# taz.de -- Heiße Tage und Tropennächte: Pech gehabt
> Durch heiße Sommer sind in den vergangenen Jahren mehr Menschen gestorben
> als im Verkehr. Aber für Hitzeschutz machen die Länder kein Geld locker.
(IMG) Bild: Fächern gegen die Hitze
Um die Entwicklung zu beschreiben, führte der Deutsche Wetterdienst zuerst
den Fachbegriff „Heiße Tage“ ein: Tage, an denen das Thermometer die
30-Grad-Marke übersteigt. Seit den 1950er Jahren hat sich diese Zahl in
Deutschland verdreifacht. Danach kamen die „Tropennächte“ hinzu, in denen
sich die Luft nicht mehr unter 20 Grad abkühlt. Neuerdings benutzen die
Meteorologen den Begriff „Wüstentag“ – und zwar dann, wenn es wärmer als 35
Grad wird: Die menschengemachte Erderwärmung sorgt eben nicht nur dafür,
dass es im Durchschnitt immer wärmer wird, auch die [1][Spitzentemperaturen
steigen immer weiter] an. 40 Grad in Hamburg, wie im Juli 2022 gemessen,
werden künftig keine Ausnahme mehr sein.
Die menschliche Körpertemperatur liegt bei 37 Grad, ab etwa 35 Grad
Umgebungstemperatur fällt es uns schwer, den Körper runter zu kühlen. Hitze
ist tödlich, in den vergangenen heißen Jahren starben in der Bundesrepublik
mehr Menschen an hohen Temperaturen als im Straßenverkehr. Vor allem
[2][Alte, Vorerkrankte, Kleinkinder gelten als Risikogruppe]. Und hier wird
es absurd: Während der Staat jedes Jahr Milliarden in die
Verkehrssicherheit investiert, fehlt bei der Vorsorge gegen den Hitzetod
Geld.
[3][Hitzeschutz ist im föderalen Deutschland Ländersache], einen
bundeseinheitlichen Plan gibt es nicht. Die Bundesländer aber scheuen sich,
neue Pflichtaufgaben zu verteilen: Sie müssten den Kommunen dafür
entsprechende Mittel zur Verfügung stellen, Geld, das in den Länderkassen
fehlt. Hitzeschutz wird so zu einer Frage des lokalen Willens. Wer in Köln,
Erfurt, Mannheim, Berlin-Marzahn wohnt, hat Glück: Dort gibt es ein
personalaufwendiges Hitzetelefon. Gefährdete können sich anmelden, werden
mit Trinkwasser versorgt und beraten, beispielsweise darüber, wie sie die
Dosierung von Medikamenten bei Hitze ändern müssen.
Andernorts haben die Menschen Pech: Dort gibt es allenfalls Flyer, in denen
lapidar darauf hinweisen wird, bei Hitze viel zu trinken. In der Hauptstadt
lautet die Überschrift: „Hitzewelle? Berlin bleibt cool.“ Es ist zum
Verrücktwerden!
18 Jun 2026
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(DIR) Nick Reimer
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