# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn man der Nase nach in die Falle tappt
Die offenen Augen sind das eine beim Kräutersammeln im Wald, fast genauso
wichtig ist aber die Nase. So haben wir gelernt, dass zwischen den Fingern
zerriebene Nadeln der Douglasie nach Orange riechen, die der Fichte
hingegen nach Zitrone und Terpentin. Wovon man sich aber nicht täuschen
lassen sollte: Aus beiden lässt sich sehr schmackhafter Senf zubereiten.
In kulinarischen Fragen ist so eine Wanderung überhaupt sehr zu empfehlen.
Wo sonst bekäme man grüne Holunderkapern in Essig, Birkenzuckerbonbons oder
Schnaps aus zerstampften Zwetschgenkernen („falscher Amaretto“ in genau dem
richtigen Verhältnis von Blausäure und Alkohol) dargeboten?
Aber zurück zur Nase. Kann das wirklich diese unscheinbare Blüte sein, die
hier so sonderbar würzig riecht? Was ist das überhaupt? Riecht schweflig,
wie altes Ei. „Verdorbener Grünkohl“, meint eine, und alle lachen.
Angekündigt waren schließlich Melonennoten. „In der Ecke, da müsst ihr ein
bisschen vorsichtig sein“, ruft eine andere Teilnehmerin des
Bestimmungsspaziergangs plötzlich mit seichtem Schrecken in der Stimme zu
uns hinüber – „da hat der Hund vorhin hingeschissen!“ Jan-Paul Koopmann
1 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Jan-Paul Koopmann
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