# taz.de -- Dekret des US-Präsidenten: Trump streicht Empfehlungen für Kinderimpfungen zusammen
       
       > Donald Trumps Regierung baut die Impfpolitik für Kinder um – und
       > ignoriert sowohl explodierende Fallzahlen als auch wissenschaftliche
       > Erkenntnisse.
       
 (IMG) Bild: Der neuen Anordnung zufolge sollen Impfungen gegen Krankheiten wie Hepatitis B, Covid-19 und Grippe nicht mehr pauschal für alle Kinder empfohlen werden
       
       dpa | Die [1][Regierung von US-Präsident Donald Trump] empfiehlt weniger
       Impfungen für Kinder und will Kombi-Impfungen künftig auf mehrere
       Arztbesuche verteilen lassen. Per Dekret verfügte Trump im Beisein seines
       [2][umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.], fortan nur
       noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen für alle
       Kinder anzuerkennen. Ob die Anordnung unmittelbare Auswirkungen haben wird,
       war zunächst unklar. Ein ähnlicher Umbau der [3][Impfpolitik] war im März
       von einem Bundesgericht vorläufig gestoppt worden, zudem liegen viele
       Befugnisse zu Impfregeln bei den Bundesstaaten.
       
       Bei seinem Auftritt im Weißen Haus räumte der Präsident zudem selbst ein,
       sich auf unbewiesene Behauptungen zu stützen. Er wiederholte auch seine
       These eines möglichen Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus, für
       den es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinerlei Belege gibt.
       
       Der neuen Anordnung zufolge sollen Impfungen gegen Krankheiten wie
       Hepatitis B, Covid-19 und Grippe nicht mehr pauschal für alle Kinder
       empfohlen werden. Eltern könnten sich aber weiterhin für sämtliche
       Impfungen entscheiden, betonte Trump bei der Unterzeichnung des Dekrets im
       Weißen Haus. Die Kosten dafür sollen nach Angaben der Regierung auch
       weiterhin von Versicherungen übernommen werden.
       
       ## Zahl der Maserninfektionen seit Trumps Amtsantritt explodiert
       
       Trump forderte, den kombinierten MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und
       Röteln künftig möglichst in drei einzelne Impfungen aufzuteilen und diese
       zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu verabreichen. Zusammen könnten die
       Impfstoffe möglicherweise „ziemlich tödlich“ sein, sagte Trump. Auf die
       Frage eines Journalisten, ob es dafür Belege gebe, antwortete er: „Nein.“
       Er habe aber von Menschen gehört, die dies behaupteten.
       
       Für einen besonderen Nutzen einer Aufteilung des MMR-Impfstoffs gibt es
       nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC keine wissenschaftlichen Belege.
       Einzelimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln sind in den USA derzeit
       zudem nicht verfügbar. Gesundheitsexperten warnen, dass zusätzliche
       Arzttermine dazu führen könnten, dass Kinder länger ungeschützt bleiben
       oder spätere Impfungen ausfallen.
       
       Dabei ist die Zahl der Maserninfektionen schon jetzt auf dem höchsten Stand
       seit Jahrzehnten. Im Jahr 2000 hatte die Krankheit in den USA eigentlich
       schon als besiegt gegolten. Danach gab es nur sporadisch immer wieder
       kleinere Ausbrüche. In den vergangenen anderthalb Jahren – Trump ist seit
       Januar 2025 im Amt – gab es nun mehr Fälle als in den 25 Jahren davor
       zusammen.
       
       ## Studien zeigen keinen Zusammenhang mit Autismus
       
       Trump stellte den neuen Kurs erneut in einen Zusammenhang mit der stark
       gestiegenen Zahl von Autismus-Diagnosen. Er habe seine eigenen Kinder
       früher selbst zu mehreren getrennten Impfterminen gebracht, sagte der
       Präsident. „Ich denke, das wird einen großen Einfluss auf Autismus haben.“
       
       Auch Gesundheitsminister Kennedy sagte, die Regierung wolle mögliche
       Zusammenhänge zwischen Impfungen, deren Zeitpunkt und Autismus weiter
       untersuchen. Er erklärte, ein Anstieg von Autismus-Diagnosen könne nicht
       allein mit besserer Erkennung erklärt werden und müsse auch Umweltursachen
       haben.
       
       Die Weltgesundheitsorganisation kommt dagegen nach wiederholter Auswertung
       zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass
       Impfungen Autismus verursachen. Auch ein Zusammenhang zwischen der
       MMR-Impfung und Autismus wurde in großen Studien nicht gefunden.
       
       ## Gericht schritt gegen Kurswechsel ein
       
       Die Anordnung setzt den seit Monaten verfolgten Kurs der Trump-Regierung
       fort. Kennedy hatte Anfang des Jahres bereits versucht, den nationalen
       Kinderimpfplan einzudampfen, allgemeine Empfehlungen nur noch für Impfungen
       gegen 11 statt 17 Krankheiten auszugeben und bei allen anderen Fällen
       stärker auf individuelle Entscheidungen von Eltern und Ärzten zu setzen.
       
       Ein Bundesgericht stoppte diese Änderungen im März jedoch vorläufig,
       nachdem Ärzteverbände dagegen geklagt hatten. In der Urteilsbegründung hieß
       es, in der Vergangenheit seien solche Entscheidungen nach „Methoden
       wissenschaftlicher Natur, die durch Verfahrensvorschriften im Gesetz
       kodifiziert sind“, getroffen worden, doch „leider hat die Regierung diese
       Methoden missachtet und dadurch die Integrität ihres Handelns untergraben“.
       
       Auch Trumps neue Anordnung hebt die Gerichtsentscheidung nicht auf. Sie
       macht den reduzierten Impfplan zur erklärten Politik der Regierung und
       stößt weitere Schritte an, ändert aber nicht automatisch die derzeit
       geltenden Impfempfehlungen oder die Impfanforderungen für Schulen. Letztere
       werden in den USA prinzipiell von den Bundesstaaten selbst festgelegt.
       Trump wies das Justizministerium nun an, rechtlich gegen Bundesstaaten
       vorzugehen, deren Regeln nach Auffassung der Regierung das Recht auf
       religiös oder medizinisch begründete Impfausnahmen verletzen.
       
       ## Regierung verweist auf hohe Impfquoten in Europa
       
       Trump und Kennedy begründeten ihren Kurs auch damit, dass europäische
       Länder hohe Impfquoten ohne umfassende Schul-Impfpflichten erreichten.
       Tatsächlich setzen viele europäische Staaten vor allem auf freiwillige
       Impfprogramme. In mehreren Ländern gibt es jedoch Pflichtimpfungen und
       entsprechende Nachweispflichten. In Deutschland etwa müssen Kinder in Kitas
       und Schulen einen ausreichenden Masernschutz nachweisen.
       
       Die US-Regierung betont, sie strebe weiterhin hohe Impfquoten an – wolle
       dieses Ziel aber eher durch Information und freiwillige Entscheidungen der
       Eltern als durch staatliche Vorgaben erreichen.
       
       11 Aug 2026
       
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