# taz.de -- Männer-Manifest der Grünen: Die Soja-Sören-Sackgasse
       
       > Die Grünen haben ein Männer-Manifest vorgelegt. Besser wäre, sie würden
       > gute Politik für junge Menschen machen. Dann klappts auch mit den Jungs!
       
 (IMG) Bild: Pumpen für die Generationengerechtigkeit? Ja, macht halt!
       
       Das Männer-Manifest der Grünen macht gerade im Netz die Runde. Zunächst lag
       es nur dem Spiegel vor, dann veröffentlichte der Focus es in Gänze.
       Unterzeichnet von neun Männern und vier Frauen, darunter die
       Parteivorsitzende Franziska Brantner sowie Ricarda Lang, kreist es
       inhaltlich um die Frage, was Männlichkeit abseits von Gewalt, Dominanz oder
       Unterdrückung bedeuten könne. Der Text möchte zu einem offenen
       Brainstorming einladen und ein Vakuum füllen, wobei nach solchen Phrasen in
       dem Manifest unklar bleibt, mit was genau. This does not smell like teen
       spirit.
       
       Schaut man sich die [1][Wählerwanderung der 18- bis 24-Jährigen,] also von
       denen, die 2021 noch den Grünen und der FDP ihre Stimme gegeben haben, dann
       sieht man, dass junge Frauen jetzt eher links und junge Männer eher rechts
       wählen. Der Grund dafür ist, dass die Parteien ihre Versprechen, sich für
       bessere Bildung, Digitalisierung und junge Themen einzusetzen, nicht
       eingelöst haben und auch jetzt in der Opposition zu wenig Haltung spürbar
       ist.
       
       Geschweige denn können sie der jungen Generation in Zeiten des sozialen
       Abbaus, der Jugendarbeitslosigkeit und von Kriegen eine Orientierung geben.
       Gesellschaftliche Unsicherheiten führen zusätzlich, dass sich Menschen an
       dem festhalten, was ihnen Halt gibt: Nation, Religion oder eben das
       Geschlecht. Was soll also ein Teenager, der versucht, ein guter Mann zu
       werden, machen? Parteichef [2][Felix Banaszak] versuchte sich [3][im
       Playboy] an einer Definition: „Du kannst im Fitnessstudio pumpen gehen oder
       dir die Fingernägel lackieren. Alles fein, der zentrale Punkt ist doch: Sei
       kein Arschloch!“
       
       Wie die Gegenseite das Thema Männlichkeit bespielt, kann man seit
       vergangener Woche in einem Videointerview von „The Pioneer“ mit dem
       AfD-Politiker Maximilian Krah sehen. Dort konnte der Politiker und
       [4][SS-Versteher], gegen den wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und
       Geldwäsche im Zusammenhang mit chinesischen Zahlungen ermittelt wird,
       ausführlich die Social-Media-Strategie seiner Tiktok-Polemik „Echte Männer
       sind rechts“ ausrollen.
       
       ## Was Krah schafft
       
       Denn Krah gibt dem jungen Mann schon seit Jahren eine simple Orientierung:
       Sport machen, anecken, Verantwortung übernehmen. „Dann klappt es mit der
       Freundin.“ Bei „The Pioneer“ betont er noch einmal, dass ihm „AMG-Erkans
       lieber sind als Soja-Sörens“. Krah schafft es, mit Life-Coaching-Tipps
       einen Zugang zum Feed junger Männer zu finden, und spricht sogar junge
       Männer mit Migrationshintergrund an. Dabei hat die AfD, wie ein Blick auf
       ihr Wahlprogramm zeigt, jungen Männern (und auch Frauen) absolut gar nichts
       zu bieten.
       
       Das brauchen sie anscheinend auch nicht, wenn es jetzt in diesem Fall die
       Grünen es ihnen leicht machen und mit ihrem Manifest versuchen, Krah zu
       kopieren. Dabei liegen sie aber hinter der AfD zurück. Und Orientierung im
       Leben geben sie dem „jungen Mann“, den sie zurückgewinnen wollen, auch noch
       nicht.
       
       Wer als junger Mann merkt, dass er durch die Allgegenwärtigkeit
       pornografischer Inhalte im Internet ein ungesundes Verhältnis zu Frauen
       entwickelt und eine zerstörerische Pornosucht hat, findet im
       deutschsprachigen liberal-grünen Kosmos keine Exitstrategie aus der
       [5][„Fapping Culture“], sondern landet in seinem Feed unweigerlich bei
       christlich- oder muslimisch-fundamentalistischen Content-Creatorn oder eben
       bei Krah, der auf Tiktok väterlich rät: „Schau keine Pornos.“ Jeder junge
       Mann, der sich für Fitness und gesunde Ernährung interessiert, landet eher
       auf Accounts, die einen schleichend in die [6][rechte Manosphere] abdriften
       lassen und ein seltsames Frauen- und Weltbild vermitteln wollen. Stichwort:
       gesunde [7][Gottesnahrung.]
       
       In ihrem Manifest thematisieren die Grünen, dass Männer häufiger Suizid
       begehen und seltener über mentale Krisen reden. Doch als junger Mann kann
       man keine kostenlosen Therapieplätze herbeizaubern, die Politik aber eher
       schon. Jetzt kann man aber sogar zuschauen, wie CDU/CSU und SPD im
       Schnelldurchlauf an der Psychotherapie sparen wollen. Dass die Grünen mit
       einem Eilantrag beim Verfassungsgericht gegen die Gesundheitsreform
       vorgehen, ist ein Punkt, mit dem sie bei jungen Wähler:innen punkten
       könnten, falls sie dort Erfolg haben.
       
       Junge Menschen wünschen sich keine Politiker:innen, die sich wie ein
       altgewordener Lasse Halisch verhalten, sondern Politiker:innen, die
       Konzepte einbringen und in den Ämtern, die sie haben, nicht zulassen, dass
       die Zukunft der Jugend kaputtgespart wird. Die solide Oppositionsarbeit
       leisten und Orientierung geben. Dann wird es auch was mit dem Brainstormen
       über Männlichkeit.
       
       11 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2025-02-23-BT-DE/umfrage-alter.shtml
 (DIR) [2] /Maennerpolitik/!6176123
 (DIR) [3] https://www.playboy.de/stories/felix-banaszak-gruenen-chef-playboy-interview
 (DIR) [4] https://www.tagesschau.de/inland/bundestagswahl/afd-fraktion-krah-helferich-100.html
 (DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/NoFap
 (DIR) [6] /Doku-ueber-Maenner/!6109090
 (DIR) [7] https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/ernaehrung/warum-der-ernaehrungstrend-gottes-nahrung-gefaehrlich-sein-kann-1351719.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jean Dumler
       
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