# taz.de -- Ukraine-Wiederaufbaukonferenz: Wolodymyr Selenskyj sagt Teilnahme an Konferenz in Polen ab
       
       > Wegen des Streits über eine Armee-Einheit sind die polnisch-ukrainischen
       > Beziehungen angespannt. Für die Ukraine fährt Regierungschefin Julia
       > Swyrydenko nach Gdańsk.
       
 (IMG) Bild: Die ukrainsiche Regierungschefin Julia Swyrydenko fährt nach Gdańsk zur Wiederaufbaukonferenz. Wolodymyr Selenskyj bleibt zu Hause
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird nicht nach Gdańsk zur
       diesjährigen Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine reisen. Die
       internationale Plattform zur Koordinierung der Bemühungen um den
       Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg [1][findet bereits das fünfte Jahr
       in Folge statt]. Bisher hatte der ukrainische Präsident an allen diesen
       Konferenzen teilgenommen, 2022 und 2023 allerdings nur per Videoschalte.
       
       Die ukrainische Delegation wird von Regierungschefin Julia Swyrydenko
       geleitet werden, zitiert die ukrainische Medienplattform New Voice Heorhij
       Tychyj vom ukrainischen Außenministerium. „Die Entscheidung, dass die
       Ministerpräsidentin in diesem Jahr die ukrainische Delegation anführt, ist
       absolut richtig. Sie soll dazu beitragen, dass die Konferenz auf die
       wirtschaftlichen und praktischen Aspekte des Wiederaufbaus fokussiert
       bleibt – ohne unnötige Politisierung und ohne Skandale“, sagte Tychyj.
       
       Nachdem Präsident Selenskyj eine Armeeeinheit nach Kämpfern der
       Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA), einer Partisanengruppe, die zwischen
       1942 und ca. 1956 existierte, benannt hatte, [2][hatte der polnische
       Präsident Karol Nawrocki aus Wut über diese Entscheidung Selenskyj einen
       Orden entzogen]. Für viele Polen sind die Kämpfer der UPA Verbrecher, wird
       ihnen doch [3][der Mord an Zehntausenden Polen in der heutigen Westukraine]
       im 2. Weltkrieg angelastet.
       
       ## Unterschiedliche Meinungen in der ukrainischen Presse
       
       Auch die ukrainische Oppositionspolitikerin Solomija Bobrowska von der
       Partei Holos hält die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, nicht
       nach Gdańsk zu reisen, für richtig. Dies sei ein pragmatischer Schritt
       [4][zur Entschärfung der angespannten Beziehungen zwischen Kyjiw und
       Warschau]. Die Veranstaltung, so Bobrowska auf Facebook, sei nun mal als
       Regierungskonferenz konzipiert. So werde die Gastgeberseite durch den
       polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und eben nicht durch den
       Präsidenten vertreten.
       
       Deswegen sei es nur folgerichtig, dass die Ukraine ebenfalls auf
       Regierungsebene durch Ministerpräsidentin Swyrydenko repräsentiert werde.
       Vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen mit dem polnischen Präsidenten
       Karol Nawrocki hätte ein Auftritt Selenskyjs in Gdańsk nach Ansicht
       Bobrowskas weitere Kontroversen auslösen können.
       
       Ganz anderer Meinung ist die Ukrajinska Prawda, die in einem ausführlichen
       Editorial erklärt, warum Selenskyj nach Danzig hätte fahren sollen. Der
       polnische Premier Donald Tusk, so argumentiert das Portal, sei im Gegensatz
       zu Präsident Nawrocki ein Freund der Ukraine. Die Konferenz in Gdańsk sei
       sein Anliegen. Ein Misserfolg dieser Konferenz werde so auch ein Schlag für
       Tusk werden. Für die Ukraine sei es gerade jetzt wichtig, diejenigen Kräfte
       in Polen zu unterstützen, die der Ukraine wohlgesinnt seien.
       
       Wenn die Ukraine jetzt ihre Freunde in Polen hängenlasse, spiele sie den
       ukrainephoben Kräften in Polen in die Hände. Selenskyj müsse unbedingt nach
       Danzig reisen und auch um ein Gespräch mit Nawrocki, der ja noch bis 2030
       im Amt sei, ersuchen. Gerade in schwierigen Zeiten, so das Editorial, führe
       kein Weg am Gespräch und an der Suche nach einem gemeinsamen Nenner vorbei.
       
       ## Ukrainischer Konflikt mit Belarus
       
       Unterdessen bahnt sich ein neuer Konflikt in den [5][Beziehungen der
       Ukraine zu Belarus] an. Am Freitag vergangener Woche hatte Präsident
       Wolodymyr Selenskyj Belarus ultimativ aufgefordert, innerhalb einer Woche
       technische Anlagen zu entfernen, die nach ukrainischen Angaben russische
       Drohnenangriffe auf ukrainisches Territorium unterstützen. Er forderte
       Belarus auf, die Einrichtungen innerhalb einer Woche abzubauen. Andernfalls
       werde die Ukraine selbst Maßnahmen ergreifen. Selenskyjs Ultimatum an
       Belarus läuft an diesem Freitag aus.
       
       24 Jun 2026
       
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