# taz.de -- Die Wahrheit: Wenn Don Gianni pfeift
> Willkommen Feefa: Der Wahrheit-Insiderbericht aus einer Schweizer Klinik
> für infantinen Größenwahn.
Von außen sieht das Mental-Sanatorium „Pro Bono Animis“ im schweizerischen
Leukerbad, Kanton Wallis, so unscheinbar aus wie ein durchschnittliches
helvetisches Fünf-Sterne-Haus: Hohe Maybach-Dichte auf dem Parkplatz,
Angestellte in roten Livrees, vierschrötige Leibwächter in Bataillonstärke
und die Karte des Bistros ruft auch für „Kleine Speisen“ dreistellige
Franken-Beträge auf. Nur die Nähe von Daubenhorn und Daubensee weisen den
Sprachkundigen darauf hin, dass der Ort ganz spezielle VIPs beherbergt.
„Taub“ und „doof“ haben bekanntlich denselben Ursprung.
Einem Whistleblower verdanken wir den Hinweis, dass sich aktuell auch ein
führendes Mitglied der Fifa im „Pro Bono“ aufhält. Und wir haben uns den
Fachkräftemangel des Hauses zunutze gemacht und als Hilfspfleger
angeheuert. Dass Diskretion hier laut Homepage „gross“ geschrieben wird,
hat sich zum Glück nicht bis in den Pausenraum des Personals
herumgesprochen. „Der Don Gianni“, lacht der erfahrene Kollege Beat, „der
ist ja öfter hier als draußen.“ Beat wie Beate, wohlgemerkt, nicht wie
McCartney. Die Schweiz eben.
Also ist der König des Fußballs nicht zum ersten Mal hier? „Ach was! Wir
sind hier schon so was wie das inoffizielle Fifa-Hauptquartier. Wobei wir
seit 2018 intern nur noch Feefa schreiben.“ Beat freut sich sichtlich, als
ich fragend schaue – er erzählt offenbar gern Dönekes. Ich erfahre, dass
ein früherer Aufenthalt des Don im „Pro Bono“ mit dem wahnhaften Erfinden
von Lizenzgebühren – englisch Fees – zusammenhing. „Wir hätten ihn damals
am liebsten zu den Kollegen in Saas-Fee verlegt“, grinst der bekennende
Kalauerfreund.
Jedenfalls wollte der Don, wie ihn hier alle halb spöttisch, halb
ehrfürchtig nennen, damals Lizenzen für alles Mögliche einführen. Unter
anderem sollte jeder zahlen, der ein Liedchen pfeift – Pfiffe seien
Fifa-Eigentum. Und auch das Überqueren von Bällen über die Torlinie sollte
weltweit mit einem Fifa-Zoll belegt werden – egal ob per Fuß oder per Kopf.
Nach diesem akuten Schub half wohl nur ein künstliches Koma.
„Bei einer Idee wissen wir nicht mal, ob das Wahn oder Wirklichkeit war“,
erinnert sich Beat. „Er sagte, 20 Prozent der Lizenzeinnahmen gingen direkt
an die Familie Trump. Die würde ihm schließlich bei der Durchsetzung
helfen. Jetzt prophezeit er übrigens, dass das Problem mit der Straße von
Hormus letztlich mit Hilfe seiner Idee gelöst werde: Iran kassiert von
jedem Tanker einen Zoll von 100 Millionen Dollar – und 20 Millionen gehen
an die Sopran … äh, Trumps.“ Beat zuckt die Achseln, während er kleine
Kaviarhäufchen auf die Schalen mit dem Birchermüesli setzt. „Das werden wir
alle an der Heizkostenabrechnung merken.“
Aber zurück zum Thema Nummer eins: Seit wann ist der Boss denn diesmal
hier? „Warte. War das vor der Trump-WM? Da waren ja eh alle Doubles im
Einsatz. Nee, er kam wohl erst kurz danach.“ Und kennt man den Auslöser?
„Hmm. Das Verhökern der Vermarktungsrechte an den WMs war es nicht. Da
hielt ihn zumindest sein engerer Zirkel in der Fifa noch für
zurechnungsfähig. Ich glaube, es war diesmal die Idee mit dem Finalsplit.“
Welche Idee bitte? „Ach ja, das kam dann ja gar nicht mehr an die
Öffentlichkeit …“.
Nach Ansicht vieler Fachleute beginnt die eigentliche Fußball-WM erst mit
dem Viertelfinale. Es gibt also sieben besonders kostbare Spiele. Damit
möglichst viele Länder und Kontinentalverbände in den Genuss dieser
Highlights kommen, wollte Don Gianni jeweils zur Halbzeit das Stadion
wechseln lassen. Also zum Beispiel die erste Hälfte in Melbourne, die
zweite Halbzeit in Montevideo spielen lassen. Er hat die Machbarkeit wohl
durch 100 von der Fifa bezahlte Flüge persönlich getestet.
Dann kam er mit einer weiteren Lizenzidee. Diesmal war es die HBF. Die was?
„Die ‚Hydration Break Fee‘. Wann immer jemand eine körperliche Aktivität
unterbricht und etwas trinkt, soll die Feefa mitkassieren. Ein Cent pro
Schluck – aber das läppert sich natürlich. Soll übrigens nicht nur für
Sportler und Bauarbeiter gelten, sondern auch für Haus- und Wildtiere.“
Da stellt sich die Frage aller Fragen: „Kriegen wir ihn auch mal zu sehen?“
Beat schaut zum ersten Mal ein wenig misstrauisch und schüttelt dann den
Kopf. „Promigeil, oder? Solche hatten wir schon oft hier. Aber seit er im
Freizeitraum auf die Leute am Tischkicker losgegangen ist und rote Karten
verteilt hat, ist seine Suite mal wieder geschlossene Abteilung. Und
außerdem …“ – Beat senkt die Stimme und schaut sich verschwörerisch um – „…
ist der DON gerade in wichtigen Verhandlungen. Weltfrieden!“
## Neu in der Fifa sind auch Basken- und Sauerland
Das leichte Flackern in seinen Augen lässt erstmals zweifeln, ob Beat hier
wirklich arbeitet. Aber es klingt schon überzeugend: Mit den neuen
Fifa-Mitgliedern Baskenland, Salzburger Land und Sauerland arbeitet Don
Gianni an einem globalen Friedensplan zur Beendigung aller Kriege –
mithilfe der Fifa-Regeln: Die Abseitsregel verhindert Angriffe hinter der
Front. Die Zehn-Sekunden-Regel sorgt für das schnellere Wiederaufstehen
Verwundeter. Und auch Gefallene müssen in zehn Sekunden vom Schlachtfeld
getragen werden, sonst muss der Nachschub eine Minute warten. Vor allem
aber kann die VAR-Drohne jederzeit eingreifen und Angriffe unterbinden.
Ist der aufziehende Nebel aus den Bergen oder doch eher im Kopf? Oder ist
das schon der Geist des Don selbst? Da ertönt über die Kliniklautsprecher
ein gellender Pfiff. Die Magie des Moments ist wie weggeblasen. Beat steht
seufzend auf und greift nach seinem Wasserglas. „Hydration Break. Jeder!“
Und er angelt genervt nach seinem Portemonnaie.
15 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Oliver Domzalski
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