# taz.de -- Neuer Chef für Labour: Der britische König Charles bekommt Konkurrenz
> Die Labour-Partei inthronisiert Andy Burnham als Vorsitzenden. Er will an
> alte Traditionen der Partei anknüpfen. Das Motto lautet: Labour für alle!
(IMG) Bild: Andy Burnham: neuer Vorsitzender der Labour-Partei und künftiger Premierminister, am 17. Juli 2026
Andy Burnham, ehemaliger Bürgermeister des Großraums Manchester, ist am
Freitag zum Parteichef der Labourpartei gekürt worden. Es war sein dritter
Versuch und der einzige ohne Gegenkandidat*innen. Manche bezeichnen den
Vorgang deshalb als Krönung. Nur 24 Abgeordnete nominierten ihn nicht.
[1][Am kommenden Montag wird Burnham zum britischen Premierminister ernannt
werden.]
Auf einer außerordentlichen Parteikonferenz mit mehreren hundert Anwesenden
wandte sich Burnham, der zur Feier des Tages einen Anzug mit weißem Hemd
und roter Krawatte trug, an seine Partei. Darin bezog sich Burnham, anfangs
sichtbar emotional, auf drei Labourpolitiker*innen der
Vergangenheit, die ihm besonders geholfen hätten.
So erwähnte er den ehemaligen Minister David Blunkett, das Labour-Urgestein
Margaret Beckett – beide kommen aus der rechten Ecke der Partei – sowie den
ehemaligen Labourchef Neil Kinnock. Vor allem letzterer sei für seinen
Beitritt zur Partei verantwortlich, wie Burnham betonte.
Viel Lob hatte der neue Labour-Chef [2][für seinen Vorgänger Keir Starmer]
übrig. Dieser habe die Partei nicht nur von einem der schlechtesten zu
einem der besten Wahlergebnisse geführt. Zudem habe Starmer auch
Veränderungen für das Leben der Menschen im Land in Gang gesetzt. In diesem
Zusammenhang nannte er das Arbeits- und Mietrecht sowie das
Gesundheitssystem. Das internationale Ansehen des Landes habe sich unter
Starmer verbessert.
## Teilprivatisierung der Bahn
Starmer habe mit einer Teilprivatisierung der Eisenbahn begonnen und das
Hillsborough-Gesetz eingeführt, das auch ihm stets ein wichtiges Anliegen
gewesen sei, sagte Burnham. Am 15. April 1989 waren im
Hillsborough-Fußballstadium in Sheffield bei einer Massenpanik 97 Menschen
ums Leben gekommen. Die meisten der Opfer, größtenteils Fans des Clubs
Liverpool FC, erstickten im Gedränge.
Danach hatten Polizeikräfte jahrzehntelang versucht, die Schuld auf die
Fans zu schieben, von denen die meisten aus der britischen Arbeiterklasse
kamen. Deswegen schenkte man ihnen weniger Glauben als der Polizei. Die
Angehörigen mussten mehrere Verfahren erstreiten, bis 2016 die Wahrheit ans
Licht kam. Tatsächlich lag die Hauptschuld bei der Polizei. Laut des
Hillsborough-Gesetzes ist es ein strafrechtliches Vergehen, wenn Behörden
und Beamt:innen bei Ermittlungen nicht sofort die Wahrheit sagen.
Seine Ernennung zum Parteichef bedeute, dass die Stimme der Menschen in
abgehängten Regionen wie Makerfield gehört worden sei, sagte Burnham
weiter. Sie wollten Labour wieder so, wie die Partei früher einmal gewesen
sei. Anfang Juli war er in Makerfield ins Unterhaus gewählt worden.
Er werde für alle Regionen und Nationen im Vereinigten Königreich gerade
stehen, betonte Burnham, keine Postleitzahl werde vergessen. Sein Ziel sei
es, eine selbstbewusste Alternative zu bieten, deren Fundament Labours
ureigenste Werte seien.
## Fünf Versprechen
Die neoliberale Politik der vergangenen 40 Jahre habe vor allem den
Regionen geschadet, in denen die Labourbewegung und die Gewerkschaften
entstanden seien – etwa die einstigen Kohle- und Stahlregionen,
Industriezentren und Häfen. Ihre Demontage sei ohne Plan für ihre Zukunft
implementiert worden. Die Privatisierung habe kommunale Dienste verteuert,
Aktionäre belohnt und Regionen geschwächt. Deren Bewohner*innen sei die
Kontrolle über natürliche Ressourcen entzogen worden, sagte er.
Um dies zu verändern, machte er fünf zentrale Versprechen. Zum einen werde
er dafür sorgen, dass Labour mit einer Stimme spreche. Interne Machtkämpfe
kämen jenen, die auf eine Labourregierung am meisten angewiesen seien,
nicht zugute. Seine Regierung werde versuchen, alle Strömungen in der
Partei zu vertreten.
Er werde Dauerprobleme wie die unzureichende Versorgung kranker und
pflegebedürftiger Menschen angehen und versuchen, mit anderen Parteien
zusammenzuarbeiten, damit nachhaltige Veränderungen eingeführt werden
könnten.
## Ausweitung der Dezentralisierung
Es brauche eine klare politische Richtung, die eindeutig für Labour stehe
und nicht versuche, anderen Parteien nachzueifern. Im Zentrum stünde dabei
eine Ausweitung der Dezentralisierung. In Anspielung auf den Brexitslogan
„Take Back Control“!“ sagte Burnham: „Jene, die von einer Wiedererlangung
der Macht gesprochen haben, waren genau jene, die sie den Menschen genommen
haben.“
Seine Regierung werde Macht an alle Regionen zurückgeben, damit Programme
für den Wohnungsbau, den öffentlichen Verkehr, den industriellen
Wiederaufbau und die Wiederbelebung verödeter Innenstädte besser greifen
könnten. Er sei eindeutig businessfreundlich, betonte Burnham und
versprach, dass er sich nie ändern werde. Er suche immer den Kontakt mit
der Basis, wo Gespräche etwa in einer Bäckerei oder in einem Pub ihn auf
neue Ideen brächten. Sein Motto sei: Labour für alle.
17 Jul 2026
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