# taz.de -- Großer Umbau mit offenen Fragen
       
       > Der Kanzler nutzt den Rücktritt von Spahn, um in Kanzleramt und Regierung
       > umzuräumen. Doch die Baustellen sind größer als gedacht
       
 (IMG) Bild: Ob sich alle auf ihre neuen Jobs freuen? Philipp Amthor, Nina Warken, Friedrich Merz und Carsten Linnemann am Freitag in Berlin
       
       Von Sabine am Orde und Anna Lehmann
       
       Die Kulisse passte: Vor der Großbaustelle des Kanzleramtsneubaus
       präsentierte Friedrich Merz am Freitagmorgen sein teilerneuertes
       Regierungsteam. Neben den Kanzler postierten sich Gesundheitsministerin
       Nina Warken, die ins Kanzleramt wechseln soll, ihr designierter Nachfolger,
       CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, und Digitalstaatssekretär Philipp
       Amthor, der sich für Merz künftig um die Angelegenheiten von Bund und
       Ländern kümmern soll.
       
       „Die Personalveränderungen folgen einer klaren Vorgabe“, rahmte der Kanzler
       seinen Umbau: „Wir wollen eine Regierung, die inhaltlich mit größtem Elan
       und mit Freude arbeitet.“
       
       Es ist eine große Rochade, die Merz vornimmt, und eine Gleichung mit vielen
       Unbekannten. [1][Gesundheitsministerin Warken, die auch Vorsitzende der
       Frauen-Union ist], hat unter Merz eine steile Karriere hingelegt, er hatte
       die 47-jährige Baden-Württembergerin völlig überraschend zur
       Gesundheitsministerin gemacht. Warken hat eine Gesundheitssparreform mit
       beachtlicher sozialer Schieflage durchgeboxt und machte auf den letzten
       Metern noch Zugeständnisse an die Pharmaindustrie.
       
       Auf der Habenseite aber dürfte für Merz stehen: Die Frau hat geliefert.
       Warken werde in der täglichen Regierungsarbeit die wichtigste Stütze für
       ihn sein, sagte der Kanzler und betonte nicht ohne Stolz: „Mit ihr wird in
       das Bundeskanzleramt zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes eine
       Frau einziehen.“ Nun ja, auf der gleichen Etage residierte auch mal eine
       gewisse Angela Merkel, aber an sie erinnert sich Merz eh nicht so gern.
       
       Die künftige Chefin des Kanzleramtes nahm die Huldigungen sichtlich
       geschmeichelt entgegen. Als Leiterin des Amts sitzt sie am zentralen Pult
       im Maschinenraum der Macht. Eine derart komplexe und zugleich verschwiegene
       Aufgabe hatte Warken bislang nicht, [2][aber wie hatte sie zu Jahresbeginn
       im Interview mit der taz] gesagt: „Wenn man gefragt wird, dann muss man
       diese Chance ergreifen.“
       
       Der sonst so schneidig auftretende Linnemann zappelte sichtlich nervös mit
       den Fingern. Er soll Warken als Gesundheitsminister folgen. „Mir ist
       bewusst, dass das eine große Aufgabe ist.“ Linnemann, der als enger
       Vertrauter von Merz gilt, war bereits bei der Regierungsbildung 2025 als
       Arbeitsminister im Gespräch.
       
       Nun muss er mitten im Reformprozess in die Gesundheitspolitik einsteigen
       und eine Pflegereform auf den Weg bringen. Merz gab ihm fast schon
       ermahnend auf den Weg, für die weiteren Reformen brauche es einen Minister,
       der „standfest und reformwillig zugleich ist, auch im Gegenwind“.
       
       Auf einen weniger herausgehobenen, gleichwohl wichtigen Posten befördert
       Merz Philipp Amthor, der als Bund-Länder-Koordinator ins Kanzleramt
       wechseln wird. Amthor ist erst 33 Jahre alt, trägt aber einen so kauzigen
       Konservatismus mit Einstecktuch und Goldknöpfen vor sich her, als stände er
       kurz vor der Rente. Der Mann aus Mecklenburg-Vorpommern, der vor einigen
       Jahren [3][wegen eines Korruptionsskandals seine Kandidatur für den
       Landesvorsitz zurückzog], gilt vielen in der Partei als kluges politisches
       Talent.
       
       Merz kündigte weitere Veränderungen in der Regierung an. Nach
       übereinstimmenden Medienberichten soll auch der tatenlose Verkehrsminister
       Patrick Schnieder gehen, doch ein Nachfolger soll kurzfristig abgesagt
       haben. So verdampfte Merz’ geplanter großer Auftritt am Freitag
       unfreiwillig zur Work-in-Progress-Meldung.
       
       Den Wechsel von Thorsten Frei vom Kanzleramt zum Fraktionsvorsitz hatte
       Merz bereits verkündet, Frei soll am kommenden Mittwoch von der Union in
       einer Sondersitzung gewählt werden. Zuvor sollen die künftigen
       Minister:innen bereits ihre Ernennungsurkunden vom Bundespräsidenten
       erhalten, sie sind damit geschäftsführend im Amt.
       
       Als neue Generalsekretärin in der CDU-Zentrale ist Franziska Hoppermann im
       Gespräch. Wie Warken ist sie in der Frauen-Union aktiv. Für Montag ist eine
       Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus anberaumt.
       
       Nachfragen wollte Merz am Freitag nicht beantworten, stattdessen
       verabschiedete er sich zackig mit den Worten: „Vielen Dank, auf geht’s.“
       Immerhin hat der Kanzler einige offene Baustellen.
       
       25 Jul 2026
       
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