# taz.de -- Politischer Mord in Großbritannien: Jetzt doch ein möglicher Terrorakt
       
       > Die britische Polizei vollzieht einen Kurswechsel nach dem Mord an der
       > Politikerin Ann Widdecombe. Die Antiterrorpolizei übernimmt die
       > Ermittlungen.
       
 (IMG) Bild: Polizei bei der Spurensicherung am Samstag in der Nähe von Ann Widdecombes Haus auf Dartmoor, wo sie ermordet wurde
       
       Die britische Antiterrorpolizei hat die Ermittlungen zum [1][Mord an der
       britischen Politikerin Ann Widdecombe] übernommen. Zu der überraschenden
       Entwicklung kam es, nachdem „neue Informationen und neues Beweismaterial in
       einer dynamischen und komplexen Investigation“ ans Licht gekommen seien,
       sagte Labour-Innenministerin Shabana Mahmood am Montagnachmittag in einer
       [2][ministeriellen Erklärung vor dem Unterhaus].
       
       Ann Widdecombe, früher konservative Ministerin und zuletzt hochrangige
       Politikerin bei der rechtspopulistischen Partei Reform UK, war am
       vergangenen Donnerstag in ihrem Haus in einem Dorf in Devon ermordet
       aufgefunden worden. Ein tatverdächtiger 28 Jahre alter Mann, der am
       Wochenende bereits festgenommen und befragt wurde, ist nun am Montag ein
       zweites Mal festgenommen worden, diesmal wegen Verdachts der Ausübung,
       Vorbereitung oder Anstiftung zu einer terroristischen Straftat.
       
       In den sozialen Medien und Nachrichtenkanälen kursiert das Video einer
       Überwachungskamera eines Nachbarn des Mannes in seiner nordenglischen
       Heimatstadt Rotherham, welches ihn in Shorts und T-Shirts bekleidet in
       einen roten Kleinwagen einsteigend zeigt. Angeblich soll er dabei eine Art
       Holzstab mit sich führen. Demzufolge wäre er mit der möglichen Tatwaffe
       mehrere Hundert Kilometer durch England gefahren, um dann die 78-jährige
       Widdecombe zu überfallen und umzubringen. Somit wäre sie mit hoher
       Wahrscheinlichkeit Opfer eines gezielten Anschlags.
       
       Die britische Polizei hatte in den vergangenen Tagen wiederholt betont,
       dass für den Mord an Widdecombe keine terroristischen oder politischen
       Motive vorliegen würden, wobei unklar blieb, worauf sie diese Gewissheit
       stützte. Nun ist das anders. Die Innenministerin erklärte dem Unterhaus
       weiter, dass der Tatverdächtige bisher nicht der britischen
       Antiradikalisierungsbehörde Prevent bekannt war. Man werde so schnell wie
       möglich an dem Fall weiterarbeiten, sagte sie.
       
       ## Gespräche über Sicherheit von Politikern
       
       Widdecombe war Reform-UK-Sprecherin für Einwanderung und Justiz, aber ihre
       Zeit als gewählte konservative Unterhausabgeordnete und Ministerin liegen
       Jahrzehnte zurück. Innenministerin Mahmood gab an, dass die Regierung den
       Schutz ehemaliger Politiker:innen überprüfe. Sie wolle auch mit
       [3][Reform-UK-Chef Nigel Farage] Gespräche führen, wie man
       Politiker:innen seiner Partei besser schützen könne.
       
       Farage hat oft behauptet, dass der staatlich gewährte Schutz für
       Reform-UK-Politiker wie ihn selbst nicht ausreiche, weshalb er ein
       kontroverses Geldgeschenk des Kryptomilliardärs Christopher Harborne in
       Höhe von 5 Millionen Pfund privat für seine Sicherheit verwende.
       
       ## Irans Revolutionsgarden jetzt Terrororganisation
       
       Am selben Tag gab es noch mehr zum Thema Terrorismus. Innenministerin
       Mahmood erklärte, dass am Wochenende zwölf Personen an verschiedenen Orten
       in Großbritannien festgenommen worden seien, weil sie einen rechtsextremen
       Terrorangriff bei einer muslimischen Großveranstaltung, dem UK Ijtima, in
       Suffolk geplant hätten. Zum Schutz der Tausenden Anwesenden musste die
       Veranstaltung am Sonntag frühzeitig abgebrochen werden. Das habe dafür
       gesorgt, dass der Verlust von Menschenleben vermieden worden sei.
       
       Ebenfalls am Montag hat das britische Innenministerium die iranischen
       Revolutionsgarden (IRGC) als Terrororganisation eingestuft – im Vergleich
       zu den USA, Australien, Kanada [4][und der EU] etwas verspätet. Die IRGC
       gefährdeten die britische Sicherheit, hieß es zur Begründung. Ihre
       Unterstützung ist nun auch im Vereinigten Königreich illegal, mit einem
       Strafmaß von bis 14 Jahren Freiheitsentzug.
       
       Die Einstufung folgt auf zahlreiche Angriffe, versuchte Einschüchterungen
       und Morddrohungen, die mit der Revolutionsgarde in Verbindung stehen
       sollen. Der britische Geheimdienst MI5 hat mindestens 20 von Iran
       gesteuerte versuchte und potenziell tödliche Angriffe im vergangenen Jahr
       beobachten können. Ziel waren jüdische und israelische Personen und Gruppen
       sowie iranische Regimekritiker:innen.
       
       Zwei weitere Gruppen, das Freiwilligenkporps des russischen
       Militärgeheimdienstes und die mit IRGC verknüpfte Gruppe [5][Islamic
       Movement of Companions of the Right (IMCR)], wurden ebenfalls als die
       britische Sicherheit gefährdende Organisationen eingestuft. IMCR hat für
       Angriffe auf jüdische und israelische Personen und Einrichtungen
       Verantwortung übernommen, darunter der [6][Brandanschlag auf Krankenwagen
       des jüdischen Rettungsdienstes Hazola] im Londoner Stadtviertel Golders
       Green im März. Mahmood gab an, dass Russland und Iran „Proxys“ für ihre,
       wie sie sagte, dreckige Arbeit in Großbritannien einsetzten.
       
       14 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Mord-an-Politikerin-in-Grossbritannien/!6195444
 (DIR) [2] https://x.com/ShabanaMahmood/status/2076745695902531648
 (DIR) [3] /Rechtspopulisten-in-Grossbritannien/!6194361
 (DIR) [4] /Repressionen-in-Iran/!6149729
 (DIR) [5] /Neue-schiitische-Terrororganisation/!6165531
 (DIR) [6] /Anschlag-in-Grossbritannien/!6165124
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
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