# taz.de -- Torhüterlegende Guillermo Ochoa: Der mexikanische Jesus
       
       > Mexikos Kulttorwart Guillermo Ochoa bestreitet seine letzte
       > Weltmeisterschaft. Ein Spiel bei der WM 2014 machte ihn unsterblich.
       
 (IMG) Bild: Und noch ein Länderspiel: Ochoa bei einem Einsatz gegen Australien im Mai
       
       Es wird die letzte WM für Mexikos Torhüter Guillermo Ochoa sein – und wie
       bei seiner ersten vor 20 Jahren muss der Keeper mit Legendenstatus mit
       einem Platz auf der Ersatzbank zurechtkommen müssen. „Dieses Trikot zu
       tragen, war nie Routine. Es war ein Privileg“, schrieb der Torhüter
       kürzlich auf Instagram. Ochoa wird als erster Keeper, der an sechs
       Weltmeisterschaften teilgenommen hat, in die Fußballgeschichte eingehen.
       
       Eine seiner Sternstunden hatte er [1][bei der WM 2014 in Brasilien]. Die
       Gastgeber rennen ohne Pause an. Vor fast 60.000 Fans im Estádio Castelão in
       Fortaleza will die Seleção bei der Heim-WM 2014 auch das zweite
       Gruppenspiel gegen Mexiko gewinnen und sich früh das Ticket fürs
       Achtelfinale sichern. Chance um Chance erspielt sich das Team [2][um
       Superstar Neymar] – doch immer wieder ist bei Mexikos Keeper Guillermo
       Ochoa Schluss.
       
       Der Keeper mit den langen Locken und dem Stirnband scheint an diesem Tag
       übermenschliche Kräfte zu besitzen, pariert Abschlüsse aus allen Lagen und
       lässt eine ganze Nation verzweifeln. Viele Expert*innen bezeichneten
       Ochoas Auftritt später als eine der stärksten Torwartleistungen jemals bei
       einer WM. Der damals 28-Jährige selbst blieb trotzdem ganz ruhig: „Ich
       danke Gott für dieses Spiel.“
       
       Ochoa scheint 2014 auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Das Turnier in
       Brasilien ist nach 2006 und 2010 seine dritte Teilnahme an einer
       WM-Endrunde – zum ersten Mal darf er spielen. Und spätestens nach dem Spiel
       gegen Brasilien wurde er zur Legende. Das Internet drehte völlig durch. Auf
       einem Bild wurde Ochoas Kopf auf die Christusstatue von Rio montiert, auf
       einem anderen versperrte ein überdimensionaler Sombrero beinahe das gesamte
       Tor. Sogar sein Wikipedia-Eintrag wurde kurzzeitig um den Zusatz
       „mexikanischer Jesus“ ergänzt.
       
       ## Zwei Millionen Kommentare
       
       Während der Partie veröffentlichten beim Kurznachrichtendienst Twitter –
       heute X – fast zwei Millionen Nutzer*innen Kommentare über den Torhüter.
       
       Bei der Weltmeisterschaft 2018 konnte der in Guadalajara geborene Ochoa an
       seine Leistungen von 2014 anknüpfen. Mit neun Paraden war er [3][maßgeblich
       am Sieg der mexikanischen Nationalmannschaft gegen die DFB-Elf] beteiligt
       und zog wie 2014 ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft ein. Beim
       Wüstenturnier von Katar war er erneut Stammtorhüter.
       
       Inzwischen hat der mittlerweile 40-Jährige 153 Länderspiele absolviert, 11
       davon bei WM-Endrunden. Damit steht er auf Platz drei der ewigen
       Nationalspieler Mexikos. Im Sommer vergangenen Jahres schien seine
       internationale Karriere allerdings bereits beendet: Nach dem Gold Cup 2025
       wurde Ochoa nicht mehr nominiert und war zwischenzeitlich sogar vereinslos,
       ehe er im September beim zyprischen Erstligisten AEL Limassol unterschrieb.
       Und wer weiß, vielleicht wird sein Einsatz auch noch bei dieser WM
       benötigt.
       
       11 Jun 2026
       
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