# taz.de -- Die Wahrheit: Mad Dogs and Englishmen
       
       > Es ist mehr als sommerlich heiß in Irland und auf den Britischen Inseln.
       > Medial spielt allerdings die globale Erwärmung dort keine Rolle.
       
       Der Süden Europas steht in Flammen, und Met Éireann, Irlands
       meteorologisches Institut, hat die zweithöchste Hitzewarnstufe für die
       Grüne Insel ausgerufen. Der Wetterdienst warnt vor Höchsttemperaturen von
       über 27 Grad. In einigen Gegenden könnte das Thermometer sogar bis auf 30
       Grad klettern. Da der Ire an sich nicht hitzebeständig ist, könnte „die
       anhaltende Hitzeperiode den Komfort und die Sicherheit der Menschen
       beeinträchtigen“, heißt es in der Warnung.
       
       Wenn die Temperaturen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen auf über 25 Grad
       steigen, handelt es sich laut offizieller Definition um eine Hitzewelle.
       Aufgrund der Trockenheit wurde eine „Wassersparverordnung“, auch bekannt
       als „Schlauchverbot“, für sechs Wochen erlassen. Die Verordnung trat am
       Donnerstag eine Minute nach Mitternacht in Kraft. Zum selben Zeitpunkt
       schlug auch die Stunde der Denunzianten. Das Bewässerungsverbot umfasst
       nämlich eine Hotline, über die man Verstöße gegen das Verbot melden soll.
       Es drohen Bußgelder von 5.000 Euro.
       
       Auf der Nachbarinsel schwitzt man ebenfalls. In den meisten Medienberichten
       im Vereinigten Königreich über die rekordverdächtige Hitzewelle im Juni ist
       die Klimakrise aber nicht erwähnt worden. In den wichtigsten Tageszeitungen
       erschienen rund 2.500 Artikel über das extreme Wetter, doch drei Viertel
       davon vermieden jegliche Erwähnung der globalen Erwärmung, stellte die
       Energy and Climate Intelligence Unit (ECIU) fest.
       
       ## Essen mit den Fingern
       
       Die Sun belegte erwartungsgemäß den letzten Platz in der Rangliste. Die
       Financial Times schnitt am besten ab. An zweiter Stelle folgte der
       Guardian, bei dem etwa die Hälfte der Berichte über das Wetter einen Bezug
       zur Klimakrise herstellte. Das Blatt beklagte aber auch „eine Lockerung von
       Regeln und Normen“ aufgrund der Hitze. Mit den Fingern zu essen, werde
       plötzlich gutgeheißen, man sehe überall fast nackte Menschen und ein Bier
       am Flughafen um sechs Uhr morgens sei nichts Verwerfliches: „Das ist eine
       heiße, schwüle Mischung, die schnurstracks ins gesellschaftliche Chaos
       führt.“
       
       Deshalb veröffentlichte das Blatt einen Hitze-Knigge. Darin wurden Fragen
       beantwortet, die sich die Nation schon immer gestellt hatte: „Wann sollte
       ich meine Sonnenbrille abnehmen? Sind Shorts bei der Arbeit akzeptabel?
       Kann ich jemanden bitten, mir Sonnencreme auf den Rücken zu schmieren?
       Sollte ich einen Fremden zurechtweisen, wenn er seinen Hund in der
       Mittagshitze Gassi führt?“
       
       Letzteres sollte man nicht tun, wenn es sich um einen Engländer handelt.
       Schließlich hat sich Noël Coward schon 1931 über „Mad Dogs and Englishmen“
       lustig gemacht, die in der Mittagssonne spazieren gehen.
       
       Auch die wichtigste Frage beantwortet der Guardian: „Ist es langweilig,
       sich über die Hitze zu beschweren?“ Ja, das ist es, wenn man auf den
       normalerweise feucht-kühlen keltisch-britischen Inseln wohnt.
       
       20 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Irland
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Hitze
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Die Wahrheit: Sünder mit Persilschein
       
       Eine besondere Form des katholischen Ablasshandels kann auf der irischen
       Insel auch alkoholbedingt tragische Folgen nach sich ziehen.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Mittagessen für Weicheier
       
       Der gewesene britische Premier Keir Starmer ist nicht über ein Sandwich
       gestürzt. Aber als Fan dieser zweifelhaften Inseldelikatesse war er nahe
       dran.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Die Schlacht um die Schlacht
       
       In Nordirland hält sich noch immer unionistische Folklore als „Sieg“ des
       Protestantismus über den Katholizismus. Rund geht’s etwa in Dolly’s Brae …
       
 (DIR) Die Wahrheit: Unfreiwillige Passagiere
       
       Die Gastfreundschaft ist heilig in Irland, jedenfalls bis zu dem Punkt, an
       dem staatliche Abschiebungen durchgeführt werden.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Topfschlagen mit Regierungschefs
       
       Irland lässt sich die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Juli
       ordentlich was kosten – auch 27 Eiswagen und, ja, ein Clown sind dabei.