# taz.de -- taz-Chefredakteurin über taz zahl ich: Alle für eine
       
       > Viele Webseiten liegen mittlerweile hinter einer Paywall – einzelne Texte
       > werden zur Lockfalle für Abos. Warum wir uns bei der taz nicht von
       > Klickzahlen leiten lassen müssen.
       
 (IMG) Bild: Wenn viele sich beteiligen, können alle kostenfrei lesen
       
       [1][taz zahl ich] | Haben Sie „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas
       gelesen? Ich nicht. Aber ich kenne den Spruch „Alle für einen, einer für
       alle“. Er steht für mich synonym für taz zahl ich, denn darin steckt das
       Festhalten an Werten und die Bereitschaft, für diese einzustehen.
       
       Unsere Leser*innen unterstützen uns nicht wegen eines einzelnen
       Artikels. Oder weil sie uns immer zustimmen. Einer schrieb sogar: „Gehen
       Sie mir bitte schön weiter hemmungslos auf die Nerven und pieken Sie ab und
       an in meine Filterblase. Zur Beruhigung lese ich danach was anderes.“
       
       Unsere Leser*innen unterstützen uns, weil sie unseren solidarischen,
       demokratischen und ökologisch bewussten Journalismus in seiner Gesamtheit
       fördern möchten. Also alles. Und Einzelne zahlen, damit dieser Journalismus
       für alle frei zugänglich bleibt.
       
       Jemand schrieb: „Ich zahle monatlich einen sehr humanen Preis, auch wenn
       ich manchmal gar nicht zum Lesen komme. Andere tun es dann für mich. Und
       das macht mich froh.“ Dieses solidarische Prinzip ermöglicht den
       taz-Journalismus inmitten der globalen Verschiebung nach rechts.
       
       ## Frei von Konzerninteressen
       
       Wir formulieren die zentrale linke Stimme in der deutschen Medienlandschaft
       in unterschiedlicher Lautstärke. Mal als scharfer, tagesaktueller Kommentar
       zu den [2][Rentenplänen der Regierung]. Mal als alarmierende
       Investigativrecherche zu den [3][geheimen Treffen einer rechtsextremen
       Gruppierung], mal als nachdenkliche Erinnerung an die [4][ersten Schwarzen
       Studentinnen an der Pariser Sorbonne].
       
       Dass wir unsere Themen unabhängig wählen können, liegt an der
       Konzernunabhängigkeit, die uns unsere Genossenschaft ermöglicht. Wir müssen
       keine Profite erwirtschaften – was am besten mit anzeigenfreundlichem
       Journalismus funktioniert. taz zahl ich wiederum bewahrt uns vor einer
       großen Gefahr, mit der die meisten anderen Redaktionen noch umzugehen
       lernen müssen.
       
       Die meisten Artikel der regionalen und überregionalen Webseiten liegen
       mittlerweile hinter einer Paywall. Während wir immer für unseren
       Journalismus im Ganzen werben können, müssen woanders einzelne Artikel bei
       Leser*innen das starke Bedürfnis entwickeln, diesen einen Text unbedingt
       lesen zu wollen – damit die Leser*innen genau in diesem Moment ein
       Probabo abschließen.
       
       Innerhalb der Redaktionen gelten entsprechend Artikel als nachahmenswert,
       die besonders viele solcher Abos generieren. Gerade erst hörte ich, dass in
       einer Redaktion sogar Vertreter externer Analyseunternehmen in die
       Konferenz kommen und empfehlen, welche Themen als nächstes folgen sollten –
       weil ihre Daten ergeben haben, dass bestimmte Inhalte besonders viele Abos
       auslösen.
       
       Als Leser*in finden Sie deshalb mittlerweile verlässlich auf den
       Startseiten von Spiegel, Süddeutsche oder Zeit alle möglichen
       Beziehungsthemen. An einem gewöhnlichen Montag: ein Text für Menschen über
       50, die mehr Lust bekommen wollen. Ein Text über Paare, die in der
       Beziehung mit Gefühlen aus der Kindheit kämpfen. Oder das Protokoll eines
       Mannes, der mit seiner handysüchtigen Freundin „abrechnet“.
       
       ## Mehr als Klicks
       
       Natürlich machen all diese Medien auch hochgradig relevanten, präzise
       recherchierten Journalismus. Und doch erscheint es mir gefährlich, einzelne
       Texte zur Lockfalle für Abos zu machen. Es ist die negative Verkehrung des
       Prinzips „Einer für alle“ und folgt keinem Wert, sondern dient dem
       Geldverdienen.
       
       Es ist gut, dass Journalist*innen durch die Digitalität gezwungen sind,
       sich über ihre Leser*innen und deren Interessen Gedanken zu machen. Aber
       natürlich darf sich Journalismus nicht von Klickzahlen treiben lassen,
       dafür sind sie viel zu ungenau. Vielleicht lief ein Text einfach nur nicht
       gut, weil die These nicht deutlich wurde, die Sonne schien oder leider die
       Social-Media-Redakteurin krank wurde, die dazu ein Video produzieren
       wollte.
       
       Ich bin dankbar, dass wir Artikel nicht nach ihrem Potenzial messen müssen,
       Abos zu generieren. Stattdessen erscheint all unser Journalismus unter dem
       Dach taz. Alle für eine. Und ich bin dankbar, dass wir jeden einzelnen Text
       in dem Wissen schreiben können, dass alle, die ihn lesen wollen, dies auch
       können, weil Einzelne dafür zahlen. Eine*r für alle.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /taz-zahl-ich/unser-solidarmodell/!v=89a68133-aa34-42d3-9f80-01ebd7e1738b/
 (DIR) [2] /Rente/!t5010325
 (DIR) [3] /Voelkische-Gruppe-indoktriniert-Kinder/!6186647
 (DIR) [4] /Der-Beginn-der-Negritude/!6185294
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Gottschalk
       
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