# taz.de -- Nato-Staaten im Dauer-Stresstest
> Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Russland hinter dem Drohnenvorfall
> am Leipziger Flughafen steckt. Wovor Geheimdienste jetzt warnen
Von Tanja Tricarico
US-Geheimdienste sind sich sicher: Die Drohnenvorfälle am Flughafen
Leipzig/Halle sind auf Russland zurückzuführen. Sprengstoff und Zünder
kämen aus professioneller Hand, ein weiteres Indiz sei, dass die Drohne
sich in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine befand, wie das Wall
Street Journal berichtete. Das bringt den aktuellen Fall auch gleich mit
einer anderen Warnung in Verbindung: Der russische Präsident Wladimir Putin
könnte in naher Zukunft versuchen, die Nato zu testen. Von einer
Cyberattacke auf ein Nato-Land bis hin zu einem Einmarsch auf dem Landweg
ist wohl vieles möglich. Der Zeitraum: Von diesem Herbst bis irgendwann
2029.
Solche Warnungen gibt es spätestens seit der russischen Vollinvasion 2022
in der Ukraine immer wieder. Häufig genannt wird etwa das Narva-Szenario.
Gemeint ist damit ein Angriff über die estnische Stadt mit der größten
russischen Minderheit, die direkt an der Grenze zu Russland liegt. Andere
sehen eher Lettland als Einfallstor, wieder andere Kaliningrad an der
Ostsee zwischen Polen und Litauen.
Zugleich gibt es Stimmen, die keinen Angriff Putins auf Nato-Territorium
sehen, solange der Krieg in der Ukraine anhält. Nun scheinen die
US-Geheimdienste Hinweise auf Aktivitäten von russischer Seite an der
Nato-Ostflanke zu haben. Auch Litauens Militärgeheimdienst liegen
Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in
den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte.
## Dobrindt spricht von „fremden Mächten“
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht derzeit im Leipziger Fall
nicht explizit von einem russischen Hintergrund, sondern behilft sich mit
dem Terminus „fremde Mächte“. Das bedeutet, ein staatlicher Akteur könnte
hinter dem schwerwiegenden Vorfall stecken. Allzu viele kommen dabei nicht
in Betracht: China, Iran, Nordkorea oder eben Russland. In jedem Fall ist
Deutschland durch seine große Unterstützung für die Ukraine im Visier für
verschiedene Angriffsarten. Dazu zählen Cyberattacken, Sabotage und immer
wieder Angriffe auf kritische Infrastruktur. Dazu gehören auch Schäden an
Unterwasserkabeln in der Ostsee.
Auch Desinformationskampagnen sind damit gemeint. Erst vor wenigen Tagen
warnten deutsche Sicherheitsbehörden, dass es in den Wochen [1][vor den
Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gezielt
russische Versuche der Einflussnahme] gegeben habe oder man diese
beobachte. Entsprechende Videos versuchten, Politiker:innen und
Parteien zu diskreditieren, die nicht russlandfreundlich seien. Davon
betroffen seien alle Parteien bis auf AfD und BSW.
Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle zählt zu den bisher gravierendsten
und auch gefährlichsten Angriffen der hybriden Kriegsführung in
Deutschland. Gegenstand der aktuellen Ermittlungen ist auch, dass der
Zünder nicht funktionierte und es nicht zu weiteren Schäden kam, obwohl es
sich um eine professionelle Vorrichtung handelte. Drohnensichtungen sind
allerdings keine Seltenheit mehr – weder an europäischen Flughäfen noch an
anderen sicherheitsrelevanten Orten.
Am Samstag wurde dann gemeldet, dass über dem Bundeswehrstandort Mechernich
in Nordrhein-Westfalen zwei Drohnen entdeckt wurden. Laut Medienberichten
wird an diesem Standort das Flugabwehrraketensystem Patriot gewartet. Auf
dieses Luftabwehrsystem sind die ukrainischen Streitkräfte zu ihrer
Verteidigung gegen russische Angriffe besonders angewiesen. Und Deutschland
ist einer der wichtigsten Lieferanten sowohl des Systems, als auch der
Raketen.Tanja Tricarico
10 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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