# taz.de -- Leichtathletik-EM in Birmingham: Mit Bestleistung zurück in der Spur
       
       > Siebenkämpferin Sophie Weißenberg fühlt sich fit wie nie. Bei der EM will
       > sie all das Pech hinter sich lassen, das sie bei Großereignissen verfolgt
       > hat.
       
 (IMG) Bild: Konzentriertes Comeback: Sophie Weißenberg beim Kugelstoßen
       
       Es war einer der herzzerreißendsten Momente der [1][Olympischen Spiele 2024
       in Paris], als Sophie Weißenberg weinend auf der Tartanbahn saß und sich
       verzweifelt an ihren Fuß fasste. Kurz zuvor war die Welt noch in Ordnung,
       die Mehrkämpferin stand vor ihrer olympischen Premiere. Doch eine falsche
       Bewegung ließ ihren Traum platzen. Beim Probestart über die
       100-Meter-Hürden, der Auftaktdisziplin im Siebenkampf, kam Weißenberg
       falsch auf und stürzte. Diagnose: Achillessehnenriss.
       
       Heute erinnert eine fast zehn Zentimeter lange Narbe an diesen Moment. Fast
       20 Monate absolvierte die Leichtathletin seit diesem Schicksalstag keinen
       Wettkampf mehr. Beim Mehrkampfmeeting in Götzis Anfang Juni dann legte die
       28-Jährige dann ein Comeback hin, das sich sehen lassen konnte. Nach
       Bestleistungen über die Hürden, 200 sowie 800 Meter stellte Weißenberg mit
       6.449 Punkten eine neue persönliche Bestmarke auf, womit sie sich auf Platz
       5 in der Welt katapultierte.
       
       „Schon nach dem Hürdenlauf war ich sehr emotional. Und dann habe ich
       realisiert: Jetzt bin ich zurück“, sagte Weißenberg nach ihrem Comeback im
       WDR. „Ich hatte total viel Spaß und habe den ganzen Wettkampf einfach
       genossen.“ Mit ihrer neuen Bestleistung erzielte sie 11 Punkte mehr als bei
       ihrem 7. Platz bei der WM 2023 in Budapest. Damals verpasste sie die
       Bronzemedaille um gerade einmal 63 Punkte.
       
       ## Erfolgreiche Juniorin
       
       Weißenberg machte erstmals 2016 auf sich aufmerksam, als sie bei den
       U20-Weltmeisterschaften Silber im Weitsprung holte; drei Jahre später
       folgte dann Silber bei der U23-EM im Siebenkampf. Seitdem verfolgt die
       gebürtige Neubrandenburgerin, die für das Training 2020 nach Leverkusen
       wechselte, bei großen internationalen Wettkämpfen das Pech.
       
       Die Teilnahme an der WM 2021 in Doha musste sie verletzungsbedingt absagen.
       Ein Jahr später folgte bei der WM in Eugene ein Salto nullo im Weitsprung,
       die EM in Rom 2024 brach Weißenberg ab, um einer Verletzung vorzubeugen.
       Und dann kam Paris. Sie habe schon lange Beschwerden im Fuß gehabt,
       erzählte die Siebenkämpferin im WDR-Fernsehen. Der Achillessehnenriss sei
       nun die Gelegenheit gewesen, der Sache endlich auf den Grund zu gehen.
       
       „Ich habe tatsächlich auch ein kleines bisschen Erleichterung gespürt. Ich
       muss nicht so schnell wie möglich zurückkommen, sondern es kommt darauf an,
       dass der Körper heilt.“ Für ihre Rückkehr in den Sport habe sie sich
       dementsprechend viel Zeit gelassen. „Sicher hätte ich auch schon im
       vergangenen Jahr wieder Wettkämpfe machen können“, so Weißenberg. „Aber für
       mich war nicht ausschlaggebend, wann ich zurückkomme, sondern wie ich
       zurückkomme.“
       
       Diese Vorbereitung holt sich Weißenberg seit Januar dieses Jahres in den
       Niederlanden, wo sie sich der Trainingsgruppe um Steven Nuytinck anschloss.
       Dort trainiert sie unter anderem gemeinsam mit den Top-Siebenkämpferinnen
       Emma Oosterwegel, Bronzegewinnerin bei [2][Olympia 2021 in Tokio], und
       Sofie Dokter, die im März Hallenweltmeisterin im Fünfkampf geworden ist.
       Beide liegen in der Weltjahresbestenliste vor ihr.
       
       Bei der Europameisterschaft in Birmingham gehört sie dank ihrer neuen
       persönlichen Bestleistung zu den Favoritinnen auf eine Medaille. Doch nicht
       nur ihre niederländischen Teamkolleginnen werden etwas dagegen haben,
       sondern auch ihre deutschen. Mit Sandrina Sprengel, Fünfte der
       letztjährigen Weltmeisterschaft in Tokio, und Vanessa Grimm reisen
       ebenfalls zwei aussichtsreiche Kandidatinnen nach England.
       
       Nach der Absage der dreifachen Olympiasiegerin Nafissatou Thiam kommt die
       Top-Favoritin auf den Titel jedoch aus der Schweiz. [3][Annik Kälin]
       stellte erst im Juni beim Mehrkampfmeeting in Ratingen eine neue
       persönliche Bestleistung auf: 6.819 Punkte. Namhafte Konkurrenz könnte sie
       von Katerina Johnson-Thompson bekommen. Allerdings hat die zweifache
       Weltmeisterin und Olympia-Zweite von 2024 selbst Verletzungsprobleme,
       musste sie doch erst Ende Juli ihre Teilnahme an den Commonwealth Games
       absagen.
       
       Weißenberg selbst meinte nach ihrem Comeback in Götzis, dass sie sich
       körperlich noch nie so fit gefühlt habe. Es sei aber noch Luft nach oben,
       vor allem in den Wurfdisziplinen und im Weitsprung. Für neue Bestleistungen
       böte Birmingham doch die perfekte Gelegenheit.
       
       8 Aug 2026
       
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