# taz.de -- herzensort: Zugang zu einer anderen Welt
Meine Heimat Basel war einst eine bedeutende Industriestadt. Das äußert
sich unter anderem in der Architektur des Hauses, in dem ich geboren wurde:
Toilette im Flur, Dusche in der Küche, Backstein. Doch es gibt in Basel
auch gutbürgerliche Gegenden. Dort lag das in die Jahre gekommene Haus der
Großmutter einer Freundin. Vom Wintergarten aus blickten wir in den
verwilderten Garten und streiften durch unbewohnte Zimmer, in denen sich
eine dicke Staubschicht auf den Möbeln absetzte.
Das Schönste aber war ein Geheimzimmer im Eingangsbereich. Versteckt, so
meine ich mich zu erinnern, hinter einem Schrank. Und nur durch diesen zu
erreichen. Einst für Dienstbot:innen gedacht, wurde es unser Geheimnis,
unser Zugang zu einer anderen Welt, unser Narnia in echt.
Heute gehört das Haus einer anderen Familie. Und obwohl ich das weiß, reizt
es mich beim Vorbeigehen, die fremde Klingel zu drücken, an den
Besitzer:innen vorbeizuschleichen und ins geheime Kämmerchen
hineinzuhuschen. Dann würde ich in unsere einstige Fantasiewelt abtauchen,
in der wir so viele schöne Stunden verbracht haben. Rahel Bueb
11 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Rahel Bueb
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