# taz.de -- „Die meisten Dorfbewohner*innen lassen die Jalousien runter“
Schnellroda ist ein kleines Dorf im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Dort
wohnt der selbst ernannte neurechte Vordenker Götz Kubitschek mit Familie.
[1][Sein Institut für Staatspolitik (IfS)] hatte dort seinen Sitz.
In Schnellroda [2][ist alles klar]. Es gibt das Rittergut von Götz
Kubitschek und einen Gasthof, in dem seine Gäste sich treffen und ein paar
Wohnhäuser – und dann kommen wir.
Bevor wir 2016 das erste Mal demonstriert haben, hat Kubitschek noch dazu
aufgerufen, Schnellroda zu verteidigen. Er hat Bauzäune ums Dorf gestellt.
Für Kubitschek war es so: Auf der einen Seite das ganz normale Dorf, er und
seine Nachbarn, auf der anderen die Städter, die im Reisebus ankommen, alle
gekauft, die da überhaupt nicht hingehören.
In Wahrheit ist es so: Es ist er, der den Ort benutzt und bis zu 600
Rechtsextreme einlädt. Darunter sind Leute wie Martin Sellner aus Wien und
von der Neonazigruppe Junge Tat aus der Schweiz.
Wenn wir zum Gegenprotest aufrufen, steigen 60 szenemäßig angezogene Leute
aus Halle aus dem Reisebus aus, aber auf der Demo kombiniert sich das mit
dem Opa und seinem Enkel aus der Region. Das finde ich schön.
Im Dorf gab es lange nur zwei Familien, die sich getraut haben, sich
dagegen zu positionieren, die zu unseren Demos und Veranstaltungen kamen.
Kubitschek hat sie öffentlich geoutet, bedroht und beleidigt, eine Familie
ist inzwischen weggezogen.
Die meisten Dorfbewohner*innen lassen die Jalousien runter, wenn wir
kommen. Von einigen werden wir angepöbelt. Es gibt Leute im Dorf, die zwar
nicht rechtsradikal sind, aber auch nicht mit unserem Ansinnen
sympathisieren. Sie finden uns scheiße und die Rechten in Ordnung. Die 50
Prozent für die AfD im Saalekreis müssen ja auch irgendwo herkommen.
Wir haben lange alle Dorfbewohner*innen mit Zetteln im Briefkasten
eingeladen, damit aber irgendwann aufgehört. Es wäre toll, wenn es eine
Organisation im Ort gäbe, die sich gegen das IfS stellt. Aber man muss auch
sehen, dass Angst eine Rolle spielt.
Wir haben in Schnellroda einen politischen Konflikt, der über
lebensweltliche Fragen von Stadt und Land hinausgeht. Das IfS beansprucht,
die Machtübernahme der AfD zu planen. Deswegen ist es wichtig, aus der
Stadt nach Schnellroda zu fahren, um diese politische Bruchlinie
aufzuzeigen. Man kann das nicht den Menschen in den umliegenden Dörfern und
Städten überlassen, eigentlich sollten Menschen von viel weiter weg kommen!
Kubitschek kommt aus Ravensburg und hat in Hannover studiert. Die Antifa
Hannover könnte auch mal vorbeikommen.
Lukas Wanke, 33, vom Kollektiv IfS Dichtmachen aus Halle (Saale), das
Menschen aus den umliegenden Städten nach Schnellroda mobilisiert. Am 11.
Juli [3][protestiert IfS Dichtmachen gegen Kubitscheks „Sommerfest“]
4 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /!6007332&SuchRahmen=Print
(DIR) [2] /!6150355&SuchRahmen=Print
(DIR) [3] https://knack.news/16612
## AUTOREN
(DIR) Amira Klute
## ARTIKEL ZUM THEMA