# taz.de -- Wer hier lebt und wer hier wählt
> Viele Menschen der ersten und zweiten Einwanderungsgeneration dürfen
> nicht wählen
Von Uta Schleiermacher
Deutschland wird zunehmend diverser – doch von den nach Deutschland
eingewanderten Menschen ist weniger als die Hälfte wahlberechtigt. Zur
letzten Bundestagswahl durften rund 7,1 Millionen Menschen mit
Einwanderungsgeschichte in Deutschland wählen, konkret gemeint sind
Menschen, die selbst neu nach Deutschland gekommen sind oder bei denen
mindestens ein Elternteil zugewandert ist. Ein Drittel dieser
Wähler*innen ist eingebürgert, die anderen haben die Staatsbürgerschaft
bereits mit der Geburt erworben.
Der [1][Mediendienst Integration hat diese Wählergruppe] im vergangenen
Jahr genauer untersucht. Ihm zufolge macht diese Gruppe 12 Prozent der
Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl 2025 aus. Gleichzeitig waren 10
Millionen Personen und damit fast 60 Prozent der volljährigen Menschen mit
Einwanderungsgeschichte bei dieser Wahl ausgeschlossen, sie durften also
weder wählen noch sich selbst zur Wahl stellen.
Unter den 7,1 Millionen Wahlberechtigten machten die Menschen mit
postsowjetischer Einwanderungsgeschichte mit rund 2,3 Millionen die größte
Gruppe aus, zu ihnen zählen unter anderem die sogenannten Spätaussiedler.
Die jüdischen Kontingentflüchtlinge fallen hier weniger ins Gewicht, sie
sind zahlenmäßig geringer und die meisten von ihnen haben nicht direkt die
Staatsbürgerschaft bekommen.
Rund 2 Millionen Menschen haben eine Einwanderungsgeschichte aus einem
EU-Land, und unter diesen hat mehr als die Hälfte einen direkten Bezug zu
Polen. Rund 1 Million Menschen stammen selbst aus der Türkei oder haben
mindestens ein türkeistämmiges Elternteil. Unter den Wahlberechtigten sind
außerdem rund 139.000 Menschen mit ukrainischer und rund 132.000 mit
syrischer Einwanderungsgeschichte.
Generell ist die Wahlbeteiligung in der untersuchten Gruppe laut
Mediendienst Integration deutlich niedriger als die der Gesamtbevölkerung.
Besonders niedrig ist sie demnach unter den [2][türkeistämmigen
Wähler*innen, die bei Befragungen dazu angaben, sich nicht genug zugehörig]
zu fühlen.
Die Wähler*innen mit Einwanderungsgeschichte bauen [3][einer Studie
zufolge auch seltener und langsamer eine Bindung zu einer bestimmten
Partei] auf. Der Mediendienst beobachtet dabei, dass die Parteienbindung
bei Wahlverhalten und Mitgliedschaften zuletzt generell schwächer geworden
ist.
Dabei bevorzugten Menschen mit postsowjetischer Einwanderungsgeschichte
eher die CDU/CSU und zeigten sich zunehmend auch empfänglich für die AfD.
Die Menschen mit Bezügen in die Türkei oder Südeuropa wählten bevorzugt die
SPD. Die Zustimmung zu den großen Parteien ging demnach auch unter diesen
Wähler*innen generell zurück, während Parteien wie die Linke und die
Grünen leicht an Zuspruch gewonnen konnten.
25 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://mediendienst-integration.de/news/wie-waehlen-menschen-mit-einwanderungsgeschichte/
(DIR) [2] /!6066719&SuchRahmen=Print
(DIR) [3] http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.821452.de/21-28-1.pdf
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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