# taz.de -- Personalmangel an Schulen: Alt, älter, Lehrerkollegium
       
       > An Schulen herrscht Personalmangel. Die Altersstruktur der Lehrkräfte ist
       > dafür ungünstig. Die Ministerien bauen auf die Demografie.
       
 (IMG) Bild: Zum 1. August tritt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft und wird schrittweise für alle Grundschulklassen ausgebaut
       
       An den meisten Schulen im Land ist es gerade ruhig. Zwölf der 16
       Bundesländer sind schon in den Sommerferien. Doch spätestens in ein paar
       Wochen müssen sich die Schulleiter:innen wieder fragen, wie sie zum
       neuen Schuljahr alle Fächer abdecken können. Im vergangenen Jahr blieben
       bundesweit Tausende Stellen unbesetzt.
       
       Dass sich das in diesem Jahr wiederholen dürfte, legen [1][neue Daten zur
       Altersstruktur] der gut 752.000 Lehrkräfte in Deutschland nahe. Wie das
       Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, war zuletzt mehr als jede
       dritte Lehrkraft (rund 35 Prozent) über 50 Jahre alt. Besonders ungünstig
       ist die Altersstruktur im Osten. In Sachsen-Anhalt und
       Mecklenburg-Vorpommern ist rund jede zweite Lehrkraft über 50, in Thüringen
       oder Brandenburg sieht es nicht viel besser aus. Teils ist dort jede fünfte
       Lehrkraft über 60. Die wenigsten Lehrkräfte über 50 beschäftigen das
       Saarland und Bremen (je rund 30 Prozent).
       
       Die Altersstruktur unter Lehrer:innen ist einer der Gründe, warum den
       Schulen auch in den nächsten Jahren noch Tausende Fachkräfte fehlen werden.
       Nach den Prognosen der Bildungsministerkonferenz (BMK) kommen derzeit
       einfach nicht genügend „frische“ Lehrkräfte nach, um die
       Pensionierungswelle abzufedern. In den Jahren 2025 bis 2027 werden demnach
       insgesamt 3.000 Lehrkräfte weniger ausgebildet als nötig wären.
       
       Wobei der tatsächliche Bedarf viel höher liegt, weil die BMK-Berechnung
       nicht berücksichtigt, ob das verfügbare Personal auch tatsächlich in den
       Fächern, Regionen und Schulen unterrichtet, wo der Mangel groß ist.
       Nordrhein-Westfalens Schulministerin Dorothee Feller (CDU) beispielsweise
       sprach am Wochenende von mehr als 3.000 fehlenden
       Grundschullehrer:innen allein in ihrem Bundesland.
       
       Auch haben nicht alle Ministerien berechnet, dass zum 1. August der
       Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Kraft tritt und schrittweise für
       alle Grundschulklassen ausgebaut wird. Schätzungen zufolge werden allein
       dafür bundesweit rund 100.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt.
       
       ## Unbeliebte Maßnahmen
       
       Dazu kommt, dass die Schüler:innenzahlen zunächst weiter steigen und
       erst 2032 ihren Peak erreichen. Erst danach, so hoffen die Ministerien,
       entspannt sich die Lage aufgrund der sinkenden Geburtenzahlen. Das heißt
       aber: In den nächsten sechs Jahren muss eine alternde
       Lehrer:innenschaft nebenbei noch zusätzliche 600.000 Kinder und
       Jugendliche mitversorgen.
       
       Ob die Ministerien die Lücken wie bisher mit Quereinsteigenden füllen
       können, ist ungewiss. Deren Quote ist in den vergangenen Jahren stetig
       gestiegen. Im Schuljahr 2024/25 lag sie bundesweit bereits bei rund 11
       Prozent. Am meisten Lehrkräfte ohne offizielles Lehramtsstudium
       beschäftigten Brandenburg (26 Prozent), Thüringen und Sachsen-Anhalt (je 21
       Prozent) sowie Sachsen und Berlin (je 20 Prozent).
       
       Längst müssen die Länder zu weiteren – teils unbeliebte – Maßnahmen
       greifen, um die Unterrichtsabdeckung vor allem auf dem Land zu gewähren.
       Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) beispielsweise kündigte
       diese Woche an, über die Sommerferien die Versetzung von beamteten
       Lehrkräften an unterversorgte Schulen prüfen zu wollen. Auch andere Länder,
       darunter Nordrhein-Westfalen, schicken Lehrkräfte im Notfall dorthin, wo es
       brennt. Wieder andere reduzierten zuletzt die Möglichkeiten, in Teilzeit zu
       arbeiten, setzten das Sabbatjahr aus oder ordneten [2][wie Sachsen-Anhalt
       Mehrarbeit] an, die auf einem Stundenkonto gutgeschrieben wird.
       
       Selbst im traditionell gut versorgten Bayern verärgerte Kultusministerin
       Anna Stolz (Freie Wähler) Lehrerverbände zuletzt mit ihrem
       „Stellenmoratorium“. Also den Beschluss, trotz steigender
       Schüler:innenzahlen in diesem Jahr keine zusätzlichen Stellen zu
       schaffen. Wobei fraglich ist, was neue Stellen bringen, wenn auch der
       Freistaat längst nicht mehr alle ausgeschriebenen Stellen besetzen kann.
       
       8 Jul 2026
       
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