# taz.de -- was für eine woche: „Victoria Beckham weiß, dass man es diesem Publikum nicht recht machen kann“
Matthias Kalle
Offenbar gibt es sehr viele Menschen, die wissen, wie man sich während
eines Fußballspiels im Stadion zu verhalten hat, und diese Menschen haben
sich in den vergangenen Tagen auf Victoria Beckham gestürzt, weil sie beim
englischen Siegtor gegen Norwegen sitzen blieb, während die Männer um sie
herum alle verfügbaren Gliedmaßen in die Luft reckten.
Tja – als ob das schlimm wäre. Die Stadien waren während dieser WM so eine
Art Emotionsfabriken: Kameras suchten Gesichter, die lieferten – Jubel,
Tränen, Ekstase –, damit die Fernsehzuschauer was zu gucken hatten, wenn
der Ball mal nicht rollte. Victoria Beckham lieferte nicht. Seit dreißig
Jahren nicht. Und das ist nicht kalt, sondern konsequent. Wie entlarvend
die Empörung über sie war, zeigte das Halbfinale: Da jubelte sie beim
Führungstor, sprang auf, fiel ihrem Mann um den Hals – und prompt hieß es,
das sei jetzt aber alles gespielt.
Victoria Beckham weiß, dass man es diesem Publikum nicht recht machen kann.
Ihr unbewegtes Gesicht ist die Antwort auf eine Welt, die Gefühle nicht
sehen, sondern verwerten will.
Nach dem Abpfiff tröstete sie ihren weinenden Mann, einen ehemaligen
Fußballer.
18 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Matthias Kalle
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