# taz.de -- Die Wahrheit: In der Gefühlspülmaschine
> Kleiner Anlass, große Wirkung: Wie sich der Umgang mit einem Küchengerät
> zu einem Toxic Syndrome für eine Beziehung auswachsen kann.
Eigentlich hätte ich an diesem Morgen die Spülmaschine einräumen müssen,
wusste aber plötzlich nicht mehr, wohin mit den Tellern und dem Besteck.
Zum Zeitvertreib las ich in einer großen Wochenzeitung von einer
Neurowissenschaftlerin, die sich „plötzlich Texte nicht mehr merken“
konnte. Ihr „fielen Worte nicht mehr ein, sie war verunsichert. Dann
entdeckte sie das Phänomen Brain Fog – und sie verstand, wie sie sich
anpassen muss.“
Prompt entdeckte ich die Phänomene Weaponized Incompetence, Diffusion of
Competence und Lucky Girl Syndrome – und verstand, dass ich diese lästige
Arbeit einfach meiner Frau überlassen konnte. Ich musste nur einen dieser
englischen Diskurs- und Modebegriffe finden, die sich inzwischen für jeden
Pipifax etabliert haben. Das klingt dann wichtig, irgendwie erforscht, und
schon bin ich aus dem Schneider. Leider leidet meine Frau an einer
Hyperfixation auf sauberes Geschirr, die schon an Neurodiversity grenzt.
Dreck gibt ihr einen schlimmen Ick.
Ihre Coping Strategy bestand darin, mein Impostor Syndrome auszunutzen und
auf eine umgehende Einräumung der Spülmaschine zu bestehen, und zwar „ein
bisschen plötzlich“. Als People Pleaser wollte ich mich zwar sofort an die
Arbeit machen, ein echter Ally im Alltag sein, wurde aber dennoch mit
Ghosting bestraft und nur unzureichend mit Bread Crumbing bei Laune
gehalten. Ferner beschuldigte mich meine Frau, ich praktizierte nur eine
Performative Allyship, und machte sich auf diese Weise durch geschickten
Einsatz ihres Pretty Privilege meine Fragile Masculinity zunutze.
## Eiskalter freier Lauf
Ihr Silent Treatment und ihre Compassion Fatigue steigerten meine Mental
Load ins Unerträgliche, zumal ich sowieso unter dem Main Character Syndrome
leide, weshalb ich mich zum Doomscrolling und Self Soothing in meinen Spafe
Space zurückzog. Anstatt aber meine Boundaries zu respektieren, ließ meine
Frau ihrer Internalised Misandry freien Lauf und störte meine Healing
Journey durch fortgesetztes Hate Watching und Love Bombing. Auf mein
verzweifeltes Orbiting und Stonewalling reagierte sie eiskalt mit
Hoovering, Compassion Fatigue und Invalidation – was dem Framing unserer
Situationship nicht eben zuträglich war und zwangsläufig meinen Emotional
Withdrawal nur noch verstärkte.
Es handelte sich offensichtlich um eine Red Flag, die meine Emotional
Availability nur noch weiter senkte. Das Quiet Firing durch meine Frau
konterte ich geschickt mit Quiet Hiring, allerlei Virtue Signalling und
Emotional Labor hart an der Grenze zu Toxic Positivity, nicht zu
verwechseln mit Toxic Masculinity. Am Ende war es ein Zwiegespräch mit
meinem Inner Child, das die Lage endgültig entschärfte. Ich überraschte
meine Frau mit der Loading the Dishwasher Strategy, als deren Begründer ich
fürderhin gern gelten würde – und gut war’s.
31 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Arno Frank
## TAGS
(DIR) Kolumne Die Wahrheit
(DIR) Beziehungskrise
(DIR) Küchengerät
(DIR) englisch
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Kolumne Die Wahrheit
(DIR) Kolumne Die Wahrheit
(DIR) Kolumne Die Wahrheit
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Die Wahrheit: Splitternackte Winterjacke
Wenn sich die Eiweiße im eigenen Gehirn ob der HITZE allmählich aufzulösen
beginnen, dann beginnt sie erst richtig – die glorreiche Schreibzeit.
(DIR) Die Wahrheit: Hochgestochene Minikalifen des Humors
Als Freund italienischer Motorräder braucht es für lautes Gelächter
unbedingt ein Übersetzungsprogramm aus dem wundervollen Stiefelianischen.
(DIR) Die Wahrheit: Lyrische Rettung vor dem Ziel
Selbst auf einer Bahnfahrt in den Norden sind die aktuellen Schrecken
unserer Zeit omnipräsent, dagegen hilft nur dichten, dichten, dichten …