und Ansprechbarkeit vor Ort“, sagt Remlinger.
Der Bezirk konnte 500.000 Euro jährlich aus dem Parkläufer-Programm des
Senats für die Umsetzung sichern. Mit dem Geld wird ein Parkmanagement an
drei zusätzlichen Orten eingeführt: am Kleinen Tiergarten, im
Badstraßenkiez und der Heinrich-Heine-Straße.
An jedem Standort sollen zukünftig [2][zwei Parkläufer] und ein Parkmanager
für Ordnung sorgen – dabei handelt es sich im Grunde um Sicherheitskräfte.
Bei „unerwünschten Verhalten“ gebe es „zivilisierte Ansprachen“, so
Remlinger. Kleinere Müllstellen, wie Spritzen, sollen die Parkläufer direkt
beseitigen können. Auch dienen die Parkläufer als Ansprechpartner für
verunsicherte Anwohner:innen. Kleine Bauwägen sollen als deutlich sichtbare
Anlaufpunkte dienen, erklärt Remlinger das Konzept.
## Vom Leopoldplatz verdrängt
Zusätzlich zu den Parkläufern soll auch ein Parkmanager vor Ort sein, der
die Koordination mit Sozialarbeiter:innen, Bezirksamt, BSR und Polizei
übernimmt. Die Betreuung erfolgt 10 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Das Parkmanagement ist Teil des Vier-Säulen-Prinzips, mit dem Mitte schon
die Crackproblematik am Leopoldplatz erfolgreich einhegen konnte. Weitere
Bestandteile, so Remlinger, seien eine erhöhte Polizeipräsenz, um die
organisierte Kriminalität in den Griff zu bekommen, und ein Hilfesystem,
zum Beispiel durch sozialarbeiterische Angebote wie die Drogenhilfe
Fixpunkt.
Das vierte Element ist die soziokulturelle Belebung: „Der größte
Stabilisierungsfaktor ist, wenn sich viele normale Leute vor Ort
aufhalten“, sagte Remlinger. Aber gerade dieser Punkt sei am Kleinen
Tiergarten noch nicht umgesetzt worden, dafür reiche das Geld nicht.
[3][Am Leopoldplatz haben sich zeitweise über 200 Drogennutzende
gleichzeitig aufgehalten.] Durch die Vier-Säulen-Maßnahmen konnte die Zahl
deutlich verringert und die Aufenthaltsqualität für die Anwohnenden
verbessert werden. Das bedeutet aber auch: Viele der Süchtigen konsumieren
jetzt an anderen Orten wie dem Kleinen Tiergarten.
Das ist Remlinger durchaus bewusst. „Wir müssen die Leute von der Straße
holen“, sagt Remlinger. Doch das sei eine stadtweite Anstrengung, für die
es deutlich mehr als nur 500.000 Euro im Jahr brauche.
18 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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