# taz.de -- Film „Minions & Monster“: Anarchischer Sinn für Schabernack
> Im Animationsfilm „Minions & Monster“ geht es mit reichlich Chaos und
> Kauderwelsch zu. Diesmal ist Hollywood dran.
(IMG) Bild: In „Minions & Monster“ wollen die gelben Chaosstifter einen Monsterfilm drehen
Sie geben zwar Laute von sich – „Banana Lasagna!“ –, aber eigentlich waren
sie ihrem Wesen nach schon immer Stummfilmstars. Die Rede ist von den
Minions, den gelben, kegelartigen Figuren in blauen Latzhosen und mit
Taucherbrillen vor den (ein oder zwei) Augen. Ihre Komik ist situativ und
kommt ohne Worte aus. Ihr esperantohaft klingendes Kauderwelsch ist da am
witzigsten, wo es lautmalerischen Nonsens verbreitet: „Bello“ für Hallo und
„Poopaye“ für Tschüss. Was „Tulaliloo ti amo!“ heißen soll, versteht
sowieso jeder.
Man hätte vielleicht trotzdem gedacht, dass schon der Name – „Minion“ steht
im Englischen für „Gehilfe“ oder auch „Lakai“ – sie zum Dasein als ewige
„Sidekicks“, Nebendarsteller, verurteilt. Aber die Tatsache, dass
[1][„Minions & Monster“ nun schon der dritte Spielfilm mit ihnen im
Zentrum] ist, liefert den Gegenbeweis. Den es gar nicht gebraucht hätte,
denn in den vier „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen sorgten die
unberechenbaren Szenen mit den gelben Wusel-Monstern sowieso schon für die
wahren Highlights.
Was macht die Minions für Kinozuschauer allen Alters bloß so attraktiv?
Sicher, ihr befremdliches Aussehen lädt unmittelbar dazu ein, dass man sie
„vermenschlicht“, wie man das mit Zeichentrickfiguren, zumal aus dem Hause
Disney, so gewohnt ist. Dass die „Minions“ ausgesprochen weltfremd und
unpraktisch aussehen, sich aber mit umso größerem Eifer in ihre Projekte
stürzen, macht einfach gute Laune.
Hinzu kommt ihr ausgesprochen anarchischer Sinn für Schabernack – das
altmodische Wort passt einfach besonders gut – und eine hedonistische
Hingabe an den jeweiligen Moment, der regelmäßig den jeweiligen Filmplot
völlig vergessen lässt. Chaos regiert!
## Kein Respekt vor George Lucas
Das ist einmal mehr das Motto auch des jüngsten Films, der dieses Chaos nun
in einem Akt der Selbstbezüglichkeit nach Hollywood bringt. In einem
schönen visuellen Gag spult sich bereits das Universal-Logo am Anfang durch
die Filmgeschichte zurück in die Stummfilm-Ära, bevor in der eigentlich
überflüssigen Rahmenhandlung eine Schüler*innenschar durch ein Museum
geführt wird, in dem unter anderem „George Lucas“ hinter Glas als
Ausstellungsstück fungiert.
Den [2][„Star Wars“]-Erfinder behandelt die Museumsführerin respektlos – es
ist ein Witz, klar –, während sie die Bewunderung der Kids auf zwei Minions
namens „James und Henry“ lenkt. Und weil niemand diese Namen im Rahmen von
Hollywoodgeschichte je gehört hat, holt sie weit aus.
Es geht zurück zu den Ursprüngen. So sieht man die Minions in Verfolgung
ihres Ziels, einem Bösewicht zu dienen, erst durch diverse Mythen der
Menschheitsgeschichte tingeln. Aber sei es ein alles niedertrampelnder
Zentaur, eine herrische Mumie, ein despotischer Monarch oder ein mächtiger
Zauberer – sie werden sämtlich Opfer des minionesischen Übereifers, genauer
gesagt zweier Individuen, nämlich James und Henry.
Von ihren fleißigen Stammesgesellen heben diese zwei sich als sympathische
Klassenclowns ab. Mal um Mal stecken sie die Köpfe zusammen, kichern und
sorgen meist unfreiwilligerweise dafür, dass die Mumie sich auswickelt und
als Skelett zusammenbricht oder der Monarch den Kopf unter die eigene
Guillotine steckt.
## Minions als Westernhelden
Irgendwann, James und Henry scheinen kurz davor, aus ihrem Stamm
ausgeschlossen zu werden, kommen sie dann in Hollywood an. Besser gesagt,
die crashen den Dreh eines Western, wobei sie es zunächst auf einen ihnen
besonders attraktiv scheinenden Bösewicht abgesehen haben, nämlich einen
maskierten Zugräuber. Dass die Minions ihn entdecken, ist natürlich sein
Untergang und damit auch das Unglück von Regisseur Max, dessen Dreharbeiten
die Invasion der gelben Männchen völlig aus der Spur bringt.
Aber wie es der Zufall will, gefallen die Chaos-Szenen den dickleibigen
Filmproduzenten gerade besonders gut, und so werden die Minions zu
Kinostars, so klassisch, dass sie wie ihre legendären Kollegen am Übergang
zum Tonfilm fast scheitern. Aber James – oder war es Henry? – hat die
Vision, als Regisseur eines Monsterfilms groß rauszukommen, und so zitieren
sie alte Bekannte herbei, mit wie üblich nicht absehbaren Folgen.
In der ersten Hälfte ist „Minions & Monster“ ein wilder Ritt durch die
Filmgeschichte, in dem einschlägige Szenen wie Harold Lloyd an der Uhr,
Charlie Chaplin am Fließband oder Buster Keaton unter der fallenden
Häuserwand liebevoll nachgestaltet werden. Von Film noir bis
Science-Fiction, von Orson Welles bis Federico Fellini wimmelt es nur so
von Anspielungen, ganz ohne Rücksicht auf das jüngere Publikum, das in der
umtriebigen Monsterjagd in der zweiten Filmhälfte dafür besser auf seine
Kosten kommen dürfte.
Irgendwann löst sich die Handlung völlig in Einzelnummern auf; sie war aber
sowieso schon Nebensache. Man könnte dem Film vorwerfen, dass er von allem
zu viel bietet: zu viele Einfälle, zu viele Minions, zu viel Chaos. Aber
das wäre dann doch sehr kleinlich.
1 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Schweizerhof
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