# taz.de -- Briefe und Pakete in Deutschland: Zehntausende Beschwerden über Postdienstleister
       
       > Die Paketmengen steigen, die Menschen kaufen mehr Dinge im Netz. Bei so
       > mancher Sendung geht etwas schief – darüber sind viele Empfänger sauer.
       
 (IMG) Bild: Mit den Paketmengen steigen auch die Beschwerden
       
       dpa | Aus Frust über verlegte, verlorene oder beschädigte Briefe und Pakete
       haben Verbraucher [1][Zehntausende Beschwerden] bei einer Behörde
       eingereicht. Wie aus der Website der Bundesnetzagentur hervorgeht, gingen
       bei ihr im ersten Halbjahr 35.728 kritische Wortmeldungen beim sogenannten
       Mängelmelder ein. Im Vorjahreszeitraum hatte die Behörde 22.981 Beschwerden
       gezählt und damit so viele wie noch nie. Die Zahlen sind laut Netzagentur
       aber nicht vergleichbar, da sich die Methodik geändert hat.
       
       Die Beschwerden richten sich gegen alle Postdienstleister, in 87 Prozent
       der Fälle geht es um [2][den Marktführer Deutsche Post/DHL], der als
       einzige Firma sowohl Briefe als auch Pakete austrägt. Den Mängelmelder gibt
       es erst seit Herbst 2025. Die Website enthält Fragen mit
       Multiple-Choice-Antworten, bei denen Verbraucher sich einfach durchklicken
       und ihre Beschwerde nicht mehr in eigenen Worten ausformulieren müssen, wie
       es im alten System der Fall war.
       
       ## Die Post hält Beschwerdezahlen für „aufgebläht“
       
       Die Post argumentiert, dass durch das neue System die Hemmschwelle sinke
       und sich manch Verbraucher leichter tue mit der Eingabe subjektiv
       empfundener Mängel, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als
       unberechtigt erwiesen. Und manch neue Beschwerde wäre über das alte System
       vielleicht gar nicht eingereicht worden.
       
       „Der neue Mängelmelder bläht die Beschwerdestatistik auf und erweckt den
       Eindruck, die Postversorgung in Deutschland würde nicht funktionieren“,
       sagt ein Post-Sprecher. „Das ist falsch – im Gegenteil: Die Post in
       Deutschland funktioniert sehr gut.“ Der Anteil der Beschwerden, die bei der
       Post direkt eingehen, liege unverändert bei 0,003 Prozent der Menge an
       Briefen und Paketen.
       
       Eine andere Entwicklung stützt die Sichtweise der Post, dass die im
       Vergleich zu 2025 höhere Beschwerdezahl kein Hinweis auf ein größeres
       Problem ist. Denn es gibt keine „Hotspots“ mehr, also keine gehäuften
       Beschwerden aus einer Gegend. Solche Hotspots nahm die Netzagentur in der
       Vergangenheit als Anlass für Prüfverfahren, um die postalische Versorgung
       vor Ort genauer unter die Lupe zu nehmen.
       
       Die Logik dahinter: Trudelt nur eine Beschwerde aus einem Stadtteil ein, so
       kann das auch ein miesepetriger Verbraucher gewesen sein, der eine Mücke
       zum Elefanten macht. Sind es hingegen mehrere Beschwerden unterschiedlicher
       Menschen aus einem Stadtteil, so kann das ein Hinweis sein, dass wirklich
       etwas im Argen liegt. In der Vergangenheit räumte die Post nach solchen
       Anlassprüfungen mitunter ein, dass es vor Ort Personalengpässe gebe und sie
       diese nun beheben wolle. Im ersten Halbjahr gab es aber keine einzige
       Anlassprüfung der Netzagentur, im ersten Halbjahr 2025 waren es 8 gewesen.
       
       Der Anteil der Beschwerden an den gesamten Sendungsmengen in Deutschland
       ist verschwindend gering. Im vergangenen Jahr transportierte die Deutsche
       Post 13,3 Milliarden Briefe und Pakete in Deutschland, hinzu kamen noch die
       Sendungen der Wettbewerber. Allerdings dürften sich längst nicht alle
       Menschen, die sich über misslungene Postdienstleistungen ärgern, bei der
       Bundesnetzagentur beschweren. Der Inhalt einer Beschwerde wird nicht
       überprüft – sowohl im alten wie im neuen System.
       
       ## Politiker sieht neues Beschwerdesystem positiv
       
       Die Post weist zudem darauf hin, dass sich manche Beschwerden auf sie
       bezögen, tatsächlich aber anderen Firmen gelten. So landeten pro Jahr
       800.000 Fundbriefe im Netz der Deutschen Post. Das sind Briefe, die
       Wettbewerber falsch zugestellt haben und die anschließend von Privatleuten
       wieder in einen Briefkasten der Post geworfen werden, damit sich die Post
       um die verirrte Sendung kümmert.
       
       Die große Menge an Fundbriefen zeige, dass vielen Menschen gar nicht klar
       sei, dass solche Briefe nicht von der Post kommen, heißt es von dem Bonner
       Logistiker. Daraus schlussfolgert er, dass sich auch viele Beschwerden
       fälschlicherweise auf die Post beziehen.
       
       Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Roloff hat damit gerechnet, dass die
       Beschwerdezahlen mit Einführung des niedrigschwelligen Mängelmelders
       steigen. „Es ist gut, dass die vorher bestehende Dunkelziffer nun
       verkleinert wird und die Bundesnetzagentur schneller erkennt, ob es in
       bestimmten Regionen zu größeren Problemen kommt“, sagt der
       wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. „Unsere
       Erwartung bleibt, dass Mängel schnellstmöglich und konsequent abgestellt
       werden und eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Briefen und Paketen
       sichergestellt wird.“
       
       ## DPD mit zweitmeisten Beschwerden
       
       In der Beschwerdestatistik fällt auch die Paketfirma DPD negativ auf. Ihr
       Anteil an allen Beschwerden lag im ersten Halbjahr 2026 bei 4 bis 5 Prozent
       pro Monat. DPD ist deutlich kleiner als der Konkurrent DHL/Deutsche Post,
       zudem transportiert die Firma nur Pakete – würde man Beschwerden zu
       Briefen, Zeitungen und anderen Themen herausrechnen, so läge der
       DPD-Beschwerdeanteil wesentlich höher. Auf vergleichbare Paket-Konkurrenten
       wie Hermes und GLS entfallen weniger Beschwerden als auf DPD.
       
       Als Reaktion auf die Zahlen sagte ein DPD-Sprecher, seine Firma nehme die
       bei der Bundesnetzagentur eingehenden Beschwerden ernst. Es sei aber eine
       differenzierte Betrachtung wichtig. So sei der Anteil von Beschwerden, die
       bei DPD direkt eingehen, von 0,11 Prozent des Sendungsaufkommens 2024 auf
       0,09 Prozent 2025 gesunken. „Bei über 370 Millionen beförderten Paketen pro
       Jahr zeigt dies, dass die überwiegende Mehrheit unserer Zustellungen
       zuverlässig und zur Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden erfolgt.“
       
       Kein gutes Licht auf DPD warf unlängst eine TV-Doku des investigativen
       Reporterteams Wallraff bei RTL. Die Arbeitsbelastung bei den
       Subunternehmern, die für DPD unterwegs sind, wurde als extrem hoch und als
       „Knochenjob“ beschrieben. Außerdem verschickte das Reporterteam testweise
       50 Pakete mit Tassen, Weingläsern und Weinflaschen quer durch Deutschland,
       fast die Hälfte davon ging kaputt.
       
       DPD teilte mit, man überprüfe Hinweise auf mögliche Verstöße gegen
       gesetzliche Vorgaben oder eigene Standards. Sollten Missstände nicht
       abgestellt werden, werde die Zusammenarbeit mit den Systempartnern beendet.
       Mit Systempartnern sind Subunternehmer gemeint. Außerdem teilte DPD mit,
       dass „einige der erhobenen Vorwürfe und Darstellungen“ nicht der Realität
       entsprächen. Ein Firmensprecher lobte „das Engagement der vielen tausend
       Menschen bei DPD und unseren Partnerunternehmen, die jeden Tag
       verantwortungsvoll arbeiten“.
       
       12 Jul 2026
       
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