# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn halt auch einmal Schluss gemacht sein soll
Es stürmt an diesem Abend so heftig, dass die Sonnenschirme, unter denen
wir Späti-Besucher*innen gerade noch unsere Getränke genossen haben,
nurmehr dazu dienen, das Wasser in Strömen über uns zu schütten. Also
suchen wir Zuflucht im Inneren des Ladens am Reuterplatz. Doch der
Späti-Besitzer fängt sofort an zu schreien: „Raus, raus mit euch, habe ich
gesagt! Raus!“
Er ist nicht zum ersten Mal unfreundlich, diesmal aber geht er zu weit,
denke ich, und sage es ihm auch. Weil er darauf nicht reagiert, beschwere
ich mich darüber, dass ich nach zehn Jahren als Kundin so behandelt werde.
„Komm mir nicht mit deinem Zehn-Jahre-Müll“, sagt er. „Wie bitte?“, frage
ich. Er schweigt. „Okay, fünf Jahre?“, entgegne ich, noch immer schockiert.
Er lacht, während er etwas abkassiert. „Zehn Jahre“, wiederholt er
kopfschüttelnd. Dann hebt er eine Hand, winkt zu mir und sagt: „Na dann,
Bye-bye nach zehn Jahren. Tschüssi, Ciao!“ „Ja, Bye-bye …“, antworte ich.
Ich stehe noch eine Weile draußen im Regen. Es fühlt sich schlecht, aber
auch seltsam an – als hätte er mit mir Schluss gemacht, obwohl ich ihn
schon längst hätte verlassen sollen.Luciana Ferrando
22 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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