# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn man auf einmal verrückt werden könnte
Eine erfreuliche Erscheinung!“, sagt die etwa 50-jährige Frau mit den
knallorangen Haaren und dem knallgrünen Rock zu mir, als ich sie frage,
ob sie Feuer für mich habe.
Ich schaue sie irritiert an. Die Zeit scheint kurz stillzustehen, bis sie
mir ein pinkfarbenes Feuerzeug in die Hand drückt und erklärt: „Ich meine,
dass du mir sehr sympathisch vorkommst.“ Die beiden Kumpel, die an diesem
Sonntag mit ihr vor dem Connewitzer Späti sitzen, Antifa-T-Shirts tragen
und rauchen, kichern. Ich bedanke mich und kehre zu meinem Tisch zurück,
ein paar Meter entfernt.
Kurz darauf steht die Frau mit den orangen Haaren wieder vor mir und hält
mir diesmal einen kleinen Stoffbeutel entgegen. „Nimm“, sagt sie. Ich
greife hinein und ziehe einen blauen Stein heraus, rund und so groß wie
eine Murmel. „Noch einen.“ Diesmal ist der Stein kleiner und
bernsteinfarben.
„Wenn das Leben verrückt spielt, kannst du mit ihnen spielen“, sagt sie.
„Aber Vorsicht, verlier die Steine nicht. Sonst könntest du selbst auf
einmal verrückt werden“, warnt sie mit erhobenem Zeigefinger. Dann lacht
sie laut und geht. Luciana Ferrando
25 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Luciana Ferrando
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