# taz.de -- Erstes Mal im Hotel: Sex mit Aussicht
       
       > Mira ist zunächst skeptisch, als D. vorschlägt, ein Hotelzimmer zu
       > mieten. Doch dann findet sie es genial – wenn nur die Betten nicht so
       > rutschten!
       
 (IMG) Bild: Ein Date im Hotel: anders und aufregend
       
       Ich hole die Schlüsselkarte an der Rezeption ab, wo D. sie für mich
       hinterlegt hat, und fahre hoch in den 20. Stock. Das Zimmer ist das letzte
       den Gang hinunter. Ich öffne die Tür, mache ein paar Schritte in den Raum –
       und blicke direkt auf den [1][Berliner Fernsehturm.] Wow. D. ist noch nicht
       da, hat aber das Zimmer dekoriert: Auf dem Bett liegen Kondome, auf einem
       Regal steht ein Dildo. Er hat Humor.
       
       Die letzte Stunde zu Hause habe ich damit verbracht, Kleider, Röcke, BHs,
       Strumpfhosen und Jacken auf den Boden zu werfen. Am Ende habe ich mich für
       einen Leo-Rock und einen schwarzen Rollkragenpullover entschieden, doch im
       Zimmer ist es so warm, dass ich aus dem Pullover schlüpfen muss. Bevor ich
       mir eine Alternative überlegen kann, um D. nicht gleich in Dessous zu
       empfangen, klickt das Türschloss, und ich stehe mit kaum verdeckten Brüsten
       vor ihm. Was soll’s – wozu sind wir denn auch hier.
       
       Wir wissen nicht recht, wie wir uns begrüßen sollen – bei unseren ersten
       beiden Dates hatten wir uns noch nicht einmal geküsst. Als D. für das
       dritte Date vorschlug, [2][sich in einem Hotel zu treffen,] Donnerstag
       nächster Woche, Link zur Webseite, hielt ich das zunächst für totalen
       Unsinn. Ich habe schließlich eine Wohnung.
       
       Aber ich fand auch reizvoll, in der eigenen Stadt in einem Hotel zu
       übernachten. Und mir das Aufräumen, Putzen, Bettwäsche wechseln zu
       ersparen. Hotel bedeutete außerdem: weniger intim als zu Hause und damit
       irgendwie unverbindlicher. Also sagte ich ja, wählte aber ein anderes
       Hotel. Wennschon, dennschon.
       
       ## Erstmal Pizza essen
       
       Unverbindlich war mir wichtig: D. führt mit seiner langjährigen Partnerin
       eine [3][offene Beziehung]. Einerseits reizte mich das, das war neu für
       mich, und ich mag Herausforderungen. Andererseits schienen mir
       Komplikationen fast unvermeidbar: Was zum Beispiel, wenn sich eine:r von
       uns verliebt? Lieber also ein neutraler Ort, so hatte ich weniger das
       Gefühl, ihn in mein Leben zu lassen.
       
       Eine Woche später sind wir also hier. Als die Pizza gegessen ist, unsere
       Nervosität gewichen und uns rot lackierte Nägel, Abendsonne hinterm
       Fernsehturm und Wein ins Bett verführt haben, rutschen die zwei aneinander
       geschobenen Bettkästen ständig auseinander. Ein Knie landet in der Lücke,
       ein Ellenbogen, ein Po. Bis wir das Bett zwischen Wand und Sesseln
       einkeilen. D. küsst mit Zunge und Fingern und fährt mit den feuchten
       Spitzen über meine Brüste. Ich beiße sanft in sein Ohrläppchen, und ihm
       fährt ein Schauer durch den ganzen Körper. Und noch einer. Er will schon
       ein Kondom aufreißen, aber ich will, dass er mich leckt.
       
       Nachts, als es schon dunkel ist, sitze ich am Bettrand und schaue auf die
       Lichter der Stadt. Es böte sich schon an, direkt am Fenster Sex zu haben,
       denke ich, muss dann aber in Erinnerung an den performativen Sex neulich
       bei mir zu Hause vor dem Spiegel leise lachen. Ich lege mich wieder hin, D.
       kuschelt sich an mich.
       
       Als ich am Morgen aufwache, sitzt D. neben mir und schaut mich an. Ich
       stütze mich auf meinem Ellenbogen ab und nehme seinen erigierten Schwanz in
       den Mund. Kurz darauf holt er ein Kondom, dreht mich um und gleitet in mich
       hinein.
       
       Später ziehe ich den Vorhang neben dem Bett zur Seite. Nun trennt nur noch
       eine durchsichtige Glasscheibe das Zimmer von der Badekabine. Ich dusche
       mit Blick auf den Fernsehturm und D.s Blicken auf mir. Es ist das erste
       Mal, dass ich durchsichtigen Hotelbadwänden etwas abgewinnen kann. Zum
       Frühstück gibt’s kalte Pizza, dann geht’s zur Arbeit.
       
       2 Aug 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mira Milborn
       
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