# taz.de -- Kurd*innen in Syrien: Rückkehr nach Afrin mit Hindernissen
> Die langjährige Vertreibung von Kurd*innen aus Afrin endet mit einem
> Konvoi von 1.300 Familien. Doch viele Häuser sind weiter besetzt.
(IMG) Bild: Schon im März waren die ersten Familien nach Afrin zurückgekehrt
Mit [1][Tränen in den Augen], [2][Matratzen auf dem Autodach] und einem
Olivenzweig in der Hand sind die letzten Vertriebenen nach Afrin
zurückgekehrt. Rund 1.300 Familien erreichten am Donnerstag in einem Konvoi
aus Hasakeh ihre Heimat. Die Lokalbehörden hätten sich mit den zuständigen
Institutionen abgestimmt, um den Konvoi zu organisieren, sagte der Leiter
des Pressebüros von Afrin, Mohammad al-Hassan.
Am Freitag verkündete das Komitee zur Organisation der Rückkehr [3][seine
Auflösung]. Damit endet offiziell die lange, gewaltsame Vertreibung von
Kurd*innen aus dem kurdisch geprägten Kanton Afrin nördlich von Aleppo.
Die Türkei hatte den kurdischen Selbstverwaltungskanton Afrin mithilfe der
Syrischen Nationalen Armee (SNA), einer von ihr gestützten Rebellengruppe,
2018 völkerrechtswidrig besetzt. Bei der „Operation Olivenzweig“ nutzte das
türkische Militär auch [4][Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion].
In ganz Nordsyrien waren seit der türkischen Militäroffensive mit dem
perfiden Namen „Operation Friedensfrühling“ im Oktober 2019 Bomben und
Drohnenangriffe [5][Teil des Alltags der Menschen]. Die SNA beschlagnahmte
Grundstücke und verweigerte vertriebenen Kurd*innen die Rückkehr in ihre
Heimat.
## Die Angst bleibt
Nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad im Dezember 2024 gab es
Angriffe der Truppen der neuen Übergangsregierung auf die kurdische
Gemeinschaft und Kämpfe mit den kurdischen Syrischen Demokratischen Kräften
(SDF). [6][Beide Seiten einigten sich am 29. Januar 2026 auf die
militärische und politische Integration der kurdischen Selbstverwaltung in
den syrischen Staat]. SDF-Kämpfer sollten demnach dem neuen
Verteidigungsministerium unterstellt werden.
Während nun viele Rückkehrende ihre beschädigten Häuser reparieren, stehen
andere vor erheblichen Problemen: „Die bloße Tatsache, dass einige Personen
in der Lage sind, die Stadt vorübergehend zu betreten, bedeutet nicht, dass
die Bedingungen für eine sichere, freiwillige und würdige Rückkehr gegeben
sind“, schreiben die Organisationen Syrians For Truth and Justice, Dar
Association for Victims of Forced Displacement und PÊL – Civil Waves [7][in
einem Brief] an die UN-Sonderberichterstatter.
Der Zugang zu Heimat, Land oder Geschäft bleibe mit Angst, Erpressung,
Diskriminierung und fehlendem Rechtsbehelf behaftet.
Rückkehrende berichteten von Morddrohungen oder Angriffen auf diejenigen,
die versuchten, nach ihrem Eigentum zu sehen. Sowohl lokale
Sicherheitskräfte als auch türkische Gruppen verhinderten die Rückkehr.
Häuser, Geschäfte und Grundstücke blieben beschlagnahmt. Auch gebe es
weiterhin Checkpoints. Opfer hätten keine Stelle, an die sie sich wenden
könnten, um ihre Besitzrechte geltend zu machen.
## Anwohner spricht von „kosmetischem Wandel“
Gegenüber den Organisationen beschrieb ein Anwohner die Situation als
„kosmetischen Wandel“. Militärfraktionen, die früher mit der SNA verbunden
waren, hätten zwar ihre Integration in die neue syrische Armee verkündet,
aber ihre Kommandeure und Kämpfer seien an Ort und Stelle geblieben. Der
Gemeinderat sei nicht ersetzt worden und die „behauptete Unterordnung unter
Damaskus“ entspreche nicht der lokalen Realität.
In dem Dorf Sheikhourzeh al-Fawqaniyah hat die türkische Armee weiterhin
einen Militärstützpunkt und hindert die Anwohner daran, in ihre Häuser
zurückzukehren, berichtet die kurdische [8][Hawar News Agency.] Zwar habe
das türkische Militär einige Basen geräumt, doch seien auf dem Stützpunkt
in dem Dorf immer noch türkische Spezialeinheiten mit schweren Waffen.
Familien bewaffneter Gruppen des türkischen Staats seien präsent und
hinderten kurdische Familien an der Rückkehr in ihre Häuser.
21 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/shorts/-1wDx43d5Uc
(DIR) [2] https://www.rudaw.net/english/categories/syria/1078388
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=LioeeHuOfng
(DIR) [4] https://dip.bundestag.de/vorgang/einsatz-von-leopard-2-kampfpanzern-der-t%C3%BCrkischen-armee-in-der-kurdischen/231474?f.deskriptor=Milit%C3%A4rische%20Intervention&rows=25&pos=4
(DIR) [5] https://www.ecchr.eu/en/case/crimes-in-syria-the-neglected-atrocities-of-afrin/
(DIR) [6] /Neues-Abkommen-in-Syrien/!6150098
(DIR) [7] https://stj-sy.org/en/syria-urgent-joint-letter-to-the-un-special-procedures-on-barriers-to-return-to-ras-al-ain-sere-kaniye-and-tel-abyad/
(DIR) [8] https://hawarnews.com/en/turkish-military-base-prevents-sheikhourzeh-al-fawqaniyah-residents-from-returning-home
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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eingenommen.