# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Eine Art Gottesbeweis
> Gianni Infantino fällt auf, dass allein wegen seines Namens niemand
> anderes Fifa-Chef werden konnte. Er ist Fan und Fußballgott zugleich.
(IMG) Bild: König Infantino bedankt sich bei all seinen Fans, die ihn anbeten
## 1. Juli
Heute habe ich mal [1][meine bisherigen Einträge zu dieser WM nachgelesen]
– in einem Rutsch. Ich lobe mich ja nur ungern, aber es ist wirklich episch
geworden. Das beste WM-Tagebuch, das ich jemals gelesen habe. Ich sollte es
einem größeren Publikum zugänglich machen. Ein Exemplar mit Goldschnitt
sollte [2][für das Fifa-Museum in Zürich] hergestellt und an einer Stelle
platziert werden, an der niemand vorbeikann. Ich selbst habe bei der
Lektüre noch einmal viel gelernt.
Aber ein kleiner Schönheitsfehler ist mir aufgefallen: Über die Fans bei
dieser Weltmeisterschaft habe ich nicht genug geschwärmt. Sie sind so
unglaublich, lieben den Fußball so bedingungslos, egal was er kostet. Es
ist fantastisch, und alle Stadien sind voll von diesen Fans. Schon beim
sechsten Sechzehntelfinale, es war das dramatischste sechste
Sechzehntelfinale der WM-Geschichte, haben wir einen neuen Rekord erreicht.
Wir haben [3][den fünfmillionsten Fan bei diesem Turnier im Stadion
begrüßt.] So viele hat es bislang bei keiner WM gegeben.
Wer gegen wen gespielt hat, weiß ich nicht mehr, aber das ist auch nicht so
wichtig. Diese WM ist für die Fans da. Und das dankbare Lächeln dieses Fans
werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Episch! Daran sieht man wieder:
Die Fans machen die WM erst zu einem unvergesslichen Erlebnis.
## Ein Name wie kein anderer
Und was mich besonders glücklich macht: Als Fifa-Präsident bin ich zugleich
der erste und größte Fan des Fußballs. Kürzlich ist mir in einer Trinkpause
etwas aufgefallen, das mich bis heute nicht mehr loslässt: Schon in meinem
Namen steckt das Wort Fan. Und außerdem das Wort Infant. In Spanien und
Portugal redete man so einst Prinzen, also künftige Könige an. Obendrein
ist auch das Wort fantastisch in meinem Namen angedeutet. Und nicht zuletzt
sind wirklich alle Buchstaben von diesem fantastischen Verband namens Fifa
in meinem Namen.
Es mag Zufälle geben, aber so viele Zufälle auf einmal? Unmöglich! Kann
sich irgendwer einen besseren Namen für einen Fifa-Präsidenten ausdenken?
Als Kind italienischer Einwanderer in der Schweiz haben mich meine Eltern
gelehrt, an den Erfolg harter Arbeit zu glauben. Diese braucht es gewiss
auch, um König des Fußballs zu werden.
Doch seitdem mir diese Sache mit meinem Namen aufgefallen ist, glaube ich
mehr denn je an Vorherbestimmung. Bevor mich irgendjemand wählen konnte,
war ich schon zu so einer Art Fußballgott auserwählt. Insofern konnte ich
gar nicht anders, als bei der Wahl mit den Stimmen etwas nachzuhelfen.
Gegen sein Schicksal sollte sich keiner wehren.
Meine Bescheidenheit verbietet mir leider, öffentlich darüber zu reden.
Umso wichtiger wäre dieses hoch private Büchlein mit Goldschnitt im Museum.
Der Titel des Tagebuchs könnte lauten: Infantino bei der WM 2026. Vom
fantastischen Fan zum Infanten, König und Fußballgott der Fifa. Ich freue
mich schon auf die Zeit nach dem Turnier.
2 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kolumne-Giannis-Welt/!t6185982
(DIR) [2] https://www.fifamuseum.com/de
(DIR) [3] https://inside.fifa.com/de/organisation/news/fuenfmillionste-fan-fussball-weltmeisterschaft-raphael-noufele-deschamps-doue
## AUTOREN
(DIR) Gianni Infantino
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